Go East: Die Internationale Gesellschaft für Umwelterziehung und Umweltaufklärung

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ökopädNEWS
März 1996
Ausgabe Nr. 058

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Titelstory

Go East: Die Internationale Gesellschaft für Umwelterziehung und Umweltaufklärung


Wenn deutsche Unternehmen zur Zeit über angeblich drückende Umweltauflagen und zu hohe Umweltstandards in Deutschland reden, kann man sicher sein, daß dieselben Firmen bei Vorhaben im östlichen Ausland auf staatlich nicht zwingend vorgeschriebene Umweltschutzmaßnahmen verzichten werden. Die Osteuropa überrollende Marktwirtschaft führt zu weiterer ökologischer Verelendung von Mensch und Natur und verstärkt die dortigen Gesundheits- und Umweltprobleme, die noch aus der Zeit vor dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems stammen. Da es bis in die achziger Jahre offiziell keine Umweltprobleme gab, ist das allgemeine Umweltbewußtsein in der Bevölkerung viel geringer als bei uns.

Seit Öffnung der Grenzen türmen sich die Müllberge mit Plastikbehältern, Aludosen und Getränkekartons. Verkehr, Industrieemmissionen und neue Gewerbegebiete bedrohen viele wertvolle Naturreservate. Eine wichtige Rolle bei der Sensiblisierung der Bevölkerung für Umweltprobleme spielen die in den letzten Jahren verstärkt gegründeten Umwelterziehungseinrichtungen in Polen, Tschechien oder der Slowakei. Die Arbeitsbedingungen dieser Umweltzentren und Umweltgruppen sind ungleich schwieriger als bei uns. Doch die Lehrer in der Schule verfügen weder über Erfahrung mit Themen des Umweltschutzes, noch über geeignete didaktische Materialien wie Informationsbroschüren, Foliensätze, Diaserien usw., geschweige den über Analysekoffer oder Computerprogramme. Ein Praktikum oder Erfahrungsaustausch mit KollegInnen aus westeuropäischen Ländern wäre nötig, doch zum Reisen fehlt das Geld. Staatliche Programme zur Umwelterziehung sind selten und bewegen sich häufig auf niedrigem Niveau, z.B. Müllsammlung entlang Flüssen. Um diesen Mißständen abzuhelfen und die Zusammenarbeit zu verstärken, wurde im April 1994 in Prag die "Internationale Gesellschaft für Umwelterziehung und Umweltaufklärung" (IGU) gegründet. Zu den Zielen der IGU gehören die methodische und finanzielle Unterstützung mittel- und osteuropäischer Organisationen im Umwelterziehungsbereich, die Durchführung gemeinsamer Aktivitäten wie z.B. Fortbildungen, Praktika oder Camps und die Herausgabe gemeinsamer Publikationen. Dem gemeinnützigen Verein gehören inzwischen 42 Einrichtungen an: aus Deutschland (u.a. Station Umwelterziehung Iffens, Freilandlabor Britz, Naturschutzzentrum Mittelmühle), Österreich (ARGE Umwelterziehung Wien), Polen (u.a. Regionale Zentren für Umwelterziehung in Danzig, Stettin und Krakau, Zentrum für Umwelterziehung in Warschau), Slowakei (u.a. Zentren des Vereins "Baum des Lebens" in Bratislava, Kosice, Puchov) und Tschechien (u.a. Stiftung für Umwelterziehung in Prag und Budweis, Ökozentrum Brünn). Im international besetzten Vorstand sind u.a. die Deutschen Dr. Heinrich Becker und Dipl.Biol. Bernd Schlag vertreten, die eine kleine Geschäftsstelle in Gießen betreiben.

Der ANU-Sprecherrat begrüßt ausdrücklich die Aktivitäten der IGU und fordert seine Mitglieder auf, nach Möglichkeit durch Sach- oder Geldspenden zur Verbesserung der Situation der Umweltbildung in Osteuropa beizutragen. Viele Zentren verfügen über z.T. langjährige Kontakte in den Osten (z.B. aus den Zeiten der DDR), die systematisch auf- und ausgebaut werden könnten. Denkbar und wünschenswert wären z.B. Partnerschaften auf persönlicher Ebene und längerfristige Projekte zwischen Umweltzentren. Die IGU steht mit Rat und Tat zur Seite.

Kontakt: IGU, Steinstr. 21a, 35390 Gießen, Tel: 0641/37973, Fax: 34510

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