Umweltbewußtsein in Deutschland 1998

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ökopädNEWS
November 1998
Ausgabe Nr. 090

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Titelstory

Umweltbewußtsein in Deutschland 1998


Im Januar und Februar 1998 wurde eine repräsentative Umfrage zum Umweltbewußtsein in Deutschland von der Hamburger Gesellschaft für Marktforschung GFMGETAS und dem Institut für Soziologie der Universität Rostock durchgeführt. Etwa 1200 West- und 800 OstbürgerInnen wurden bezüglich ihrer Einstellungen zu Fragen des Umweltschutzes und der Umweltpolitik befragt. Die meisten Ergebnisse waren zu erwarten gewesen. Das Umweltproblem ist im Vergleich zu anderen gesellschaftspolitischen Problemen hinter die Arbeitslosigkeit, die Verbrechensbekämpfung und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft (!) auf Platz vier abgerutscht (1996 Platz drei).

Insgesamt unterscheidet sich das (relativ hohe) Niveau des Umweltbewußtseins in West und Ost nicht voneinander. Frauen haben ein höheres Umweltbewußtsein als Männer, jüngere und gebildetere Menschen sowie WählerInnen von "Bündnis 90 / Die Grünen" erreichen höhere Werte. Soweit bekannt. Bei etwas genauerem Hinsehen fällt auf, daß immerhin bei noch 65 % die Aussage "Es beunruhigt mich, wenn ich daran denke, unter welchen Umweltverhältnissen unsere Kinder und Enkelkinder wahrscheinlich leben müssen" die stärksten emotionalen Reaktionen hervorruft. Auf der Ebene der Handlungsbereitschaft finden sogar beachtliche 77 % die Aussage "Egal, was die anderen Tun, ich selbst versuche, mich so weit wie möglich umweltgerecht zu verhalten" am richtigsten. Nur 18 % lehnten die Aussage als falsch ab, daß wir auf eine Umweltkatastrophe zusteuern, wenn wir so weitermachen, wie bisher. Auf der anderen Seite ist die Zahlungsbereitschaft für Umweltschutz, umweltfreundliche Produkte und Umweltorganisationen stark gesunken. Schwerpunkt der wahrgenommenen Umweltprobleme ist der Straßen- und Autoverkehr. Dabei wird jedoch mehr Wert auf Vorschläge wie die Einrichtung von Fußgängerzonen, Tempo-30-Zonen oder dem ÖPNV gelegt, als auf radikaler Maßnahmen wie Tempolimit auf Autobahnen oder Sperrung von Innenstädten. Die eigene Nutzung des Autos wird nicht mehr so kritisch gesehen; insgesamt steigt der Trend, das Auto alleine zu nutzen. Vor allem im Osten ist man stärker bemüht, Energie und Wasser zu sparen und verbindet damit zugleich auch ökonomische Vorteile.

Sehr bedenklich sind die Ergebnisse im Bereich des Engagements für Belange des Umweltschutzes. Die Mitgliedschaft in Umweltgruppen (4,2 % der Bevölkerung) ist ausschließlich im Westen gesunken, aber immer noch höher als im Osten. Herausragend die hohe Aktivenzahl bei "Bündnis 90 / Die Grünen" (16 %), die SPD-Mitglieder (2,6 %) noch hinter der CDU/CSU (3,4 %), auffallend auch der Rückzug der Altersgruppe von 18 - 30 Jahren. Beliebteste Umweltaktivitäten sind das Unterschreiben von Unterschriftensammlungen (24%) und das Geldspenden (14%), Tendenz sinkend. Die, die sich an konkreten Aktionen beteiligen, erfahren immer häufiger Gleichgültigkeit oder Zurückhaltung anstelle erwarteter Anerkennung - keine besonders gute Motivation. Dennoch wird den Umweltschutzorganisationen und den Bürgerinitiativen die höchste Problemlösungskompetenz eingeräumt, knapp vor den Behörden und weit vor den Parteien und ganz weit vor dem Bundesumweltministerium. Mit dem Regierungswechsel könnte sich das ändern. Während nur 15% der Bevölkerung (plus 4%) schon einmal etwas vom Konzept der nachhaltigen Entwicklung gehört haben, behaupten sogar 28%, daß sich Deutschland auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung befindet. Na, dann muß es ja wohl so sein, oder?

Kostenloser Bezug der Studie beim BMU, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Pf. 120629, 53048 Bonn

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