Ökologische Kinderrechte

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ökopädNEWS
Oktober 1995
Ausgabe Nr. 053

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Titelstory

Ökologische Kinderrechte


Das Thema ist "heiß". Bündnis 90/ Die Grünen und SPD reichten diesen Monat einen Antrag im Bundestag ein, in dem sie ökologische Rechte für Kinder einfordern. In der Begründung heißt es, daß die Zahl der kranken Kinder durch Umweltbelastungen dramatisch zugenommen habe. In Deutschland litten inzwischen 10 bis 15 % aller Kinder an der Atemwegserkrankung Asthma, 1,2 Millionen an Neurodermitis, fast die Hälfte seien latente Allergiker, immer mehr Kinder hätten Krebs. Schuld daran seien vor allem die Grenzwerte, die für einen fiktiven Durchschnittsmann von 70 kg Gewicht berechnet werden und aus dem Arbeitsschutz stammen.

Schadstoffbelastungen würden darüber hinaus oftmals nicht in "Kindernasenhöhe" gemessen. Die körpereigenen Abwehrfunktionen sind bei Kindern noch nicht so stark ausgebildet, so daß sich entwickelnde Organe dauerhaft geschädigt werden können. Neben der Senkung der Grenzwerte für Schadstoffe sollte auch für Baustoffe, Textilien, Farben, Reinigungsmittel und Kosmetika eine umfassende Deklaration eingeführt werden. Die SPD fordert neben einem Anwendungsverbot der umstrittenen Pyrethroide (Insektengifte) insbesonders eine "Technische Anleitung (TA) Innenraum", da für Innenräume derzeit keine rechtlich bindenden Grenzwerte existieren. Die Bundesregierung sieht das anders: Sabine Bergmann-Pohl, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, will zunächst durch langfristige Untersuchungen die Zahl der erkankten Kinder und die umweltbedingten Zusammenhänge erforschen lassen. Immer mehr Organisationen unterstützen inzwischen die Forderung nach ökologischen Kinderrechten, z.B. die "Kinderkommission" im Bundestag, in der alle Fraktionen vertreten sind und die sich als Partner und Förderer von Verbänden und Initiativen sieht, die aber faktisch kaum Macht hat (Adresse: Kinderkommission, Bundeshaus, 53113 Bonn, Tel: 0228/1622271). Ein sehr guter einführender Aufsatz von Jana Frädrich findet sich im Heft 3/95 des "KinderInformationsDienstes" (KID), einer Vierteljahreszeitschrift, die einen ausgezeichneten Überblick über die Situation in Deutschland vermittelt (Bezug gegen DM 30,-/Jahr: KID, Samanstr. 4, 53227 Bonn, Tel: 0228/443195). Hier können auch die Dokumentation "Ökologische Kinderrechte" des Kongresses von 1993 (DM 12,40 + 3,- Versand) und die Diplomarbeit von Frercks Hartwig-Hellstern "Kinderbürger - Über die politische Beteiligung von Kindern (DM 16,- + 3,- Versand) angefordert werden. Als wichtiges Buch erschien soeben in der Beck'schen Reihe von Frädrich/Jerger-Bachmann: "Kinder bestimmen mit - Kinderrechte und Kinderpolitik". Eine interessante Broschüre "Parlament der Kinder", die Tips zur Durchführung von Kinderparlamenten gibt, kann gegen DM 3,- beim Deutschen Kinderhilfswerk, Rungestr. 20, 10179 Berlin, Tel: 030/2795656 angefordert werden. Außerdem findet vom 19.-20.10.95 in München die Fachtagung "AUFSTAND - für eine lebenswerte Zukunft" statt (Info: MobilSpiel, Tel: 089/7696025, vgl. ökopädNEWS 52)

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