Naturerfahrung - Bauernhof statt Schulhof

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ökopädNEWS
März 2001
Ausgabe Nr. 115

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Titelstory

Naturerfahrung - Bauernhof statt Schulhof


Seit vier Jahren treffen sich einmal jährlich die verschiedensten Lern- und Schulbauernhöfe in der evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen. Das diesjährige Bundestreffen vom 9. bis 11. Februar war mit über 60 Teilnehmenden nicht nur gut besucht, sondern geradezu von euphorischer Stimmung geprägt. Es wurde jedem sehr deutlich, dass es sich bei Bauernhöfen um einen in vielerlei Hinsicht besonderen und zukunftsorientierten Lernort handelt, der im Laufe der letzten Jahre eine rasant steigende Nachfrage erfuhr.

Das Bundestreffen bot neben einem regen Austausch der einzelnen Projekte ein abwechslungsreiches und interessantes Programm. Über Praxisberichte verschiedener Lernbauernhöfe und Workshops vom Käsen bis zum Filzen zeigte das Treffen Chancen und Risiken der Neuen Medien im Hinblick auf den Lernort Bauernhof auf. Weiterhin erhielten die Teilnehmenden einen Überblick über die verschiedenen Lernorte, das Schweizer Lernbauernhof-Modell und Finanzierungsmöglichkeiten über Sponsoring. Ein wissenschaftlicher Exkurs führte den Teilnehmenden die Bedeutung von Naturerfahrung und Naturzugängen vor Augen. Eine Fülle an Informationen bot zudem die "Ausstellung" der Lernbauernhöfe und die ausgelegten Materialien. Bis spät in die Nacht machten sich die Teilnehmenden Gedanken über Perspektiven und die zukünftige Vernetzungsarbeit.

Professionelle Angebote

In Form eines Schlusskommuniques fassten die Teilnehmenden die Erkenntnisse, Sorgen und Visionen des Wochenendes zusammen: "In Deutschland gibt es seit Jahren Lernbauernhöfe und andere Initiativen, die auf landwirtschaftlichen Betrieben oder speziellen Schulbauernhöfen qualifizierte pädagogische Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchführen. Jahr für Jahr werden Zehntausende von Menschen durch eigenes Erleben und aktive Mitarbeit an die Landwirtschaft und die Herstellung von Lebensmitteln herangeführt. Diese Arbeit geht weit über einfache Hofbesichtigungen und Betriebserkundungen hinaus. Am 'Lernort Bauernhof' wird mit professionellen pädagogischen Programmen gearbeitet. Auf dieser Grundlage werden den aktiv Teilnehmenden ökologische Zusammenhänge in Tierhaltung, Pflanzenbau und Landschaftspflege begreif- und erlebbar gemacht und ein verantwortliches Handeln gefördert. Ein großer Teil dieser Betriebe und Initiativen arbeitet nach ökologischen Kriterien und verwirklicht artgerechte Tierhaltung.
Die Umweltbildung auf Bauernhöfen leis-tet für die Verbraucherschulung und die angestrebte nachhaltige Umstrukturierung der Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag. Der 'Lernort Bauernhof' bietet die große Chance für Kinder, Jugendliche und Multiplikatoren, durch aktive Mitarbeit und eigenes Erleben die Entfremdung von der landwirtschaftlichen Urproduktion aufzuheben. Die in diesem Bereich tätigen Einrichtungen und Initiativen schaffen dauerhafte Grundlagen, die Wende in der Landwirtschaft und ein verändertes Verbraucherbewusstsein langfristig in der Bevölkerung zu verankern. Der Verunsicherung der VerbraucherInnen durch BSE und andere Lebensmittelkrisen ist nur durch kontinuierliche Aufklärung zu begegnen. Die Umstellung auf die sogenannte gläserne Produktion und auf die Zielgröße von 20 Prozent Ökolandbau kann durch die pädagogische Arbeit auf dem 'Lernort Bauernhof' unterstützt und vorangetrieben werden."

Vernetzung geplant

Die Teilnehmenden des Bundestreffen starteten eine Bundesarbeitsgemeinschaft "Lernort Bauernhof". In dieser werden Initiativen vernetzt, die sich zum Ziel gesetzt haben, auf vielfältige Art und Weise das Lernen und Erleben in der Landwirtschaft zu fördern, zu gestalten und durchzuführen. Es werden nach wie vor Materialien, Selbstdarstellungen und Adressen aus dem Bereich "Lernort Bauernhof" gesammelt, um daraus eine aktualisierte Adress- und Materialiensammlung zu erstellen.

Stephan Hübner

Stephan Hübner, Pfarrgasse 13, D-61169 Friedberg, Fon ++49/(0)6031/680522, stephan.huebner(at)bund.net.

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