Umweltpsychologie - Mit den Tieren reden

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ökopädNEWS
März 2002
Ausgabe Nr. 125

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Titelgeschichte

Umweltpsychologie - Mit den Tieren reden


Wer kennt nicht den liebenswerten Doktor Dolittle, der sein Leben ganz und gar den Tieren widmet, für sie kämpft, mit ihnen lebt und sogar mit ihnen sprechen kann. Spätestens seit Eddy Murphy die Hauptrolle in der Verfilmung der schräg-schrulligen Abenteuer übernahm, sind die kleinen und großen Probleme unserer Mitgeschöpfe weltweit bekannt. Alles nur Fiction?

Mitnichten! Ein anerkanntes Umweltbildungsinstitut lehrt jetzt, wie man mit Tieren, Pflanzen und sogar mit Felsen sprechen kann. Der Fachbereich "Angewandte Ökopsychologie" am Institute for Global Education (IGE) in Washington erforscht das Verhältnis zwischen menschlicher Psyche und Ökologie. Leiter der Einrichtung ist Michael J. Cohen, Professor für Umwelterziehung an vier Universitäten und Berater des United Nations Economic and Social Council.

Der Natur verbunden

Cohen leitet seit mehr als fünfzig Jahren Kurse zur Freilandpädagogik in Nationalparks und Schutzgebieten. "Dr. Dolittle hat für uns einen positiven Charakter, weil wir eigentlich genau wie er auch alle Gaben besitzen, um mit der Natur zu kommunizieren - nur leider haben wir diese Fähigkeit durch fehlende Übung in unserer naturentfremdeten Welt völlig verloren." Seit 1986 erforscht und lehrt Cohen eine spezielle psychologische Methode, die er "Natural Systems Thinking Process" (NSTP) nennt. Durch einen engen sinnlichen Kontakt mit der Natur entdecken viele Menschen diese verschütteten Kommunikationsfähigkeiten neu und empfinden dadurch eine tiefere Freude, was ihre eigene Selbsthilfekräfte stärkt. Stressbedingte Störungen können leichter abgebaut und soziale und ökologische Beziehungen verbessert werden. Manche Menschen erleben das Phänomen des "nature connecting" als spirituelles oder ökologisches Erwachen, ähnlich wie das Bewusstsein, das bei Naturvölkern noch vorhanden ist.

Kontakt mit Ursprüngen

Nach Cohen, der viele Bücher über Selbsterfahrung und Natur verfasst hat, halten bestimmte sinnlich wahrnehmbare Anziehungskräfte alle natürlichen Systeme - und damit auch Menschen - zusammen und vermitteln Reinheit, Ausgewogenheit und Schönheit. Der Havard-Pulitzer-Preisträger E.O. Wilson nennt dies "Biophilie". "Die Menschen kämpfen nicht um etwas, was sie nicht lieben" meint Cohen, "doch mit der NSTP-Methode haben wir ein Werkzeug, das die Menschen dazu bringt, weiter zu gehen, als sich mit einem kleinen Naturschutzgebiet zufrieden zu geben, wie im Film mit Dr. Dolittle. Durch NSTP wird die angeborene Liebe zur Natur wiederbelebt durch die Kontaktaufnahme mit den Ursprüngen in der Natur. Wer sich mit seinem emotionalen Ursprung in der Natur identifiziert, kann die Beziehungen zu sich selbst, zur Gesellschaft und der Umwelt deutlich verbessern."

Dreiwöchiger Orientierungskurs

Das Institut for Global Education bietet kostenlos einen "nature sensitivity intelligence test" sowie weitere Möglichkeiten zum Kennenlernen des Programms "nature connect" an. Über das Internet ist die Teilnahme an einem dreiwöchigen Orientierungskurs "Psychological Elements of Global Citizenship - The Science With the Web of Life, The Art of Thinking With Nature" mit online-Aktivitäten, Informationen und Trainings möglich (35 US-Dollar). Wer sich mit diesem Ansatz auseinandersetzen will, kann die englischsprachige Mailingliste der Conservation-psychology-Gruppe abonnieren (E-Mail conservation-psychology-request(at)umich.edu, Betreff "subscribe" und Text "admission to server list").

Kontakt: Institut for Global Education, Department of Integrated Ecology, Project NatureConnect, P.O. Box 1605, Friday Harbor, WA 98250, USA, Fon ++1/360/3786313, www.ecopsych.com

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