UNESCO - "Agenda für die Zukunft"

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ökopädNEWS
Dezember 1998
Ausgabe Nr. 091

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Titelstory

UNESCO - "Agenda für die Zukunft"


Vor gut einem Jahr trafen sich über 2500 Delegierte zu einer, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, UNESCO-Weltkonferenz über die Erwachsenenbildung (CONFINTEA V) in der Universität Hamburg. Das UNESCO-Institut für Pädagogik Hamburg (UIP) hat nun das Abschlußdokument in Deutsch veröffentlicht: die "Hamburger Deklaration zum Lernen im Erwachsenenalter - Agenda für die Zukunft". Die kleine 38-seitige Broschüre liest sich zunächst nicht gerade besonders spannend, wie so viele Abschlußdokumente - doch darf man dabei nicht unterschätzen, wie unterschiedlich die Bildungssituation weltweit ist. Bildung wird allgemein als der Schlüssel für die Zukunft angesehen, das gilt nicht nur für die Grundbildung von Kindern, sondern im steigenden Maße auch für die Erwachsenenbildung. Weltweit stehen die Menschen durch die hohe Dynamik der wissenschaftlichen, technischen, ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Entwicklung neuen, für viele Menschen fast unüberwindbaren, Herausforderungen gegenüber. Gleichzeitig ist eine ungeheuere Zunahme des Wissens und der Information in allen Lebensbereichen zu registrieren.

Diese "Schere" kann nur durch umfassende Bildung geschlossen werden. Die "Agenda für die Zukunft" trägt dem Rechnung, denn sie fordert u.a. die Anerkennung des Rechts auf Bildung und des Rechts zu lernen, die Integration und Förderung von Frauen, eine Kultur des Friedens, Gesundheitsförderung, ökologische Nachhaltigkeit, eine Veränderung der Wirtschaft und Zugang zu Informationen. Immerhin haben Delegationen aus 150 Staaten diese Erklärung unterschrieben und damit die Bedeutung der Bildung für das 21. Jahrhundert unterstrichen. Sie verpflichten sich damit u.a., "Programme für eine ökologische und sozial nachhaltige Entwicklung auszuarbeiten", "es Menschen möglich zu machen ... sich mit EntscheidungsträgerInnen über Umwelt- und Entwicklungsthemen auszutauschen", "indigenes und traditionelles Wissen ... in Erwachsenenbildungsprogrammen zu integrieren" und einen "ökologischen Ansatz für das lebenslange Lernen" zu entwickeln. Schöne Worte und geduldiges Papier, wird so mancheR denken. Doch es liegt auch an uns allen, ob solche Forderungen umgesetzt werden oder nicht.

Als Beispiel hierfür möge die "Allgemeine Erklärung für Menschenrechte" gelten, die am 10.Dezember 1948, also ziemlich genau vor 50 Jahren, von der Generalversammlung der Vereinten Nationen unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges und des Faschismus, als ein "von allen Völkern zu erreichendes gemeinsames Ideal" verabschiedet wurde. Im Sinne der "Agenda 21" und des "Globalen Lernens" wäre dies sicherlich auch ein Thema für alle Umweltzentren, doch liegen der Redaktion keine Kenntnisse über entsprechende Aktivitäten vor. Dagegen haben sich über 1500 Schulen aus 91 Ländern am 27.April dieses Jahres an einem weltweiten Projekttag der Solidarität zu diesem Thema beteiligt. Der Tag wurde in Anknüpfung an den 1. weltweiten Projekttag am 26. April 1996 ("10 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl") von Bielefelder Schulen und dem Projektbüro Minden koordiniert. Schulen aus der Zentralafrikanischen Republik (74 Schulen zum Thema Kinderrechte), dem Kongo (Kleidersammlung für Kriegs- und Minenopfer), Schweden (Ausstellung mit gemalten Bildern), Deutschland (Internet-chat und "elektronische Menschenkette") bis Kirgisien, Tansania, Litauen, Israel und China nahmen mit zahlreichen Projektideen an diesem Aktionstag teil. Es wäre an der Zeit, daß sich auch die Umweltzentren stärker als bisher mit der Notwendigkeit des "Globalen Lernens" auseinandersetzen. Auf einer Tagung im UNESCO-Institut für Pädagogik (UIP) in Hamburg stellte Jürgen Forkel-Schubert vom Hamburger Umweltzentrum Karlshöhe kürzlich die Idee vor, parallel zu den "UNESCO-Projekt-Schulen" auch "UNESCO-Umwelt/Bildungszentren" für den außerschulischen Bereich einzurichten und hierdurch globale Partnerschaften zwischen Umweltzentren im Sinne der weltweiten Verknüpfung lokaler Agenden anzuregen. Partnerschaften in Form von sog. "twinning-Projekten" zwischen (Umwelt)Bildungszentren der "Ersten" und der "Dritten" Welt könnten durch persönliche Begegnungen ihrer Mitglieder nicht nur den Erfahrungsaustausch untereinander fördern, sondern auch durch menschliche Betroffenheit und Engagement einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten.

Bezug und Informationen:
1) "Agenda für die Zukunft" beim UIP, Feldbrunnenstr. 58, 20148 Hamburg, Tel: 040/4480410
2)"Jahrbuch 1997/98" (Broschüre), "UNESCO heute"(vierteljährliche Zeitschrift) sowie "unesco-projekt-schulen forum" (vierteljährliche Zeitschrift) alle bei der Deutschen UNESCO-Kommission, Colmantstr. 15, 53115 Bonn, Tel: 0228/60497-0/11
3) Thesenpapier "UNESCO-Umweltzentren" beim Hamburger Umweltzentrum Karlshöhe, Karlshöhe 60 d, 22175 Hamburg, Tel: 040/6402019

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