Earth Education - professionell zur Nachhaltigkeit erziehen

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ökopädNEWS
November 2004
Ausgabe Nr. 154

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Titelthema

Earth Education - professionell zur Nachhaltigkeit erziehen


Die Anfänge des Umweltbildungskonzeptes "Earth Education" gehen auf die 60er Jahre zurück.Damals entwickelte Steve Van Matre, der Begründer von Earth Education, erste pädagogische Einheiten zum Thema Naturerfahrung. Diese finden sich weiterentwickelt international in einer Vielzahl umweltpädagogischer Materialien wieder. Earth Education, das "Urgestein" der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung, wird heute in vielen Ländern der Erde professionell und sehr erfolgreich eingesetzt.

In seinen Anfängen wurde dieser neue Ansatz noch als "Acclimatization" bezeichnet. Ende der 70er Jahre führte Van Matre dann den Begriff "Earth Education" ein. Bei Acclimatization ging es um ein "sich akklimatisieren" in der natürlichen Umgebung, also im Wesentlichen um naturpädagogische Elemente. Mit Earth Education wurde dagegen ein ganzheitlicher Weg beschritten und von Beginn an Wert auf die Vermittlung des "großen Bildes" gelegt, bei dem ökologisches Konzeptwissen wie die Vermittlung von Wechselbeziehungen, Wandel, Kreisläufen und Energieflüssen im Mittelpunkt stehen.

Earth Education soll den TeilnehmerInnen eine Vorstellung davon vermitteln, wodurch Leben auf unserer Erde im Grunde erst ermöglicht wird. Im zweiten Schritt wird verdeutlicht, wie wir Menschen in diese ökologischen Systeme eingebunden sind. Und schließlich sollen die Teilnehmenden angeregt werden, sich Gedanken über ihr eigenes Umweltverhalten zu machen, oder aktiv den individuellen Lebensstil zu verändern.

Gelegentlich wird Kritik am Konzept Earth Education geübt, nicht zuletzt auf Grund der bewusst provokativ gehaltenen Aussagen von Van Matre über Stand und Methodik der Umweltbildung heute.

Manche Kritiker beklagen die fehlende Weiterentwicklung des Umweltbildungsansatzes Van Matres hin zu einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass die Programme sehr wohl viele Bezüge zur Nachhaltigkeitsdebatte aufweisen. Die zwei- bis dreitägigen Aufenthalte in Umweltzentren, bei denen die Kinder und Jugendlichen an den hoch motivierenden Programmen teilnehmen, sind als so genannte "Sprungbrett"-Programme konzipiert. Konkret heißt das, auf sie kann besonders gut als Grundlage aufgebaut werden, um Unterrichtssmodule in der Schule zu entwickeln, sowohl für natur- als auch für geisteswissenschaftliche Fächer.

Im Gegensatz zum allgemeingültigen Verständnis setzt Earth Education nicht Ökologie mit Ökonomie und Sozialem gleich, sondern geht davon aus, dass Ökologie die Leitplanken für Ökonomie und Soziales bildet. Vor diesem Hintergrund erklären sich auch die tiefenökologischen Bezüge von Earth Education, nach denen beispielsweise nichtmenschliches Leben grundsätzlich einen Wert an sich darstellt. In die deutsche Sprache übersetzt wurden bisher die zweieinhalbtägigen Earth Education- Programme "Erdhüter" für Zehnbis Zwölf-Jährige und "Sonnenschiff III" für Dreizehn- bis Vierzehnjährige. Daneben sind kürzere Naturerfahrungseinheiten, so genannte "Erden- und Winterwanderungen" sowie das Grundlagenwerk "Earth Education - ein Neuanfang" erschienen. In der Pilotphase befindet sich die deutschsprachige Version von "Muir Trek" als ganztägige Naturerfahrungseinheit für Jugendliche und Erwachsene. Darüber hinaus werden derzeit ein zweijähriges Programm für acht- bis neunjährige "Verlorene Schätze", ein Programm für Sechs- bis Siebenjährige "Erdlinge" sowie ein Halbtagsprogramm für Zehnbis Zwölfjährige "Erd-Ranger" entwickelt.

In Deutschland sind in den letzten Jahren verschiedene Umweltbildungsprogramme, die zum Teil mit erheblichem Zeitaufwand entwickelt wurden, vom Earth Education-Konzept deutlich beeinflusst worden, darunter:

- Umweltbildungsprogramme des Nationalparks Sächsische Schweiz

- "Sarahs Welt", ein Programm für Zehn- bis Zwölfjährige im MIPS-forkids Projekt des Wuppertal-Instituts

- "Worldranger", ein von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg entwickeltes Konzept für die Natur-Ranger der Sielmann-Stiftung

- "Teddybärs Picknick", ein sehr erfolgreiches, aus Großbritannien stammendes und inzwischen auch auf Deutsch vorliegendes Programm für Fünf- bis Siebenjährige

Neben dem Ursprungsland USA existiert Earth Education als die größte internationale Non-Profit-Organisation im umweltpädagogischen Bereich auch in Kanada, Australien, Großbritannien, Finnland, Deutschland, Italien und Japan. Die Verschiedenartigkeit der genannten Länder macht deutlich, dass das Earth Education Konzept durchaus übertragbar ist. So gibt es seit wenigen Jahren auch eine internationale Forschungsgruppe, die sich mit den verschiedensten Aspekten von Earth Education auf wissenschaftlicher Ebene beschäftigt, die Earth Education Research Group (ERG).

Lars Wohlers

Kontakt: Institut für Umweltkommunikation, Dr.Lars Wohlers, Fon +49/4131/78 29 23, E-Mail wohlers(at)uni-lueneburg.de, www.uni-lueneburg.de/ieed, www.eartheducation.org

Weiterführende Literatur: "Earth Education - ein Neuanfang" (Grundlagenwerk), "Erdhüter", "Sonnenschiff III", "Erden- und Winterwanderungen"

Weiterbildungsangebote: 20.-21.11.2004, Lüneburg: "Earth Education - Einführungsworkshop" und 22.11.2004, Lüneburg: "Earth Education - Advanced Leadership Workshop" (Veranstaltung in leicht verständlichem Englisch)

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