Nationalpark Hohe Tauern. Mehr Akzeptanz durch Umweltbildung

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ökopädNEWS
Februar 2006
Ausgabe Nr. 167

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Titelthema

Nationalpark Hohe Tauern. Mehr Akzeptanz durch Umweltbildung


Der Nationalpark Hohe Tauern hat es im Gegensatz zum schleswig-holsteinischen Wattenmeer-Nationalpark fertig gebracht, von der breiten Bevölkerung befürwortet und als Wirtschaftsfaktor anerkannt zu werden. Umweltbildung spielt dabei eine herausragende Rolle.


Der Nationalpark Hohe Tauern erstreckt sich über die drei österreichischen Bundesländer Kärnten, Osttirol und Salzburger Land mit je einer Nationalparkverwaltung. Gemeinsam mit einem Nationalparkrat mit Sitz in Matrei führen sie die Fäden bei Konzeption und Umsetzung von Schutz- und Nutzungszielen sowie den - dies verdient besondere Beachtung! - ökopädagogischen Zielen zusammen. Da wirtschaftliche Belange berücksichtigt werden - von der Wasserkraft bis zur (ski)touristischen Wertschöpfungskette - akzeptieren die etwa 80.000 Einwohner den Nationalpark zunehmend. So kann die Nationalparkfläche stetig ausgeweitet werden, obwohl immerhin 83 Prozent der Fläche in privater Hand sind.

Was läuft anders als im Wattenmeer?

Im Vergleich zum Wattenmeer-Nationalpark in Norddeutschland, an dem auch drei Bundesländer (Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein) beteiligt sind, ist der Nationalpark in Österreich wegen seines beispielhaften pädagogischen Gesamtkonzeptes und eines sehr langsamen, von spürbaren Wohlfahrtswirkungen begleiteten Ausweisungsprozesses (seit 1971!) mittlerweile nahezu unumstritten. An derartiger Akzeptanz wird in Schleswig-Holstein noch mühsam gearbeitet.

Aqua-Didaktik für den Nationalpark

Eine Schlüsselrolle bei der Werbung um die Gunst der Bevölkerung spielen die umweltpädagogischen Maßnahmen, vorwiegend zum Thema Wasser. Immerhin 10 Prozent des Nationalparks Hohe Tauern sind Gletscherflächen, 72 Prozent der Fließgewässer sind unberührte Bäche. Eine spezielle "Aqua-Didaktik" vermittelt das Thema Wasser sowohl als wertvolles heimatliches Element als auch als weltweit knappe Ressource. Die "Mobile Wasserschule" bietet zu verschiedenen Themen über das Schuljahr verteilt kostenlose fünftägige Kurse an. Jährlich nehmen 4.300 Schülerinnen und Schüler aller Schulen der Region daran teil. Geht es nach den Initiatoren, sollten alle SchülerInnen der Nationalparkregion im Alter von acht bis 13 Jahren wenigstens einmal einen Kurs der Wasserschule besucht haben. Eine wissenschaftliche Evaluation der Arbeit der Wasserschule belegt, dass die Schüler infolge eines erweiterten Wissensspektrums ein höheres Umweltbewusstsein und ein breiteres Repertoire an Verhaltensalternativen besitzen.

Vielfalt der Bildungseinrichtungen

Neben der Wasserschule gibt es eine Vielzahl weiterer pädagogischer Angebote. Das Umweltzentrum BIOS in Mallnitz bietet mit aufwändigen, großteils interaktiven Installationen und raffinierten Modellen sowie wechselnden Sonderausstellungen unerwartete Einblicke in ökologische Zusammenhänge des alpinen Lebens. In St. Jakob in Osttirol lockt das Haus des Wassers unter dem Slogan "Treffpunkt der forschenden Jugend Europas" mit wissenschaftlichen, erlebnisorientierten oder künstlerischen Angeboten. Schließlich bietet die Nationalparkwerkstatt in Hollersbach/Salzburger Land beeindruckende Modelle, die das Leben der Menschen in den Alpen spielerisch entdecken lassen und Wissen über Geologie und Ökologie vermitteln.

Daneben dient der gesamte Nationalpark mit seinen NationalparkbetreuerInnen, vereinzelt unterstützt durch örtliche Naturschutzvereine, als Klassenzimmer für Unterrichtsprojekte oder Schulfreizeiten. Die Wasserschule hat dafür spezielle Materialien entwickelt.

Eine wichtige Rolle sowohl in der Erwachsenenbildung als auch in der Aus- und Fortbildung der NationalparkbetreuerInnen spielt die Nationalparkakademie Hohe Tauern mit ihren Angeboten für ExpertInnen, Laien und PädagogInnen.

Bisher 17 sogenannte Nationalpark-Volks- und zwei Nationalpark-Hauptschulen haben ihr Lehrplanangebot verstärkt auf den Nationalpark ausgerichtet und sich ein Nationalparkleitbild gegeben. Wichtige Elemente sind weiterhin die Nationalparkbetreuer selbst, die Kinder und Jugendliche als "Junior-Ranger" in die Lehre nehmen sowie speziell für den Fremdenverkehr ausgebildete "Wasserbotschafter". Daneben gibt es unzählige Aktivitäten, darunter Wasserfeste, Wettbewerbe, ein "Forscherclub" für Jugendliche und Kooperationen mit der Initiative "Kärnten wasser.reich".

Die Wirtschaft unterstützt

Entscheidend für den Erfolg des Konzepts ist die Unterstützung aus der Wirtschaft. Hervorzuheben ist dabei das Unternehmen D. Swarovski & Co, der weltweit größte Hersteller geschliffener Kristalle. Swarovski lässt sich sein weltweites Umweltbildungsengagement zum Thema Wasser allein in Österreich 220.000 Euro pro Jahr kosten, für die Projektlaufzeit der mobilen Wasserschule wurden insgesamt 1,3 Millionen Euro bereitgestellt. Diese große Unterstützung der Wirtschaft für einen Nationalpark fehlt in Norddeutschland bislang noch.

Was kann man davon lernen?

Das pädagogische Konzept für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wird gerade entwickelt. Ein Blick über den Gartenzaun kann da nicht schaden, auch wenn die Strukturen nicht unmittelbar miteinander zu vergleichen sind. Zwar wird die Umweltbildungsarbeit im Nationalpark Hohe Tauern überwiegend von der Nationalparkverwaltung und nicht den Verbänden geleistet, zwar leben die Menschen dort im Nationalpark und nicht durch den Deich von ihm getrennt. Dennoch sollten die durch jahrelang koordinierte umweltpädagogische Arbeit in Österreich erzielten großen Erfolge zur Verbesserung der Akzeptanz des Nationalparks und ihre positiven touristischen Folgewirkungen auch im nördlichsten Bundesland Deutschlands wahrgenommen und ernsthaft diskutiert werden.

[Dr. Dietmar Fahnert, Jürgen Forkel-Schubert]

Weitere Infos: Nationalpark Hohe Tauern, Nationalparkrat, Fon +43/4875/51 12-0, E-Mail nationalparkrat@hohetauern.at

Mobile Wasserschule Nationalpark Hohe Tauern, Angelika Staats, Fon +43/4784/81 80, E-Mail wasserschule@hohetauern.at, www.wasserschule.at

Akademie für Natur und Umwelt des Landes Schleswig-Holstein, Dr. Dietmar Fahnert, Fon +49/4321/90 71-40, E-Mail info@umweltakademie-sh.de, www.umweltakademie-sh.de

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