Ein Fußgänger auf der Reise in der Neuen und in der Alten Welt - Codierung des Landes

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ökopädNEWS
Januar 1996
Ausgabe Nr. 056

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Rezensionen

Ein Fußgänger auf der Reise in der Neuen und in der Alten Welt - Codierung des Landes


Helmut Schreier
Ein Fußgänger auf der Reise in der Neuen und in der Alten Welt - Codierung des Landes
Alleinvertrieb: Agentur Dieck, Richard-Wagner-Str. 1, 52525 Heinsberg

Reisen ist heutzutage zur Massenware verkommen und besitzt für viele Menschen leider nur noch den Wert eines "me-too"-Produktes. "Ein Genie lernt auf einem Spaziergang mehr als ein Tor auf einer Reise um die Welt" sagte bereits Goethe und meinte damit eigentlich die Intensität des Erlebens während einer Reise. In seinem neuen Buch vergleicht Schreier verschiedene Formen des Reisens miteinander und ihre Wirkung auf den Reisenden selbst. Er schildert sehr persönliche Eindrücke, die er während unterschiedlicher Fortbewegungsweisen sammelte, im Flugzeug, im Auto und zu Fuß und verknüpft sie auf sehr unterhaltsame und lehrreiche Weise mit historischen, literarischen, psychologischen und spirituellen Kenntnissen. Das Buch ist ein Lesebuch für Genießer, voller großer Gedanken und angefüllt mit vielen kleinen Anregungen zum Selbermachen. Es ist etwas für geistige Wanderer, für Fußgänger zwischen den Welten und ein Lob des Zu-Fuß-Gehens für Reisende. Es hinterfragt die Vorstellungen über die "Wildnis Amerika" und das europäische Leitbild einer "Landschaft der Mitte", die beide für sich unhaltbar sind und eine gegenseitige Ergänzung benötigen. Schreier zeigt auf, wie durch die Kritik am Fortschrittsglauben eine Hinwendung zur Gegenwart möglich und hierdurch mehr Zeit für die Betrachtung verborgener abstrakter Prinzipien gewonnen werden kann. Sowohl Begegnungen mit dem Anderen der Natur als auch kontemplative und spirituelle Erfahrungen könnten Ansätze für eine Lösung unserer ökologischen Krise sein. Am Ende widmet sich Schreier dem Lernen und der Frage, wie die eigene Lebenserfahrung sinnvoll mit der Naturerfahrung verknüpft werden kann. Hierzu stellt er einige Ansätze konkret vor: Natur-Kunst herstellen, den Naturdingen Namen geben und Tiefenkarten entwerfen. Ein gelungenes Buch, das allen, die Umwelterzieherung, Mitwelterziehung, Ökopädagogik, naturbezogenen Pädagogik, Landethik usw. betreiben, als Hilfe zur Codierung ihrer persönlichen Landkarte dienen kann.