Gesetzlich geschützter "Naturerlebnisraum"

Ausgabe direkt auswählen:

Suchen in allen Ausgaben:

ökopädNEWS
April 1994
Ausgabe Nr. 035

Inhaltsverzeichnis | nächster Artikel

Titelstory

Gesetzlich geschützter "Naturerlebnisraum"


Das Dilemma ist altbekannt und nach wie vor ungelöst. Besonders die wertvollsten, weil bislang wenig veränderten Naturräume sind die bevorzugtesten Ziele von Erholungssuchenden. So wird zerstört, was gerade wegen seines Wertes gesucht wurde. Dieses Problem berührt in hohem Maße auch die Arbeit von UmweltpädagogInnen, seien sie Waldpädagogen, Öko-Animateure oder Leiter ökologischer Bildungsreisen. Der Drang zur unberührten Natur ist bislang ungebrochen und führt wohl über kurz oder lang zur weiteren Vernichtung seltener Arten und Lebensräume. Wie aber kann man die Wunder der Natur zeigen und zum Verständnis, Mitfühlen und Naturschützen aufrufen, wenn man das Wunderbare in der Natur nicht zeigen oder anfassen, ja begreifen darf? Wo darf ein Kind noch ein Frosch anfassen, wo auf Bäume klettern oder durch hohe Wiesen streifen, wenn alles verboten, weil geschützt, ist?! Eine Lösung könnten die sog. "Naturerlebnisräume" sein, die das Land Schleswig-Holstein im neuen Landschaftspflegegesetz von 30.6.93 definierte. Im Abschnitt VI "Erholung" heißt es dazu unter §29 neben Naturparks und Naturschutzgebieten:

Naturerlebnisräume
"(1) Naturerlebnisräume sollen den Besuchern ermöglichen, Natur, Naturzusammenhänge und den unmittelbaren Einfluß des Menschen auf die Natur zu erfahren.
(2) Als Naturerlebnisräume können begrenzte Landschaftsteile anerkannt werden, die sich wegen
1. der vorhandenen oder entwicklungsfähigen natürlichen Strukturen und
2. der Nähe zu Naturschutzgebieten oder sonst bedeutsamen vorrangigen Flächen für den Naturschutz oder
3. der Nähe zu Gemeinde- oder Informationszentren dazu eignen, den Besuchern mit Hilfe einer räumlichen Gliederung und entsprechenden Einrichtungen die in Absatz 1 genannten Zusammenhänge zu vermitteln. §28 gilt für die Bezeichnung des Naturerlebnisraums entsprechend.
(3) Naturerlebnisräume werden auf Antrag eines Trägers von der obersten Naturschutzbehörde oder mit ihrer Zustimmung auch von der unteren Naturschutzbehörde anerkannt. Als Träger kommen vor allem Gemeinden und sonstige juristische Personen des öffentlichen oder privaten Rechts in Betracht."

Interessant dürfte die offizielle Anerkennung als Träger z.B. für Umweltzentren sein, die damit eine gewisse gesetzliche Absicherung ihrer Arbeit erfahren würden. Die Redaktion bittet um weitere Hinweise zu diesem Thema und Berichten aus der Praxis über die Gestaltung und Ausstattung dieser Naturerlebnisräume.

Nächster Artikel: Salat aus Wildkräutern