Nachhaltiger Konsum - ein Thema für die Umweltbildung

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ökopädNEWS
April 1996
Ausgabe Nr. 059

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Titelstory

Nachhaltiger Konsum - ein Thema für die Umweltbildung


Es bewegt sich etwas! Wurden bis vor wenigen Jahren im Umweltbildungsbereich fast ausschließlich Umweltprobleme wie z.B. Wasser- und Luftverschmutzung oder naturbezogene Themen wie Artenschwund und Biotopzerstörung behandelt, so rücken nun immer mehr anthropologische Fragestellungen wie Konsum- oder Mobilitätsverhalten in den Vordergrund. Der Mensch in seinem kulturellen Umfeld und seinen alltäglichen Verhaltensweisen steht auf dem Prüfstand: der/die Einzelne kann zugleich Retter, Opfer und Täter im Hinblick auf ökologische Probleme sein. Etwa 70 - 80 % aller Umweltbelastungen, so schätzt man, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Konsumbereichen Ernähren, Kleiden und Wohnen. Doch das Thema Konsum ist für viele UmweltpädagogInnen noch Neuland: Welche Anreize könnten geeignet sein, um Menschen zu einem anderen Konsumverhalten zu bewegen?

Wie steht es mit der Vorbildfunktion des/der UmweltpädagogIn selbst? Was heißt "Nachhaltiger Konsum" eigentlich konkret im Alltag? Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung / DIE und die Stiftung Verbraucherinstitut luden im März dieses Jahres Multiplikatoren zu einem Workshop nach Iserlohn ein, um erste Ansätze für die Bildungsarbeit zu diskutieren. Lebensstile, geschlechts- und altersbezogene Konsumrollen sowie Konsumpolitik waren Themen der Veranstaltung, die in einem Heft demnächst dokumentiert werden soll. Für alle, die sich näher mit diesem Thema befassen wollen, hier ein kleiner Einblick in die Arbeit des Verbraucherinstituts. Das Verbraucherinstitut Berlin ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich nicht an die Verbraucher selbst, sondern an Multiplikatoren im Bildungsbereich wendet. Schwerpunkte der Arbeit sind Marketing, Ökologie, Gesundheit sowie ökologische und soziale Verantwortung. Hierzu hat das Verbraucherinstitut verschiedene pädagogische Materialien veröffentlicht, die das komplexe Themenfeld Konsum aufbereiten helfen sollen: "Nachhaltiger Konsum - aber wie?" lautet der Titel eines Workshops, dessen Dokumentation einen guten Einstieg in das Thema ermöglicht. Verschiedene Referate befassen sich mit den Erfahrungen aus dem niederländischen Aktionsplan, geben empirische Daten zum Umweltverhalten der Verbraucher und stellen den nachhaltigen Konsum als Aufgabe der Verbraucherverbände vor. Interessant sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, wo z.B. nach den Hemmnissen bei Verbrauchern gegen eine Umsetzung gefragt wurde, und der abschließende Thesenkatalog, der als politisches Programm verstanden werden kann (1995, 137 S., DM 9,-). Zum aktuellen Thema Ökotextilien und der Zerstörung lokaler Textilindustrien in Afrika durch massenhaften Import unserer Altkleider ist das Heft "Kleidung: Ökologie und Gesundheit" erschienen. In sieben Kapiteln wird informativ und didaktisch aufbereitet sowohl die textile Kette von der Faserproduktion bis zur Altkleidersammlung vorgestellt als auch der Widerspruch zwischen dem Spaß an der Mode und der ökologischen Verantwortlichkeit (1995, ca. 120 S., DM 23,-). Das Material "Sozial-Sponsoring im Kinder- und Jugendbereich" beleuchtet die Praxis dieser neuen Form von Unternehmenskommunikation und stellt konkrete Beispiele vor. Verschiedene Fachleute versuchen aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus die Frage nach den Auswirkungen von Sponsoringaktivitäten auf die sozialpädagogische Arbeit im Projekt zu beantworten. (1996, 72 S., DM 18,-). Weitere Titel sind u.a.: "Sanftes Reisen lernen - Umwelt, Gesundheit und Konsum im Schullandheim, Dokumentation eines Projekts" (1994, 88 S., DM 15,-) und "Welternährungssituation und nachhaltiger Konsum" (1996, 200 S., DM 26,-). Fortbildungsprogramm 1996 auf Anfrage.

Publikationsliste und Bezug: Stiftung Verbraucherinstitut, Versandservice, Pf. 1448, 59933 Olsberg. Weitere Materialien zur Verbraucherbildung bei der Verbraucherzentrale NRW, Abt. Verbraucherbildung, Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf, Tel: 0211/38090

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