Umweltmediation in Deutschland

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ökopädNEWS
November 1999
Ausgabe Nr. 100

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Titelstory

Umweltmediation in Deutschland


Wachsende Erdbevölkerung und zunehmende Technisierung einerseits, erhöhte Sensibilisierung in Umweltfragen und sich ändernde Rechtspositionen andererseits, lassen Konflikte im Umweltschutz immer häufiger, komplexer und schwerwiegender werden. Die Folge davon ist meist, neben dem Vertrauensverlust in politische Entscheidungen, die formale Klärung vor Gericht. Dies blockiert jedoch Investitionsvorhaben und bindet Energien, die anderswo dringend gebraucht werden.

Umweltmediation zunehmend gefragt

Seit einigean Jahren wird in Deutschland deshalb besonders im Zusamenhang mit energie, abfall- und verkehrspolitischen Vorhaben ein neues Konzept zur gemeinsamen Regelung von Konflikten diskutiert: die Umweltmediation. Sie ist vor allem dann angebracht, wenn der Konflikt so weit eskaliert ist, daß die Konfrontation in Angst vor Gesichtsverlust, Drohstrategien oder gar wechselseitige Schädigung ausartet. Sind die Beteiligten dann der Überzeugung, daß die Lage festgefahren ist und eine Lösung nur auf Kosten der anderen Konfliktpartei möglich ist (winloose-Orientierung), besteht die Chance, durch freiwillige und von beiden Seiten akzeptierte Hinzuziehung eines neutralen Vemittlers (Mediators) wieder Schwung in die Gespräche zu bekommen. Mediation wird als Verfahren häufig angewandt bei Ehescheidungen, insbesondere, wenn Kinder betroffen sind, bei Straftaten im "Täter-Opfer-Ausgleich" oder in der Schule, bei Konflikten zwischen Schüler und Lehrer. Weitere Anwendungsmöglichkeiten können bei der Umsetzung des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung, der Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung, der Neuansiedlung von Industrie oder im innerbetrieblichen Bereich bei der Durchführung eines Öko-Audits liegen. In Abgrenzung zur Mediation hat ein Moderator bei der Moderation lediglich die Aufgabe, die Verhandlungsrunden zu organisieren und die Diskussion auf neutrale und faire Weise zu leiten, weil alle Teilnehmenden der Meinung sind, daß in der direkten und kooperativen Auseinandersetzung eine Lösung gefunden werden kann, die alle zufrieden stellt (win-win-Orientierung). Bei Runden Tischen wird sogar auf eine neutrale Diskussionsleitung verzichtet und die Parteien regeln ihre Verhandlungen selbst. Seit etwa 25 Jahren haben Umweltmediationsverfahren in den USA, Kanada und Japan eine große gesellschaftliche Bedeutung, während sie in Deutschland noch weitgehend unbekannt sind.

Vierjähriges Projekt

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert deshalb mit 2 Millionen Mark ein vierjähriges Projekt der Arbeitsgemeinschaft für Umweltfragen e.V. (AGU) zur Implementierung der Umweltmediation in Deutschland. Gründungsmitglieder des Fördervereins sind u.a. AGU, B.A.U.M., BUND, GTZ und NABU; Vorsitzender ist Professor Kurt Oeser. Der Verein hat einen Studienbrief mit 280 Seiten entwikkelt, der neben der Entwicklung der Umweltmediation auch Informationen zum Verfahrensablauf, psychologische Aspekte, gesetzliche Rahmenbedingungen und
einen Einblick in die aktuelle Situation in Deutschland bietet (20,-Mark). Angeboten werden auch insgesamt sieben, jeweils zweitägige Seminarveranstaltungen für jeweils etwa 280,- Mark. Die ersten Termine sind 18./19.11 (Nürnberg), 27.28.11. (Germerode/Kassel) und 3./4.12. (Bonn). Der vierteljährliche Rundbrief "das projekt" enthält aktuelle Informationen und Beispiele und kann kostenlos angefordert werden. Die Informationsbroschüre "Umweltmediation" wurde über 3000 mal verteilt und wird derzeit aktualisiert. Der Verein bietet auch Betreuung für Dissertationen oder Diplomarbeiten an, die bis Ende 2000 abgeschlossen sein sollen.

Förderverein Umweltmediation e.V., Matthias-Grünewald-Str. 1-3, D-53175 Bonn, Fon ++49/(0)228/37299.27, Fax .28, Email umweltmediation(at)agrecht.de, http://www.ag-recht.de/umweltmediation.htm

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