Modellprojekt SINa - Die Schule der Zukunft lehrt Nachhaltigkeit

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ökopädNEWS
Juni 2005
Ausgabe Nr. 160

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Titelthema

Modellprojekt SINa - Die Schule der Zukunft lehrt Nachhaltigkeit


Nach der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse entfachte sich eine öffentliche und wissenschaftliche Diskussion über die Qualität von Schulen. So unterschiedlich sich Lehranstalten auch aufgrund ihrer Traditionen,Möglichkeiten und Schwerpunkte entwickeln, in einem Punkt sind sie gleich:Alle Bundesländer räumen ihnen eine wachsende Eigenverantwortung und eine größere Selbstständigkeit ein. Gute Gelegenheit also, den Gedanken der Nachhaltigkeit im Schulmanagement zu verankern. Einen wichtigen Schritt dazu hat das Modellprojekt SINa unternommen.

Studien zum Umweltbewusstsein in Deutschland zeigen, dass ein Großteil der Bevölkerung meint, eine gute Umweltqualität in der unmittelbaren Umgebung vorzufinden. Auch diese Meinung ist verbreitet, dass globale Umweltgefahren weniger die eigene Person betreffen, sondern sich vielmehr erst auf zukünftige Generationen auswirken werden. Nach wie vor herrscht der Gedanke vor: Was ich hier und heute noch nicht unmittelbar wahrnehme, kann und muss ich auch nicht verändern. Diese Einstellung ist eine der Ursachen für die Schwierigkeiten gemeinsamen Handelns im Sinne der Nachhaltigkeit. Eine zusätzliche Herausforderung besteht in der Kommunikation des Begriffs Nachhaltigkeit selbst.

Um Nachhaltigkeit in Bildungseinrichtungen stärker zu verankern, werden einfache und verständliche Verfahren gebraucht. Sie müssen Menschen dazu befähigen, sich über die Prinzipien der Nachhaltigkeit auszutauschen, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen und diese mit geringem Aufwand in den Kernbereichen ihrer Organisationen, so etwa Schulen, zu verwirklichen.

Das Modellprojekt SINa

An dieser Stelle setzt das Nachhaltigkeitsaudit an, das im Rahmen des Projekts SINa entwickelt wurde. SINa steht für Schulische Indikatoren für Nachhaltigkeitsaudit. Das Projekt wurde in dreijähriger Laufzeit vom Verein zur Förderung der Ökologie im Bildungsbereich e.V. gemeinsam mit zehn Schulen unterschiedlicher Schularten aus sechs Bundesländern entwickelt und erprobt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte das Vorhaben.

Das Verfahren richtet sich an Schulen, die einen Schwerpunkt im Bereich "Bildung für nachhaltige Entwicklung" legen wollen. Ziel ist dabei, dass die SchülerInnen die notwendigen Kompetenzen erwerben sollen, um an einer zukunftsfähigen Gestaltung unserer Gesellschaft mitzuwirken. Andererseits setzt das Modellprojekt Impulse, um die Nachhaltigkeit in der Schule aktiv zu leben und die Schule zu einem "nachhaltigen Betrieb" umzugestalten.

Wie es funktioniert...

Das Resultat ist ein relativ einfaches Verfahren zur Selbstbewertung, das sich an den Kernprozessen der Schule orientiert. Schulen, die sich der "Bildung für nachhaltige Entwicklung" verschreiben wollen, können mithilfe des Verfahrens einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess in Gang setzen. Betrachtet werden dabei acht Handlungsfelder: Leitbild und Planung, Schulmanagement,MitarbeiterInnen, Ressourcen, Unterricht, Kompetenzen, Schulleben und externe Kooperationsbeziehungen. Angehörige der Schule bewerten im Rahmen eines Workshops, wie stark sich ihre Lehranstalten in diesen Bereichen an der Nachhaltigkeit orientieren. In ihrem Urteil stützen sie sich auf Kriterien, die SINa zu jedem Handlungsfeld formuliert hat. Die Kriterien helfen nicht nur bei der Selbsteinschätzung, sondern dienen auch der Orientierung beim Festlegen künftiger Entwicklungsziele.

Anhand eines einfach strukturierten Fragebogens und des Kriterienkatalogs werden Stärken und Schwächen reflektiert, zukünftige Schwerpunkte diskutiert und erste Vorschläge für Verbesserungen gesammelt. Es folgen Workshops zur konkreten Planung der Maßnahmen sowie interne Audits, in denen geprüft wird, inwieweit die selbst gesteckten Ziele erreicht worden sind.

... und Schule macht

Das Modellprojekt SINa zielt darauf ab, einen kontinuierlichen Prozess zu etablieren. Dabei orientiert es sich an einschlägigen Konzepten und Instrumenten des Qualitätsmanagements und kann daher auch als niedrigschwelliger Einstieg in einen systematischen schulischen Entwicklungsprozess dienen.

Auch die Einrichtungen der Erwachsenenbildung, beispielsweise die Umweltzentren, stehen vor der Notwendigkeit, Instrumente zur Qualitätssicherung und -entwicklung mit Blick auf eine Bildung für nachhaltige Entwicklung einzusetzen. Für sie lohnt es sich zu prüfen, ob Nachhaltigkeit ein wesentlicher Schwerpunkt ist, denn das SINa-Nachhaltigkeitsaudit lässt sich mit kleineren Anpassungen auch in außerschulischen Bildungseinrichtungen hervorragend einsetzen.

Inka Bormann; Andrea Schmalz

Kontakt: Dr.Inka Bormann, Dr.Andrea Schmalz, Fon +49/30/83 85-27 44, Fax -50 65, E-Mail bormann(at)prosina.de, schmalz(at)prosina.de, www.prosina.de

Zum Weiterlesen:

Bundesministerium für Umwelt,Naturschutz und Reaktorsicherheit: Umweltpolitik. Umweltbewusstsein in Deutschland, 2004, kostenloser Download unter www.umweltstudie2004.de

Bormann, I.; Heger, R.-J.; Manthey, H.; Schmalz, A.; Wurthmann, A.: Anleitungen zum SINa-Nachhaltigkeitsaudit, Berlin 2004

Godemann, J.; Michelsen, G.: Die Kommunikation über Nachhaltigkeit braucht mehr Professionalität. In: Brickwedde, F.;

Peters, U.(Hrsg.): Umweltkommunikation - Vom Wissen zum Handeln, Berlin 2002, S.3 29-3 37

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