Nachhaltigkeit international: CSD und ESD

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ökopädNEWS
Mai 1996
Ausgabe Nr. 060

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Titelstory

Nachhaltigkeit international: CSD und ESD


Im Anschluß an die Konferenz in Rio 1992 wurde ein Jahr später die "Kommission für Nachhaltige Entwicklung" (UN Commission on Sustainable Development - CSD) ins Leben gerufen, die die Umsetzung und Fortentwicklung der "Agenda 21" und der "Waldgrundsatzerklärung" überwachen und koordinieren soll. Der Kommission gehören 53 Staaten an, die jeweils für ein bis drei Jahre in die CSD gewählt werden. Deutschland ist Mitglied der CSD zunächst bis Ende 1998. Die CSD trifft sich einmal pro Jahr in New York für 2 bis 3 Wochen, um die Umsetzung der einzelnen Kapitel der Agenda 21 zu erörtern. Wenn alle Kapitel behandelt worden sind, voraussichtlich 1997, wird eine Sondergeneralversammlung der Vereinten Nationen (VN) eine vorläufige Zwischenbilanz hinsichtlich der Umsetzung der Rio-Ergebnisse ziehen. Dieser Prozess wird von den Nichtregierungsorganisationen (NRO) begleitet.

Mehr als 60 deutsche Umwelt- und Entwicklungsorganisationen gründeten das "Forum Umwelt und Entwicklung", das die Arbeit der NROs koordinieren soll. Das Forum hat zahlreiche Arbeitsgruppen gebildet und nimmt an den CSD-Tagungen als Beobachter teil. Seine Arbeit wird von BMU und BMZ finanziell unterstützt. (Kontakt: Forum Umwelt und Entwicklung, Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn, Tel: 0228/359704, Fax: /359096). Für die Sitzungsperiode 1996 plant die CSD die Überprüfung verschiedener bereichsübergreifender Themenkomplexe, u.a. von "Erziehung, Wissenschaft, Transfer von umweltverträglichen Technologien, Kooperation und Stärkung von personellen und institutionellen Kapazitäten". Hierbei sollen die Kapitel 34 (Technologietransfer), 36 (Förderung der Schulausbildung, des öffentlichen Bewußtseins und der beruflichen Aus- und Fortbildung) und 37 (Nationale und internationale Zusammenarbeit) besonders berücksichtigt werden. Berichterstatter für die EU sind die Niederlande. Sie werden ein 9 Punkte Programm vorstellen, das sich im wesentlichen auf die Ergebnisse eines Workshops bezieht, der vom 28.11.-1.12.95 in Prag stattfand. In Prag empfahlen die teilnehmenden internationalen Experten die Entwicklung eines leicht verständlichen Konzepts für eine "Bildung/Erziehung für Nachhaltige Entwicklung" (Education for Sustainable Development - ESD). Sie formulierten weiterhin eine Reihe von Empfehlungen, u.a. die Entwicklung von "National Action Plans" und "Guidelines" sowie von Materialien für ESD, die Bedeutung von ESD bei der Verbraucherbildung, die Entwicklung entsprechender, spezieller nationaler Programme zu ESD, den Einbezug von ESD in alle Bildungsbereiche usw. Das 9 Punkte-Programm der EU führt aus, daß es ohne Beteiligung der jungen Generation keine erfolgreiche Umsetzung der Agenda 21 geben wird und daß deshalb Bildung der Weg ist, durch den eine Beteiligung erzielt werden kann. Umwelterziehung muß einen Paradigmenwechsel durchführen und verstärkt soziale, ökonomische und ökologische Aspekte aufgreifen und miteinander verknüpfen. Die EU schlägt der CSD vor, ein Arbeitsprogramm einzurichten, das u.a. die außerschulische (Umwelt)Bildung verbessert, andere gesellschaftliche Gruppen einbezieht (Konsumentenverbände, Gewerkschaften, Wirtschaftsorganisationen und Frauengruppen), die Kooperation zwischen der Verwaltung, den Ländern und internationalen Vereinigungen fördert und als "bottom-up"-Prozess lokale Aktivitäten in einen nationalen Prozess einbindet. Sollte die CSD das EU-Papier annehmen, dann bedeutet dies eindeutige Signale für die Umweltbildung: die Umweltbildungsverbände sollten so schnell wie möglich einen "Nationalen Runden Tisch ESD" sowie einen deutschen "Masterplan" einfordern und ihre aktive Mitwirkung auch auf der internationalen Ebene vorschlagen, z.B. einen Sitz in der CSD fordern. Sie sollten die Bedeutung der außerschulischen Bildungsarbeit hervorheben und Vorschläge für ein integriertes Konzept entwickeln, das neue Zielgruppen erschließt. Das bedeutet zugleich, daß die Umweltbildungsverbände aus ihrer stark naturbezogenen Ecke herauskommen und einen Paradigmenwechsel in ihrer Arbeit einläuten müssen.

(Literatur: Umwelt Nr. 6/95, S. 222-223. Bezug des "9 Punkte- Papiers der EU zur CSD", des "Protokolls zum Prager Workshop vom Dezember 1995" - beide in englisch! - und weiterer Infos gegen Zusendung eines mit DM 2.- freigemachten Rücksendecouverts bei der Redaktion in Hamburg)

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