Welche Medien braucht die Bildung für nachhaltige Entwicklung?

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ökopädNEWS
Dezember 2004
Ausgabe Nr. 155

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Titelthema

Welche Medien braucht die Bildung für nachhaltige Entwicklung?


Für die nächstes Jahr beginnende UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung (BfnE)" sind nicht nur neue didaktische Konzepte nötig, sondern auch neue Ansätze zur Kommunikation des Themas.Mitte November tauschten sich in Würzburg Medienmacher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erstmals über Probleme und neue Ansätze aus und vereinbarten eine engere Zusammenarbeit für die Zukunft.

Die Akademie für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein hatte in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Naturund Umweltbildung Deutschland (ANU) Herausgeber und RedakteurInnen aus den Bereichen Umwelt, Eine Welt und Agenda 21 eingeladen, um Perspektiven für die Zukunft zu diskutieren. Einführend stellte Jürgen Forkel-Schubert, Redakteur des ANU-Informationsdienstes ökopädNEWS, eine Übersicht der Anbieter vor und beleuchtete das Spannungsfeld, in dem sich diese verorten müssen. Die Bandbreite der Medien reicht dabei von schnellen und unregelmäßig erscheinenden Mailinglisten über datenbankgestützte Angebote im Internet bis zu regionalen und überregionalen Zeitschriften, oftmals in hervorragender Farb- und Bildqualität. Herausgeber sind sowohl professionelle Verlage wie auch gemeinnützige Verbände mit ehrenamtlichen Mitarbeitern.Viele der Umweltbildungsmedien werden von staatlichen Institutionen herausgegeben oder finanziell unterstützt. Das fast ausschließlich ehrenamtlich getragene ANU Netzwerk ist dabei die Ausnahme. Die Einnahmen über Anzeigen sind bei den meisten Medien vernachlässigbar.

Klassisches Medium

Zeitschrift Heidi Tiefenthaler, Redakteurin beim oekom verlag, vertrat die These, dass der Einzug des Themas Umwelt in die Massenmedien ein Verschwinden vieler gedruckter Umwelt(bildungs)medien nach sich gezogen und im Bereich der Fachzeitschriften zu einer "Atomisierung" mit Kleinstauflagen geführt hat.Heute wiederum fühlten sich laut der aktuellen Studie des Bundesumweltministeriums "Umweltbewusstsein in Deutschland 2004" fast die Hälfte der Bevölkerung von den Medien nicht ausreichend über Umweltprobleme informiert. Der sich aktiv informierende Teil der Bevölkerung nutzt mittlerweile digitale und gedruckte Medien nebeneinander, wobei die Printmedien oft als Impulsgeber für eine weiter Information im Internet genutzt werden. Viele Menschen schätzen die haptischen und beständigeren Eigenschaften von Printorganen.

Umfragen unter den LeserInnen des Informationsdienstes punkt.um hätten ergeben, dass PädagogInnen auch über den Bereich Umweltbildung hinaus andere Themen lesen würden, umgekehrt sei das seltener der Fall. Eine enge Verbindung und gegenseitiges Interesse zeige sich zwischen den Themenbereichen Bildung und Lokale Agenda.

Diese Erfahrungen mit Printmedien konnte auch Dietmar Fahnert als Redakteur des Informationsdienstes "AKADEMIE infobrief Umwelt & Bildung" bestätigen: Während Kommunen in Schleswig-Holstein in einer Umfrage vor einigen Jahren wenig Interesse an einem Informationsdienst zur Umweltbildung zeigten, schätzte ihn in einer aktuellen Umfrage die mehr umweltpädagogische Fachleserschaft als sehr hilfreich und wichtig für die eigene Arbeit ein. Inhaltlich müsse stets für jeden Leser etwas dabei sein, stellte auch Wolfgang Sorgo von der Zeitschrift "umwelt & bildung" aus Wien fest.Mit 19 Jahren zählt die österreichische Zeitschrift zu den ältesten Umweltbildungszeitschriften im deutschsprachigen Raum. Naturerleben und klassische Umweltbildungsthemen bleiben seiner Meinung nach weiterhin interessante Anknüpfungspunkte für das "alteingesessene" Publikum.Nachhaltige Entwicklung eröffne darüber hinaus in ihrer Themenbreite gute Möglichkeiten, um an interessante Kultur- oder Politikthemen anzuschließen und diese auf nachhaltige Inhalte hin abzuklopfen.

Digitale Medien im Trend

Der Einsatz digitaler Medien bringe überwiegend Vorteile, meinte Thorsten Ludwig, zuständig für das Internetportal www.umweltbildung.de im ANU Bundesverband. Durch ihre riesige Mailingliste mit etwa 1.500 Adressen kann die ANU sehr viele Menschen in kürzester Zeit erreichen. Über die vorhandenen Datenbanken zu Veranstaltungshinweisen, Materialien und Referenten im Internet mit ihren umfangreichen Suchfunktionen und umfassenden Archiven erreicht sie die Menschen, die gezielt Informationen suchen. Das neue Content-Management- System auf der Startseite bedeute für die ANU als dezentral arbeitende Organisation enorme Einsparungen an Papier, Porto und Kosten, so Thorsten Ludwig. Er wies zugleich auf die Notwendigkeit einer Qualifizierung der Redakteure vor Ort hin und warnte vor dem rasant ansteigenden Energieverbrauch des Internets insgesamt, der durch den Transport riesiger Datenmengen für die bunten und immer aufwändiger gestalteten Darstellungsformen benötigt werde.

Christoph Frommherz von der Schweizer "Stiftung Umweltbildung" (SUB FEE) bestätigte für seinen Arbeitsbereich den Trend zu den schnelleren elektronischen Medien. Doch gleich nach dem digitalen Informationsdienst lag im Ranking einer aktuellen Umfrage in der Schweiz der Wunsch nach einem persönlichen Austausch auf dem zweiten Platz. Die nationale Fachkonferenz Umweltbildung sei daher ein unverzichtbares Element in der Schweiz. Zugleich werde versucht,Medien so zu gestalten, dass sie sowohl im Printals auch im Digitalbereich eingesetzt werden können.

Cross-Media-Produktion

Diesen Trend zur Produktion über die Mediengrenzen hinweg bestätigte Matthias Barth vom Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg. Seiner Meinung nach konnten sich die neuen Medien im Bereich BfnE etablieren, allerdings gebe es keine aktuellen Studien in diesem Bereich. Derzeitige Angebote im Internet konzentrieren sich seiner Meinung nach noch zu sehr auf Informationsvermittlung und lassen dabei die Wünsche vieler Nutzer nach mehr Interaktivität und Anpassung auf individuelle Bedürfnisse außer Acht. Er empfahl, bestehende Angebote stärker zu vernetzen, gemeinsame technische Standards festzulegen und Mut für neue Wege zu zeigen. So könnte man beispielsweise durch gezielte Ansprache und spezielle Serviceleistungen für bestimmte Zielgruppen einen Mehrwert ins Internetportal einbauen.

Am Ende der erfolgreichen Veranstaltung vereinbarten die Teilnehmenden die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auszubauen, zugleich auch den persönlichen Austausch zu intensivieren und möglichst weitere Medienmacher mit einzubeziehen.

Jürgen Forkel-Schubert

Dr.Wolfgang Sorgo, E-Mail wolfgang.sorgo(at)umweltbildung.at, www.umweltbildung.at

Christoph Frommherz, E-Mail christoph.frommherz(at)sub-zofingen, www.umweltbildung.ch

Jürgen Forkel-Schubert, E-Mail jfs(at)anu.de, www.umweltbildung.de

Dr.Dietmar Fahnert, E-Mail info(at)umweltakademie-sh.de, www.umweltakademie-sh.de

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