Bildungspolitik Zukunft lernen - mehr "bottom up" als "top down"

Ausgabe direkt auswählen:

Suchen in allen Ausgaben:

ökopädNEWS
April 2001
Ausgabe Nr. 116

Inhaltsverzeichnis | nächster Artikel

Titelstory

Bildungspolitik Zukunft lernen - mehr "bottom up" als "top down"


Aus dem Verkauf der UMTS-Frequenzen sollen nicht nur jährlich drei Milliarden Mark in Verkehrsprojekte fließen, sondern auch 1,8 Milliarden in die Bildung - allerdings auf drei Jahre verteilt. Magere 50 Millionen Mark sind im Gespräch für Projekte zur politischen Bildung gegen Rechtsradikalismus bei Jugendlichen. Ob - und wenn ja, in welchem Umfang - die Umweltbildung bei der Geldvergabe bedacht wird, steht noch in den Sternen. Dabei standen die Chancen noch nie so gut wie heute.

Alle Fraktionen im Bundestag waren sich am 29. Juni letzten Jahres einig: Umweltbildung und entwicklungspolitische Bildung sollen als zwei Säulen einer "Bildung für nachhaltige Entwicklung" zu Impulsgebern für eine nachhaltige Entwicklung werden. Sie sollen anregen, über die gesellschaftliche Zukunft nachzudenken und helfen, das Ziel der nachhaltigen Entwicklung in alle Ebenen des Bildungssystems zu integrieren. Formuliert wurden zwölf konkrete Vorhaben. Die Kosten für die Umsetzung wurden allerdings nicht beziffert. Eine Diskussion dieses Beschlusses (Drucksache 14/3319, www.dip.bundestag.de) fand jedoch bislang weder im Bundestag noch in den Medien statt. Lag es an der Einmütigkeit dieses Gremiums, dass keine rechte Debattierlaune aufkommen wollte? Oder daran, dass unter "nachhaltiger Entwicklung" jeder das verstehen darf, was er will - aber bitte bloß keine konkreten Ziele, die man einhalten müsste...

Verbände bislang ungefragt

Die Bundesregierung wird noch dieses Jahr einen "Bericht zur Bildung für Nachhaltigkeit" an den Bundestag geben. Neben konzeptionellen Grundlagen soll er die Berichte aus den Bundesministerien und ihrer Beratungsgremien enthalten, die Bildungspraxis von der Vorschule bis zur Weiterbildung darstellen und Forschungs- und Entwicklungsvorhaben skizzieren. Weitere Inhalte sind die Aktivitäten der Bundesstiftungen sowie die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und Verbänden. Für die Erstellung hat die Bundesregierung umfangreiche Informationen aus den Bundesbehörden zusammengetragen und alle Kultusressorts der Länder abgefragt. Wen sie bislang nicht beteiligt hat, sind die bundesweiten Umweltbildungsverbände. Der erarbeitete Referentenentwurf soll im Juli auf Bundesebene abgestimmt und schließlich am 17. Oktober im Bundeskabinett behandelt werden.

Kongress soll Input geben

Einfließen in den Bericht sollen weiterhin die wesentlichen Ergebnisse aus dem Kongress der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) "Zukunft lernen und gestalten - Bildung für eine nachhaltige Entwicklung", der am 12./13.Juni 2001 in Osnabrück mit Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stattfindet. Er soll eine Bestandsaufnahme in den Bereichen "Vorschulische Erziehung - Allgemein bildende Schule - Berufliche Bildung - Hochschule - Allgemeine Weiterbildung" leisten, innovative Entwicklungen aufzeigen, "Beispiele guter Praxis" präsentieren, Projekte, EntscheidungsträgerInnen und MultiplikatorInnen zusammenbringen, neue Allianzen aufzeigen und vor allem die Frage klären: Was meint "Bildung für nachhaltige Entwicklung" eigentlich? Die daraus entwickelten Empfehlungen sollen auch in andere Bildungsreformdiskurse einfließen - und mit Sicherheit in die Diskussion um die Vergabe der UMTS-Milliarden.

Prominente Beteiligung

Eine für die Umweltbildung wichtige Veranstaltung, zu der neben Professor Klaus Töpfer, dem Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), auch der neue Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung sowie die bildungspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen eingeladen sind. In den Foren soll nicht nur Bilanz gezogen werden. Vielmehr geht es auch darum, Perspektiven zu erarbeiten und Beispiele guter Praxis multimedial zu präsentieren. Ein Markt der Möglichkeiten bietet Projekt-Präsentationen, Ausstellungen von Verbänden, Unternehmen und Schülerfirmen. Zu der nicht-öffentlichen Veranstaltung werden die 600 TeilnehmerInnen über Institutionen gezielt eingeladen.
Wenn eine Bildung für Nachhaltigkeit von dem "Engagement von unten" lebt, müssen die Akteure auch bei der Geldvergabe mitbestimmen können. (jfs)

Wer Fragen hat oder Projekte als gute Beispiele vorstellen möchte, kann sich an die BLK-Geschäftsstelle wenden: BLK, Frau Dr. Klimpel, Hermann-Ehlers-Str. 10, D-53113 Bonn, Fon ++49/(0)228/5402137, E-Mail klimpel(at)blk-bonn.de. Das Kongress-Programm ist unter www.blk-kongress.de abrufbar. Hier gibt es auch eine Diskussionsliste mit Stichwortsuche und der Möglichkeit, seine Meinung kundzutun oder auf seine Webseite mit Projekten hinzuweisen.

Nächster Artikel: Umwelt-Kinder-Tag 2001