Umweltbildung in Italien: Modellregion Emilia-Romagna

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ökopädNEWS
Juni 2001
Ausgabe Nr. 118

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Titelgeschichte

Umweltbildung in Italien: Modellregion Emilia-Romagna


Schon von den gesellschaftspolitschen Strukturen und dem völlig anderen Nationalbewusstsein her lässt sich Italien nicht so einfach mit Deutschland vergleichen. Dennoch könnte das, was sich in der italienischen Region Emilia-Romagna in Sachen Umweltbildung entwickelt hat, ein Modell für viele Bundesländer in Deutschland werden. Das Gebiet, das etwa so groß wie Hessen ist, hat mit dem Gesetz "Förderung, Organisation und Entwicklung von Aktivitäten auf dem Gebiet der Umweltinformation und -erziehung" vom 16. März 1996 eine nicht nur für Italien einzigartige Rechtsgrundlage geschaffen, die bisherige Instrumente der Umweltbildungspolitik bündelt und neue Verbindlichkeiten festlegt.

In dem Gesetz werden Umweltinformation und Umweltbildung als zwei Seiten einer Medaille verstanden, die unbedingt zusammen gehören. Umweltbildung schließt dabei stets den Blick für die soziokulturelle Entwicklung mit ein. Die Förderung von Umweltbewusstsein und umweltgerechten Verhaltensweisen und die Verbreitung von Umweltinformationen durch die öffentliche Verwaltung sind wichtige Voraussetzungen, damit Bürger sich besser bei umweltrelevanten Entscheidungen einbringen können. Es müssen deshalb Initiativen und Aktivitäten zu Umweltbildung und Umweltinformation von den Kommunen und Nationalparkverwaltungen entwickelt und vor allem durch Umweltzentren umgesetzt werden. Die Kommunen sollen entsprechende Modellprojekte entwickeln, Aktivitäten in Schulen und Hochschulen durchführen und Umweltkommunikation über die Medien leisten. Den Umweltzentren wird dabei eine Schlüsselrolle zugeschrieben, die sie nicht länger zu lästigen Bittstellern macht. Sie werden eher als wichtige Ressource verstanden, die als Frühwarnsystem für die Politik dient, weil sie einerseits die Bürgeranliegen zu Umweltfragen bündeln und auf der anderen Seite wesentliche Beiträge zur Qualitätsentwicklung von Schulen und zur Initiierung von Agenda-Aktivitäten auf kommunaler Ebene leisten.

Regionalprogramm

Auf regionaler Ebene wurde eine Koordinierungskommission eingerichtet, in der alle relevanten öffentlichen und privaten Einrichtungen sowie ausgewählte Experten vertreten sind. Diese Kommission verabschiedete ein Regionalprogramm als Handlungsrahmen, das alle Aktivitäten auf der regionalen Ebene bündelt. Dieser regionale Entwicklungsplan für Umweltbildung soll sich zudem als Teil der Lokalen Agenda 21 verstehen. Die Kommission hat umfangreiche Qualitätsindikatoren für Umweltzentren ausgearbeitet (Umfang der Öffnungszeit, Vielfalt der Methoden, Ausstattung des Zentrums usw.), durch die der Umfang der Förderung geregelt und die MitarbeiterInnen der Informations- und Bildungszentren qualifiziert werden sollen. Alle regional relevanten Aktivitäten werden bis zu 50 % von der Region gefördert, den Rest müssen Kommune und / oder andere Träger aufbringen. Die Veranstaltungen oder Materialien sind für alle Bürger kostenlos. Alle drei Jahre erscheint ein Umweltbericht, in dem Umweltbildung eine wichtige Rolle einnimmt und der eine umfangreiche Bestandsaufnahme aller Umweltbildungsaktivitäten enthält. Über eine Internet-Plattform, eine CD-ROM und eine Vierteljahreszeitschrift werden die Bürger angesprochen.

Vielfalt der Umweltzentren

Es gibt fast 100 Umweltzentren in der Region Emilia-Romagna. Sie unterscheiden sich bezüglich ihrer Ziele, Methoden, Trägerschaft, Zielgruppen usw. sehr voneinander. Ihre Struktur reicht vom Nationalparkzentrum über private Naturerlebniszentren und Umweltinformationsstellen, bis zu "Grüne Schalter" in Verwaltungsgebäuden und Spiele-Zentren für Kinder. Alle 14 Zentren der Provinz Modena z.B. werden von der Öffentlichen Hand finanziert, um die Unabhängigkeit als Bildungseinrichtung zu gewähren. Ursprünglich waren sie in Schulen angesiedelt - jetzt ist ihr Ort bewusst außerhalb der Schulen. Jedes Zentrum richtet seine Angebote an jeweils 3 oder 4 Gemeinden und bedient zum größten Teil (ca. 80%) Schulklassen. Mit etwa 20% sind Bürger vertreten, die mit ökologischen Alltagsfragen Abfall, Kompostierung usw. kommen und die Bibliothek mit ihrer umfangreicher Materialsammlung oder den einschlägigen Diplomarbeiten nutzen wollen. In vielen Umweltbildungszentren sind "Umweltbüros" angesiedelt, die die Verfügbarkeit vorhandener Daten für Bürger gewährleisten sollen. (jfs)

Kontakt: Koordinationsstelle für Umweltkommunikation und -information / Servizio Promozione, Indirizzio e controllo ambientale. Regione Emilia-Romagna, Via Die Mille 21, I-40121 Bologna, Fon: ++39/051/6396995, Fax: 6396813, E-Mail: infea(at)regione.emilia-romagna.it

Literatur:
Ute Stoltenberg / Eriuccio Nora (Hrsg.): "Lokale Agenda 21 - Akteure und Aktionen in Deutschland und Italien", Verlag für Akademische Schriften / VAS, Frankfurt, 294 S., 2000.
Ute Stoltenberg / Gerd Michelsen: Umweltbildung in Italien - am Beispiel der Romagna-Emilia", in: Bildung und Erziehung, 53. Jg. Heft 2 / Juni 2000.

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