Umweltkommunikation - Events - neue Wege zur Nachhaltigkeit

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ökopädNEWS
Mai 2005
Ausgabe Nr. 159

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Titelthema

Umweltkommunikation - Events - neue Wege zur Nachhaltigkeit


Im Zeitalter des Marketings geht auch die Umweltbildung neue Wege. Um einer individualisierten Erlebnisgesellschaft Umweltbildung schmackhaft zu machen und einen Großteil der Bevölkerung zu erreichen, sind Events gefragt. Im Trend liegen Veranstaltungen mit Ereignischarakter, die den Menschen aktiv einbinden und in ihrer Art unverwechselbar sind.

Einfache Botschaften sind gefragt. Dennoch sollten sich Events, die nachhaltige Inhalte und Werte vermitteln, durch eine hohe Produkt- und Wertaffinität auszeichnen, das heißt, sie sollten selbst nachhaltig sein. Eine Gratwanderung also, denn Events in der Umweltbildung sind meist eine Synthese aus Kommerz und sinnvollem ökologischen Verhalten. Aber sie schaffen Aufmerksamkeit, setzen Massen in Bewegung, fördern die Auseinandersetzung mit Themen und den Wunsch nach Veränderung. Sie sind Motivation und Inspiration auch in der "Öko-Szene" und verschaffen Umweltorganisationen eine stärkere Präsenz. Das soll an den folgenden Beispielen aus München verdeutlicht werden.

Green City

Der 1990 gegründete Umweltverein hat 500 Mitglieder, ein Team von zwölfMitarbeiterInnen und 500 aktive Ehrenamtliche. Handlungsfelder sind Nachhaltigkeit, Mobilität und Stadtgestaltung sowie erneuerbare Energien und Klimaschutz. Das Markenzeichen des Vereins ist sein aktiver und projektorientierter Stil:"Unser Stil ist, unsere Projekte positiv, unkonventionell, konkret und anschaulich zu machen und Emotionen anzusprechen", so Benjy Barnhart von Green City.Wissen soll für alle BürgerInnen verständlich gemacht werden. Deshalb organisiert Green City Aktionen, die den Leuten im Gedächtnis bleiben: Events, die für kurze Zeit einen Ausnahmezustand schaffen, die überspitzt, provokant und visionär sind, um die Leute zum Nachdenken zu bringen. So begrünte Green City mit einer "Wanderbaumallee" von 120 Bäumen nacheinander 20 Straßen und Plätze. Die Bäume vermittelten eine Vision,wie die Straße aussehen könnte.Mit der positiven Herangehensweise an Umweltthemen soll ein Stück Lebensfreude geweckt werden, um die Kommunikation der Leute untereinander in positiver Weise zu fördern und Visionen - zumindest für eine kurze Zeit - erlebbar zu machen.

Blade Night

Die einen fiebern ihr entgegen - andere hassen sie: die Blade Night. Sie wird ebenfalls von Green City organisiert. Jeden Montagabend von Mai bis September rollen rund 20.000 Blader auf einer Strecke von etwa 17 Kilometern durch die Stadt - insgesamt legen sie in einem Sommer 13- mal die Entfernung zum Mond zurück oder fahren 120-mal um die Welt. Unter dem Motto "anders mobil" üben die TeilnehmerInnen gemeinsam mit vielen unterschiedlichen Leuten eine trendige und gesunde Sportart aus, mit viel Spaß und ohne Abgase. Dass die Blade Night nicht nur bei den TeilnehmerInnen ankommt, sondern auch in der Politik, bestätigt Oberbürgermeister Christian Ude: Die Blade Night ist "ein Gewinn für das Image des Standorts München". Die Blade Night hat Green City viel gebracht: Bekanntheit und neuen Respekt gegenüber einer Umweltorganisation. "Massenveranstaltungen haben zwar mit Bildung nicht so viel zu tun", so Barnhart, "aber mit Meinungsbildung." Vertieft werden können die Themen dann auf Tagungen und Kongressen.

UNSER LAND

Auch das Netzwerk zur Regionalvermarktung "UNSER LAND" arbeitet mit Events. UNSER LAND ist ein Zusammenschluss von inzwischen neun Initiativen im Großraum München. Ziele sind, die Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen zu erhalten, regionale Lebensmittel naturschonend herzustellen, regionale (Wirtschafts-)Kreisläufe zu schließen, die bäuerliche Landwirtschaft und Kulturlandschaft zu erhalten, qualifizierte Arbeitsplätze zu sichern und für menschen- und naturnahe Wirtschafts- und Lebensweisen zu sensibilisieren. Um wirtschaftlich tragfähig zu sein, muss die Marke ihren Bekanntheitsgrad in der Region steigern. Das Netzwerk arbeitet zu Marketingzwecken mit kleinen und großen Events. Dabei werden die eigenen Produkte oft unter Einbeziehung von Funk und Fernsehen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. UNSER LAND tritt bei Großveranstaltungen wie Gewerbeschauen auf, veranstaltet regionale und faire Erntedankfeste, um jeweils einige Tausend VerbraucherInnen zu erreichen. Im Landkreis Fürstenfeldbruck kommen solche Aktionen gut an: Seit 1994 beweist die regionale Initiative "BRUCKER LAND", dass die Erhaltung der Lebensgrundlagen in Verbindung mit der regionalen Lebensmittelerzeugung wirtschaftlich tragfähig ist und von der Öffentlichkeit angenommen wird. Durch die innovative, eventgestützte Öffentlichkeitsarbeit kennen sie über 90 Prozent der Landkreisbürger und verbinden damit regionale Produkte. Unsere ökologische Situation braucht Veränderung, Motivation und neue Inspirationen. Events schaffen Aufmerksamkeit und setzen Massen in Bewegung, die sich unweigerlich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Events bieten die Chance nachhaltige Entwicklung erlebbar zu machen. Benjy Barnhart drückt es für Green City so aus: "Die Kunst ist, sich immer der Masse anzunähern, ohne sich darin völlig zu verlieren."

Mareike Haupt, Marion Loewenfeld

Kontakt: Ökoprojekt - MobilSpiel e.V., Fon +49/89/7 69 60 25, E-Mail oekoprojekt(at)mobilspiel.de, www.greencity.de, www.unserland.info

Zum Weiterlesen:

Ausführlicher Beitrag zum Thema als Download unter www.mobilspiel.de/oekoprojekt

"Wuppertal Papers" zum Forschungsprojekt "Eventkultur und Nachhaltigkeit" unter www.eventkultur.net

Eugen Buß (Hrsg.) "Die Eventkultur in Deutschland - eine empirische Bestandsanalyse in Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und Eventagenturen." Forschungsbericht der Universität Hohenheim 2004

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