"Öko - Audit"

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ökopädNEWS
Mai 1994
Ausgabe Nr. 036

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Titelstory

"Öko - Audit"


Entgegen gängiger Meinungen ist Deutschland nicht federführend im Umweltschutz. Nur in Teilbereichen, wie den nachgeschalteten Technologien, sind bei uns besonders ausgereifte Systeme entstanden, z B. Kläranlagen oder Rauchgasentgiftungsanlagen. Was Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens angeht, ist Deutschland trotz vieler Umweltauflagen noch Entwicklungsland. Vor allem in den USA, England und Japan wurde das Konzept eines integrierten Umweltschutzes ("Öko-Audit") entwickelt, bei dem die Entscheidungen eines Unternehmens über bloßes marktwirtschaftliches Denken hinaus in einem Spannungsfeld Markt - Konkurrenz - Umwelt gesehen werden. Umweltschutz kann so zum entscheidenden Marktfaktor werden und hat nun auch politisch an Boden gewonnen, seitdem die Europäische Union in einer Verordnung vom 29.6.93 beschlossen hat, ein Prüfsystem (Audit) für standortbezogenes Umweltmanagement in den Betrieben ab April 1995 einzuführen. Deutschland hat zwar durchsetzen können, daß das Öko-Audit eine freiwillige Maßnahme bleibt, doch die Marktkräfte werden den Audit erzwingen, wenn z.B. Banken den Audit zur Absicherung von Krediten verlangen oder Versicherungen ihre Haftpflichtprämien nach seinem Ergebnis berechnen. Im Unterschied zur bisher üblichen Praxis, wo Umweltbeauftragte innerbetrieblich meist gar keine Chance hatten, Umweltanliegen einzubringen, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Auflagen hinausgehen, sollen nun, unter Einbezug aller MitarbeiterInnen von Anfang an die Umweltprobleme des Betriebs systematisch und organisatorisch angegangen und daraus ein formuliertes Umweltprogramm entwickelt werden. Unter Berücksichtigung der Standortbedingungen wird zunächst eine Ist-Analyse durchgeführt, die die Stärken und Schwächen des betrieblichen Umweltschutzes anhand von 12 Kriterien (u.a. Energiewirtschaft, Rohstoffmanagment, Produktionsverfahren usw.) festhält. Hieraus werden umweltpolitische Leitlinien und ein internes Öko-Prüfsystem entwikkelt, das feststellen soll, inwieweit Erfolge erzielt wurden und ob Ziele neu definiert werden müssen. Die Ergebnisse werden von einem unabhängigen Gutachter geprüft und der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Der Betrieb darf nur mit einem offiziellen "Öko-Audit-Umweltzeichen" werben, das für 3 Jahre gilt. Dann muß ein neues Audit durchgeführt werden, bei dem der Betrieb neue, also höhere Umweltstandards erreichen muß, will er wiederum das Umweltzeichen. Auch Umweltzentren sind für Öko-Audits gut geeignet, verfügen sie doch per se über umweltbewußte MitarbeiterInnen, unternehmerische Zielsetzungen mit hohen Umweltansprüchen und ein (zumeist) integratives Management. Das große Problem für viele Umweltzentren sind jedoch fehlende Zeit, sowie finanzielle und personelle Defizite. Andererseits bietet sich vielleicht gerade hier eine neue Aufgabe, die Umweltzentren wieder zu dem macht, was sie einmal waren: Wegbereiter für wichtige gesellschaftliche Veränderungen!

(Text nach: Politische Ökologie, Heft 36, März/April 94: "Soll oder Haben - Umweltschutz in der Rezession", Spezial S.26: Weg von den Insellösungen - Marktgesetze zwingen Hersteller zu einer ökologischen Wirtschaftsweise)

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