Ökologische Kompetenz - Umweltbildung für Lehrende

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ökopädNEWS
März 1998
Ausgabe Nr. 082

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Rezensionen

Ökologische Kompetenz - Umweltbildung für Lehrende


Reinhold Hedtke (Hrsg.) / GbU, Bertelsmann
Ökologische Kompetenz - Umweltbildung für Lehrende
Verlag, Bielefeld, 1997

Die berufliche Bildung stellt ein Schlüsselfeld im Leben vieler Menschen dar, bildet sie doch den Übergang vom gesellschaftlich vorgeschriebenen Schulbesuch ins "Freie Leben" mit der Qual der Berufs-Wahl in all seinen Konsequenzen. Doch was wird eigentlich in dieser so wichtigen Zeit vermittelt? Und, fast noch wichtiger, wer vermittelt es? Wie soll der Satz "Lernen ist das Gegenteil von Belehrt werden" (von Hentig) in der beruflichen Bildung umgesetzt werden, wo es doch gerade hier darauf ankommt, kritische junge Menschen für ein Mitgestalten einer zukunftsfähigen Entwicklung zu gewinnen? Das Buch von Hedtke bietet Anstöße und Grundlagen für eine ökologische Modernisierung der beruflichen Bildung, nennt Leitlinien für einen Lernkulturwandel und fordert von den Lehrenden qualifizierte ökologische Kompetenz. Im ersten Teil wird eine Zustandsanalyse gegeben, die Lage der beruflichen Umweltfortbildung in den Bundesländern beleuchtet und ein Rahmenkonzept für Lehrende beruflicher Umweltbildung vorgestellt. Spannend sind auch die im zweiten Teil vorgestellten praxisbezogenen Fortbildungsbeispiele, z.B. die innovativen Ansätze in der Lehrerfortbildung, die Christoph Nietschke beschreibt (Lern traumreise, ökologische Lebenslinie, persönliche Umweltwanderung usw.), die von Raschke und Wiese beschriebene Entwicklung von Fortbildungsangeboten zu den Berufsfeldern Metall, Büroberufe sowie Ernährung und Hauswirtschaft in Hamburg oder die Seminarbausteine von Hedtke zum ökologischen Bauen und Sanieren. Am Ende beleuchtet der Herausgeber die Realität staatlicher Lehrerfortbildung in NRW von 1990 bis 1995 bei insgesamt über 3400 umweltbildungsbezogenen Veranstaltungen. Er bestätigt den Wachstumstrend im allgemeinbildenden Bereich, während Umweltbildung im beruflichen Sektor stagnierte und von den Informationstechniken dominiert wurde, allerdings verbessert sich nach 1995 die Situation. Viele Berufsfelder wurden noch nicht erreicht, die Methoden sind noch recht konventionell, die Fortbildungen sind zu wenig professionell. Hedtke macht konkrete Vorschläge für eine (umwelt) bildungspolitische Initiative im Fortbildungsbereich. Sie gilt es aufzugreifen und voranzutreiben. Das Buch liefert ausgezeichnete Grundlagen hierfür und sollte auch im allgemeinbildenden Bereich, insbesondere in den Umweltzentren, den Mut entfachen, den beruflichen Sektor als wichtigen Baustein in die Bildungsarbeit verstärkt mit zu integrieren.

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