EU-Ost-Erweiterung: - Umweltbildung belebt die europäische Zusammenarbeit

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ökopädNEWS
April 2004
Ausgabe Nr. 147

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Titelgeschichte

EU-Ost-Erweiterung: - Umweltbildung belebt die europäische Zusammenarbeit


Ab 1.Mai dieses Jahres werden zehn neue Länder und neun neue offizielle Sprachen in der EU vertreten sein. In seinem jüngsten Bericht mahnte das EU-Parlament einige der Beitrittsländer zu mehr Effizienz bei Nahrungsmittelsicherheit, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung. Zugleich wurden aber auch die großen demokratischen Fortschritte anerkannt, da die Länder eine vollständige Umstellung ihrer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Systeme vornehmen mussten.

In den Beitrittsländern gestalten viele Bildungseinrichtungen und -initiativen den Weg in eine demokratische, nachhaltige Zukunft mit. Sie fördern entscheidend die Akzeptanz von Umwelt und Naturschutz in der Bevölkerung. Um diese unverzichtbare Arbeit zu unterstützen, hat der Bundesweite Arbeitskreis der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz (BANU) im letzten Jahr eine Leitlinie zur europäischen Zusammenarbeit verabschiedet. Darin verpflichteten sich die deutschen Akademien, die partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Umweltbildung mit den Ländern Mittel- und Osteuropas zu suchen und auszubauen.
Der BANU sucht verstärkt die Zusammenarbeit mit Institutionen und Gruppen in ganz Europa, um innovative Lösungen, bewährte Arbeitsweisen und Konzepte zur Umweltbildung auszutauschen. Dadurch soll das gegenseitige Verständnis für die national und kulturell geprägten unterschiedlichen Sichtweisen auf das Verhältnis des Menschen zur Natur gestärkt werden. Zugleich sollen die Chancen zur schrittweisen Verwirklichung einheitlicher Umwelt- und Entwicklungsbedingungen in Europa genutzt und die Weichen für eine politische Verankerung der Umweltbildung in den EU-Ländern gestellt werden.
Die folgende Zusammenstellung von Aktivitäten der deutschen BANU-Mitglieder kann nur eine knappe und unvollständige Zusammenschau sein. Sie zeigt dennoch deutlich, wie durch Umweltbildung ein Beitrag zur grenzüberschreitenden Umweltverbesserung durch den partnerschaftlichen Austausch möglich wird.


Tschechien, Slowenien

Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) wirkt bei der Planung einer Naturschutz-Akademie im Kozjanski-Park in Slowenien mit. Darüber hinaus finden im österreichisch-italienisch-deutschen Alpenraum und im deutsch-tschechischen Grenzgebirge mehrere Ausbildungslehrgänge zum Naturführer statt. Internationale Tagungen wie zum Beispiel "Wasserschloss Alpen" oder "Die Donau - Lebensader Europas" bringen Akteure aus verschiedenen Anliegerstaaten zusammen.

Ostsee und Osteuropa

Speziell für Osteuropa bietet die Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm (INA) Veranstaltungen zu den Themen Schutzgebietsmanagement,Heilpflanzennutzung, Biodiversität und Naturschutzfinanzierung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Einführung eines Qualitätssiegels nach dem Muster von VIABONO in osteuropäischen Ländern.
Die Akademie für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein führt Agenda 21- und Artenschutz-Fachleute aus verschiedenen Ostsee-Anrainerstaaten zusammen. Beispiele sind der Ausbau des Ostsee-Küstennetzwerkes der Agenda-Aktiven mit der Nichtregierungsorganisation "Costal Network Costal Zone Agenda 21" und die Zusammenarbeit von ExpertInnen aus Dänemark und Polen zum Schutz der Teichfledermaus.

Polen

Verschiedene deutsch-polnische Workshops für Umweltverbände und Kommunen führte das Magdeburger Umweltinstitut IWU gemeinsam mit dem Warschauer Institut für Nachhaltige Entwicklung (InE) im Rahmen eines DBU-Förderprojekts durch. Wichtigstes Thema waren Natur- und Umweltschutzstrategien beim Übergang von der Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung.
Die Akademie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt berät die beiden Wojewodschaften Niederschlesien und Podlaskie zu Fragen der EU und leistet Erfahrungstransfer in Bezug auf die EU-Förderung für Maßnahmen im Bereich Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung.
Mit der deutsch-polnischen Oderregion beschäftigt sich ein von der EU gefördertes INTERREG-Projekt der brandenburgischen Landeslehrstätte "Oderberge Lebus" und des polnischen Schulungszentrums im Nationalpark "Warthemündung". Dabei geht es neben der Integration von Schutz und Nutzung der Kulturlandschaft auch um Erlebnisund Begegnungsangebote und um Qualifizierungsmaßnahmen.
"Umweltschutz und Umweltbildung in Mecklenburg-Vorpommern und Westpommern" lautete das Thema einer Tagung, das die Landeslehrstätte für Naturschutz und Forsten in Malchin durchführte. Dabei standen Fragen zur Struktur der Umweltverwaltung aus administrativer, wissenschaftlicher und praktischer Sicht im Vordergrund.
Die Umweltakademie Baden-Württemberg unterstützte die Einführung des Buches "Einfälle statt Abfälle" in polnische Schulen.

Frankreich, Spanien, Belgien

Dem Weißstorch waren mehrere internationale Tagungen der Umweltakademie Baden-Württemberg gewidmet, außerdem wurden internationale Naturschutz-Jugend-Workcamps durchgeführt und Städtepartnerschaften angeschoben.
Die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) führt regelmäßig Umweltbus-Einsätze für dortige Schulklassen in der deutschsprachigen Region Ostbelgiens durch. Auch ein deutsch-niederländischer Kongress zur "Schulgeländeentwicklung" diente der Stärkung der europäischen Zusammenarbeit.

Kontakt: BANU, Horst Frese (Vorsitzender), c/o NUA, Fon +49/2361/30 52 25, E-Mail: info(at)banu-akademien.de, www.banu-akademien.de

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