"Uns gehört die Zukunft!" - Kinderpolitik im Zeichen der Agenda 21

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ökopädNEWS
März 1998
Ausgabe Nr. 082

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Titelstory

"Uns gehört die Zukunft!" - Kinderpolitik im Zeichen der Agenda 21


In Kapitel 25 der "Agenda 21" wird gefordert, Kinder und Jugendliche auf allen für sie relevanten Ebenen aktiv an Entscheidungsprozessen zu beteiligen und sicherzustellen, daß ihnen eine sichere und gesunde Zukunft einschließlich einer lebenswerten Umwelt sowie Zugangsmöglichkeiten zu Bildung und Beschäftigung geboten werden. Als Synonym für diese Forderungen hat sich das Schlagwort der "Ökologischen Kinderrechte" durchgesetzt, die für das Recht eines jeden Kindes und Jugendlichen stehen, ein gesundes Leben zu führen und positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Von der Umsetzung dieser Kinderrechte sind wir jedoch weltweit, und zwar auch in Deutschland, noch sehr weit entfernt. Ein Beispiel: die Sonne scheint, die Autos stinken, es gibt Ozonalarm. Kinder sollen drinnen spielen - Autos dürfen draußen fahren! Kinder und Jugendliche haben aber gemäß UN-Kinderrechtskonvention das "Recht auf ein Höchstmaß an Gesundheit" (Artikel 24) und das "Recht auf Spiel" (Artikel 31). Kinder und Jugendliche sollten deshalb als angehende Erwachsene an der Gestaltung ihrer Zukunft in einem Prozeß des gemeinsamen Aushandelns neuer Wege eingebunden werden, bloß wie? Wie könnte eine "Kinder-Agenda" aussehen? Wie ist in einer Großstadt Kinderpolitik so realisierbar, daß sie "etwas bringt"?

Beispiel München: Vor genau 10 Jahren gründeten vier Träger der Kinder- und Jugend(kultur)arbeit in München (u.a. MobilSpiel e.V.) einen Arbeitskreis, der Zukunftswerkstätten und einen Zukunftskongreß für Kinder und Jugendliche unter dem Titel "München - WerkStadt der Zukunft" durchführte. "Unsere Zukunft beginnt heute!" lautete das Motto. Hieraus wurde die Idee entwickelt, regelmäßige Foren für Kinder und Jugendliche ab 9 Jahren in München durchzuführen, bei denen sich Kinder und Jugendliche mit Politikern und Vertretern der Stadtverwaltung über ihre Beteiligungsmöglichkeiten auseinandersetzen und entsprechende Anträge stellen können. Seit 7 Jahren wurden jährlich zwei Foren zunehmend auch in den Stadtteilen durchgeführt und ermöglichten Kindern eine, auf ihre Lebensumstände zugeschnittene, Mitbestimmung. Die im Laufe der Zeit gewonnenen Erfahrungen und entwickelten Methoden sind bunt und vielfältig, oft erfolgreich, mitunter spannungsgeladen, aber immer spannend: da gibt es eine Stadtteilkarawane, einen Kinder-Ratschlag für die Bürgermeisterin, einen Garten im Asylbewerberheim, Kunst am Schulhof, einen Generationenvertrag, eine Kinderrechte-Agentur mit Internet-Café, eine Kinder-Redaktionsgruppe u.v.m. Die nun im Buch "Kinderpolitik konkret - Das Münchner Kinder-und Jugendforum" zusammengestellten Berichte, Methoden und Aktionsbeispiele, könnten Vorbild für andere Gemeinden sein oder von Umweltzentren als Promotoren einer lokalen Kinder-(rechts)bewegung jederzeit aufgegriffen und umgesetzt werden (1998, 100 S., 70 Bilder, 20,-DM.
Kultur und Spielraum e.V., Ursulastr. 5, 80802 München, Fax: 089/341677).

Für alle NeueinsteigerInnen in das Thema sei das Infopaket von MobilSpiel e.V. (DM 5,- im Briefmarken) empfohlen, das ein ausgezeichnetes Faltblatt (mit Hintergrundinformationen zur Agenda 21und Umweltbildung, vielen Methodentips zur Umsetzung der Agenda für, von und mit Kindern und Jugendlichen sowie Beispielen für Aktionstage) und die "Kinder-Agenda" (eine speziell für Kinder erstellte Fassung der Agenda 21) enthält. MobilSpiel bietet darüberhinaus eine Literaturliste zur Kinderagenda (3,-), das Buch "Aufstand für eine lebenswerte Zukunft: Ökologische Kinderrechte" (1996, DM 24,80) und eine Agenda-Kiste zum Ausleihen an.
MobilSpiel, Ökoprojekt, Welser Str. 15, 81373 München, Tel: 089/7696025

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