Medienkompetenz vermitteln - Sieben Wege zur multimedialen Umweltbildung

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ökopädNEWS
Juli 2004
Ausgabe Nr. 150

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Titelstory

Medienkompetenz vermitteln - Sieben Wege zur multimedialen Umweltbildung


Für Kinder und Jugendliche gehören Computer heute zum Alltag. In der Umweltbildung werden sie dagegen immer noch unter Vorbehalt eingesetzt. Es kommt darauf an,was man damit macht, meint das Umweltbüro Nord und stellt gute Beispiele für eine multimediale Umweltbildung vor.

Multimedia und Umweltbildung stellen für viele Umweltbildner ein Gegensatzpaar dar: Sollte Umweltbildung nicht vor allem durch direktes Naturerleben und sinnliche Wahrnehmung die Liebe zur Umwelt wecken? Sollte nicht ein Gegenpol zur technisierten Alltagswelt ge-schaffen werden? Und verbraucht Multimediatechnik nicht zu viele Ressourcen? Wer differenzierte Antworten sucht, wird danach fragen, welche Einsatzmöglichkeiten es für die Multimediatechnik gibt und an welcher Stelle diese im Sinne einer didaktischen und methodischen Vielfalt ihre Berechtigung haben.

Spielen und Entdecken

Schon für Kinder gibt es umweltbezogene Computerspiele auf CD-ROM, wie "Don-Cato - Die Rückkehr des Luchses" (Bun-desumweltministerium). Auch das Inter-net bietet eine Menge Umweltspiele für Kinder (www.agendakids.muc.kobis.de, die Geschichte der Außerirdischen - mit Flash Nature, welche die Erde besucht).
Bei diesen Spielen navigieren die Kinder ganz einfach mit der Maus und erschließen sich selbstständig - alleine oder in kleinen Gruppen - die altersgerecht aufbereiteten Inhalte.Meist sind es Sympathieträger wie Peter Lustig, welche die Kinder auf ihrer virtuellen Reise begleiten und zu spielerischem und entdeckendem Lernen anregen. Unterstützung von Erwachsenen brauchen die Kinder, um anschließend ihre Eindrücke im Gespräch zu verarbeiten oder um Bastel-, Experimentier- oder Aktionsideen praktisch umzusetzen.

Simulieren

Wie muss sich eine menschliche Zivilisation entwickeln, die innerhalb begrenzter natürlicher Ressourcen dauerhaft überleben will? Wie "funktioniert" eigentlich eine moderne Gesellschaft? Solche Fragen werden in "ecopolicy - Das Kybernetische Simulationsspiel" (Frederic Vester, O-ton) gestellt. Die Spieler führen dabei einen virtuellen Staat. Nur wer die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Bereichen des Nachhaltigkeitsdreiecks Wirtschaft - Soziales - Umwelt durchschaut und die knappen Ressourcen überlegt einsetzt, kann eine stabile Gesellschaft aufbauen. Das Spiel ist für ältere Schüler - und besonders für Gruppen - geeignet. Andere Computerprogramme simulieren eine Stadt ("SIM City") oder ein Ökosystem ("SIM Park", beide von Maxis). Simulationen bieten die Chance, mit dem Lerngegenstand aktiv zu experimentieren - wie es in der Realität nicht möglich wäre. Sie erlauben selbst gesteuertes, auf Problemlösung zielendes Lernen.Die Herausforderung des Spiels regt zu aktivem Umgang mit dem Lerngegenstand und einer intensiven Informationsverarbeitung an.

Messen und Auswerten

Wer praktische Maßnahmen zum Umweltschutz realisieren möchte, braucht harte Fakten. Ein Beispiel ist die Messung der Raumtemperatur - eine der zentralen Größen, mit denen der Heizenergiebedarf von Gebäuden beeinflusst werden kann. Im Fachhandel (Conrad, ELV) gibt es automatische Thermometer mit Computerschnittstelle. Sie erlauben es, eine Temperaturkurve über längere Zeiträume aufzunehmen, die Daten auf einen Computer zu laden und dort mit zugehöriger Software oder einem Tabellenkalkulationsprogramm auszuwerten. So kann die Heizungssteuerung optimiert werden.

Medien gestalten

Ein Video oder eine Internetseite zu einem Umweltthema gestalten - wer altersspezifisch solche Themen anbietet und die notwendige Unterstützung (Lernbegleiter, Technik) bereitstellt, kann mit begeisterter Mitarbeit rechnen. In Thüringen nahmen im Mai 2004 rund 140 TeilnehmerInnen des Freiwilligen Ökologischen Jahres an einer Fortbildung zum Thema Boden teil und verarbeiteten ihre Eindrücke zu Internetpräsentationen. Dadurch könnte tieferes Verständnis und eine kritische Reflexion des Themas initiiert werden.Die Lernenden interpretieren ihr Thema, sie sammeln Material, werten es aus, stellen es zusammen und konstruieren so ihre ganz eigenen Vorstellungen zum Lerngegenstand. Das Projekt verknüpft durch sein demokratisches Medienverständnis die Zielsetzungen des FÖJ mit dem Partizipationsgedanken der Nachhaltigkeit. Das von der Thüringischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn betreute Projekt präsentiert sich im Internet unter www.die-bonn.de/foej.
Weitere Möglichkeiten für den Einsatz von Multimediatechnik in der Umweltbildung, wie Recherchieren, Information im Abonnement und Kommunizieren/Diskutieren finden sich auf den Internetseiten des Umweltbüro Nord. Bei all diesen Anwendungen geht es nicht darum, mit der Arbeit am Computer andere Formen des Lernens zu ersetzen. Sie eröffnen jedoch neue Möglichkeiten, das Repertoire der Umweltbildung sinnvoll zu ergänzen, und müssen in didaktische Konzepte eingebunden werden.

Tilman Langner

Kontakt: Umweltbüro Nord e.V., Tilman Langner, Fon/Fax +49/3831/70 38 38, E-Mail tilman.langner(at)umweltschulen.de, www.umweltschulen.de/net/siebenwege.html

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