Beruf - Umweltpädagogen brauchen klares Profil

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ökopädNEWS
April 2003
Ausgabe Nr. 136

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Titelgeschichte

Beruf - Umweltpädagogen brauchen klares Profil


Was machen eigentlich UmweltpädagogInnen? Welche Ausbildung haben sie? Wo und zu welchen Bedingungen arbeiten sie? Antworten auf diese Fragen gibt die kürzlich von Andrea Stephan veröffentlichte Dissertation, die von Professor Dr. Helmut Gärtner an der Universität Erfurt betreut wurde. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt begleitete und förderte dieses Forschungsprojekt.

Um die Bedeutung der außerschulischen Umweltbildung am Arbeitsmarkt quantitativ zu erfassen, wurden knapp 2.000 umweltrelevante Stellenausschreibungen ausgewertet. In einem zweiten Schritt wurden Aussagen von 140 UmweltpädagogInnen zu ihrer beruflichen Situation analysiert und durch sechs exemplarische Berufsbiografien ergänzt und erweitert. Der dritte Teil der Arbeit diskutiert den Stand der Professionalisierung in der außerschulischen Umweltbildung. Die Daten wurden in den Jahren 1999 und 2000 erhoben.

Zwischen Umweltschutz und Bildung

Der aktuelle Abwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt trifft ein so kleines Tätigkeitsfeld wie die außerschulische Umweltbildung besonders hart, zumal es weder ein anerkanntes Berufsbild vorweisen kann noch eine klare Zuordnung erlaubt. Es bewegt sich zwischen den beiden Arbeitsmarktsegmenten Umweltschutz und Bildung. Die außerschulische Umweltbildung hält einen Anteil von 1,3 Prozent am Arbeitsmarkt Umweltschutz, das entspricht etwa 13.000 Stellen. Sie kann jedoch aus dessen positiver Entwicklung keinen Nutzen ziehen, sondern unterliegt dem negativen Trend des Bildungsmarktes. Während sich Arbeitsplätze im technischen und planerischen Umweltschutz längst fest etabliert haben, verschlechtert sich die Situation am Bildungsmarkt zusehends. Die Beschäftigten stehen immer öfter durch befristete Arbeitsverträge oder Honorarverträge in einem ungeschützten Arbeitsverhältnis. Außerdem leidet der Markt unter einer kaum überschaubaren Institutionen- und Themenvielfalt und einer fehlenden Qualitätskontrolle.

Hoch qualifiziert aber ungesichert

Die Untersuchung hat ergeben, dass 95 Prozent der UmweltpädagogInnen ein Studium absolviert haben. Mehr als ein Drittel hat Biologie studiert, eine weitere homogene Gruppe bilden LehrerInnen und DiplompädagogInnen. Die Mehrzahl der Befragten hat zusätzlich zu ihrer Ausbildung weitere beruflich relevante Qualifikationen, insbesondere im pädagogisch-didaktischen Bereich, erworben und bereits vor der Tätigkeit in der Umweltbildung berufliche Erfahrungen gesammelt. Insgesamt handelt es sich bei den befragten UmweltpädagogInnen um hoch qualifizierte Arbeitskräfte, deren Arbeitgeber vor allem lokale, aber auch überregionale Vereine und Verbände sowie Umweltzentren sind. Mehr als die Hälfte von ihnen muss sich indes mit einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis, wie einem befristeten Vertrag oder einer ABM-Stelle arrangieren. Auch die hohe Zahl der Freiberufler mit 22 Prozent ist bezeichnend.

Vielseitiges Tätigkeitsspektrum

Naturerfahrung und Wahrnehmung, Ökologie und Ökosysteme, Agenda 21 und Nachhaltigkeit sowie Tiere und Landwirtschaft sind die am häufigsten angebotenen Themen. Dabei greifen die UmweltpädagogInnen auf so unterschiedliche Methoden wie Exkursionen und Führungen, Naturerfahrungsspiele, Gruppen- und Projektarbeit, Beobachtung und Vortrag zurück. Ihre Zielgruppen sind überwiegend Kinder und Jugendliche, Lehrer, Ausbilder und andere als Multiplikatoren wirkende Personengruppen. Daraus ergeben sich als umweltpädagogische Kerntätigkeiten Wissensvermittlung, Organisation und Planung, Öffentlichkeitsarbeit, Gruppenbetreuung, Konzepterstellung und Projektarbeit. Um all diese Aufgaben und Tätigkeiten bewältigen zu können, brauchen die UmweltpädagogInnen ihrer eigenen Einschätzung nach ein Bündel von Kompetenzen, wobei sie die Methodenkompetenz betonen.

Professionalisieren und erforschen

Umweltpädagoge oder Umweltpädagogin ist kein anerkannter Beruf. Um eine Professionalisierung voranzutreiben, müssten eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören die Klärung der Zuständigkeit auf politischer Ebene, zum Beispiel zwischen Umweltministerium und Wissenschaftsministerium. Weiter muss ein anerkanntes Berufsbild mit einem entsprechenden Qualifikationsprofil festgelegt und der Berufszugang geregelt werden. In einem weiteren Schritt ist es nötig, unbefristete Arbeitsplätze zu schaffen und verbindliche Qualitätsstandards für die Umweltbildungsarbeit zu formulieren. Schließlich könnten auch nachweisbare Erfolge der umweltpädagogischen Tätigkeit ihre Bedeutung unterstreichen. Eine verstärkte Forschung zu den Wirkungen der außerschulischen Umweltbildung wäre daher wünschenswert.

Berufsprofil schärfen und erweitern

Auch weiterhin wird es eine der wichtigsten Aufgaben der Umweltbildung sein, Menschen jeden Alters Naturbegegnungen zu ermöglichen und einen Kontakt zwischen Mensch und Natur herzustellen. Darüber hinaus müssen das Berufsprofil und das eigene Rollenverständnis geschärft und erweitert werden. UmweltpädagogInnen könnten zum Beispiel Begleiter, Berater und Vermittler von und für Menschen sein, die sich im kommunalen Bereich in Umweltangelegenheiten engagieren wollen und dazu fachkundige Unterstützung brauchen. Auch die Kooperation mit Schulen, denen man passend zum Unterricht maßgeschneiderte Angebote macht, bietet vielfältige Chancen.

Andrea Stephan

Andrea Stephan: Perspektiven für ein Berufsbild Umweltpädagoge/Umweltpädagogin. 2002, 255 Seiten, 11 Abbildungen, 29 Tabellen, kartoniert, 18,00 EUR. ISBN 3-00-010589-1. Direktbestellung unter E-Mail Andrea.Stephan(at)gmx.de

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