Zertifizierung in Schleswig-Holstein - Partnerschaft für Nachhaltigkeit

Ausgabe direkt auswählen:

Suchen in allen Ausgaben:

ökopädNEWS
Oktober 2004
Ausgabe Nr. 153

Inhaltsverzeichnis | nächster Artikel

Titelthema

Zertifizierung in Schleswig-Holstein - Partnerschaft für Nachhaltigkeit


In Schleswig-Holstein wurden spezielle Qualitätskriterien entwickelt, um Bildungseinrichtungen beziehungsweise Angebote im Bereich der Umweltbildung und der entwicklungspolitischen Bildung zu zertifizieren. Urheber waren verschiedene Verbände gemeinsam mit dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft und dem Ministerium für Bildung,Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Das Zertifikat bescheinigt den Nutzern, zum Beispiel Schulen, die hohe Qualität des außerschulischen Lernortes oder des Bildungsangebots. Die Anbieter werden unabhängig davon zertifiziert, ob sie eine feste Einrichtung sind oder nicht und als Bildungspartner für Nachhaltigkeit ausgewiesen. Sie können ihrerseits wiederum mit dem Zertifikat werben sowie Erfahrungen austauschen und voneinander lernen. Um das Zertifikat zu erhalten, sind unter anderem inhaltliche und methodische Aspekte der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BfnE) zu berücksichtigen, außerdem entsprechend vorhandene Kompetenzen als Anbieter und eine zum Angebot passende Ausstattung. Daneben wird vorausgesetzt, dass Bildungseinrichtungen nutzerfreundlich geführt werden, einzelne inhaltliche Aspekte müssen verknüpft und Teilnehmer in die Gestaltung der Bildungsangebote eingebunden werden.

Das Zertifizierungsverfahren ist nicht als Konkurrenz zu anderen Qualitätsentwicklungsverfahren in der Weiterbildung anzusehen, etwa der Qualitätstestierung, sondern als inhaltliche und methodische Ergänzung im Sinne einer BfnE.

Registrierung oder Zertifizierung?

Seit dem 1. August 2004 kann das Zertifikat für die Partner in Schleswig-Holstein beantragt werden. Interessierte Einrichtungen und Einzelanbieter können sich an eine Geschäftstelle bei den Ministerien wenden oder den Antrag aus dem Internet herunterladen. Eine 12-köpfige Kommission bearbeitet und beurteilt die Anträge. Sie besteht aus den von den Ministerien berufenen Mitgliedern der Verbände (8 Mitglieder) und den Verwaltungseinrichtungen (4 Mitglieder). Die Mitglieder der Kommission prüfen gegebenenfalls in kleinen Gruppen vor Ort die Angaben der Antragsteller und geben eine Empfehlung ab. Damit kann der Bewerber erstens als "Bildungspartner für Nachhaltigkeit" registriert und in die Internetplattform aufgenommen werden, wenn die Mindestkriterien erfüllt sind. Zweitens kann er nach Durchlaufen des Zertifizierungsverfahrens als "Bildungspartner für Nachhaltigkeit" oder drittens als "Bildungszentrum für Nachhaltigkeit" ausgezeichnet werden, wenn er weitergehende Aufgaben wie zum Beispiel Koordination in der Region oder Angebote von Schulungsmaßnahmen nachweisen kann.

Zweimal jährlich kommt die Kommission zusammen, um über die Anträge zu beschließen.Weitere Aufgaben der Kommission sind Fragen zur Antragstellung zu beantworten und die Qualitätskriterien weiterzuentwickeln.

Zusammenarbeit der Ministerien mit den Bildungspartnern

Das Zertifikat wird von beiden Ministerien verliehen. Sie übergeben die Zertifikate möglichst in einer bereits ausgezeichneten Einrichtung zweimal pro Jahr. Die Pressereferate beider Ministerien helfen bei der Ansprache der regionalen Medien und unterstützen eine landesweite Presseaktion.

Die registrierten und zertifizierten Bildungspartner und Bildungszentren für Nachhaltigkeit werden auf einer speziellen Internetseite präsentiert, die bis Ende des Jahres eingerichtet werden soll. Im Dezember werden die ersten Zertifikate überreicht. Bis dahin muss ein Logo entwickelt werden, das den Wiedererkennungseffekt erhöhen und dazu beitragen soll, die zertifizierten Partner bekannt zu machen.

Zertifizierte Bildungspartner erhalten die Möglichkeit, einmal jährlich an einer Fortbildung der Akademie für Natur und Umwelt (Umweltakademie) des Landes Schleswig-Holstein kostenlos teilzunehmen. Das Neue an diesem Verfahren ist einerseits sein partizipativer Ansatz, da hier VertreterInnen von Verbänden und der Landesregierung gemeinsam das Verfahren und die Qualitätskriterien entwickelt haben und das Verfahren auch gemeinsam durchführen, aber darüber hinaus auch der starke Fokus auf Inhalte, Methoden und Kompetenzen der BfnE.

Zahl der Bildungspartner als Nachhaltigkeitsindikator

Die Umweltakademie begleitet den Zertifizierungsprozess in Schleswig Holstein durch eine Qualitätsentwicklungsinitiative. Dabei wird sie durch eine Agentur unterstützt und richtet sich an Anbieter der Umweltbildung und entwicklungspolitischen Bildung im Rahmen von BfnE. Insgesamt 35 Teilnehmende werden hier individuell bei ihrer Weiterentwicklung beraten, diese können an regionalen und thematischen Qualitätszirkeln teilnehmen. Das Zertifizierungsverfahren hängt eng damit zusammen, das Angebot von "offenen Ganztagsschulen" in Schleswig- Holstein auszuweiten. Die außerschulischen Anbieter von Umweltbildung und entwicklungspolitischer Bildung sollen sich hier als feste und verlässliche Kooperationspartner präsentieren. Der Gesamtprozess ist wiederum eingebettet in die Landesnachhaltigkeitsstrategie "Zukunftsfähiges Schleswig-Holstein". Die Anzahl der jährlich zertifizierten und registrierten "Bildungspartner und -zentren für Nachhaltigkeit" ist darin als ein Indikator für die BfnE aufgeführt.

Dr. Brigitte Varchmin

Kontakt: Dr.Brigitte Varchmin, MUNL Schleswig-Holstein, Fon +49/431/9 88-73 26, E-Mail Brigitte.Varchmin(at)munl.landsh.de, www.lernnetz.de (Suchbegriff Zertifizierung)

Weitere Ansprechpartner/innen: Birgitt Fitschen, Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Schleswig-Holstein, E-Mail Birgitt.F(at)t-online.de; Sabine Haft, Bündnis Entwicklungspolitischer Initiativen Schleswig-Holstein, E-Mail Sabine.Haft(at)t-online.de; Volker Kuptz, MBWFK Schleswig-Holstein, E-Mail Volker.Kuptz(at)kumi.landsh.de

Nächster Artikel: ÖkopädNEWS-Archiv online