Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland - Umweltbildung für Gewässerschutz

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ökopädNEWS
November 2006
Ausgabe Nr. 175

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Titelthema

Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland - Umweltbildung für Gewässerschutz


Klimawandel und Trockenheit, Verschmutzung, Verschwendung, Verlust von Feuchtgebieten und jahrelanges Missmanagement sind nur einige Ursachen für die Wasserkrise in den Entwicklungsländern. Doch die Wasserknappheit hat schon längst auch Europa erreicht. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie von 2000 soll Abhilfe schaffen. Sie verpflichtet alle Staaten bis 2015 ihre Oberflächengewässer in einen "guten ökologischen Zustand" zu bringen. Bis Dezember 2006 müssen sie die Öffentlichkeit informieren und einen Zeitplan sowie ein Arbeitsprogramm erstellen. Umweltbildung könnte hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Eine düstere Bilanz zog das vierte Weltwasserforum Mitte März in Mexico City. Noch immer sterben täglich rund 4.000 Kinder an Krankheiten, weil ihnen nur verschmutztes, keimhaltiges Wasser zur Verfügung steht. Über eine Milliarde Menschen haben immer noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In vielen Regionen des Mittleren Ostens und in Nordafrika wird sich die Wasserknappheit bis 2050 drastisch verschärfen und zu politischen Konflikten um begrenzte Ressourcen führen. Insbesondere in den rasant wachsenden Mega-Cities ist es um die Wasserversorgung immer schlechter bestellt.

Wenig Rezepte gegen den Durst der Welt

Der Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur kommt in vielen Ländern nur langsam voran. Es fehlen nicht nur sanitäre Einrichtungen, Kläranlagen und Trinkwasserleitungen, sondern vielfach auch ein modernes Wassermanagement. Deutschland stellt zwar rund 350 Millionen Euro im Jahr für Wasserprojekte in Entwicklungsländern zur Verfügung. Doch Korruption, Missmanagement und eine Übermacht der Bürokratie erschweren vielerorts den Aufbau moderner Infrastruktur. Das Wasserkomitee des Weltverbands der Kommunen sprach sich jüngst für eine Stärkung der Rolle der Kommunen aus. Wasser muss Gemeingut bleiben. Aber nur wenn alle Akteure - Kommunen, Verbraucher, Wirtschaft und Verbände - einbezogen werden, kann eine sozial und ökologisch verträgliche Versorgung sichergestellt werden.

Umweltpreis für Wasserexperten

Ein Millenniumsziel der UN lautet, die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und ohne sanitäre Grundversorgung bis 2015 zu halbieren. Doch die Versorgung der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern mit sauberem Trinkwasser hat in den vergangenen Jahren nur kleine Fortschritte erzielt. Ein Lichtblick ist die Verleihung des diesjährigen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt an Hans Huber, den Leiter eines bayerischen Unternehmens der Abwasserwirtschaft. Er hat eine leicht anwendbare, hochwertige und robuste Technik zur Frischwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung entwickelt. Durch die Trennung häuslicher Abwässer kann einerseits Dünger gewonnen und andererseits das Wasser so aufbereitet werden, dass es sich zur Bewässerung in der Landwirtschaft eignet.

Wassermangel in Europa

Auch reiche Industriestaaten wie Spanien, USA, Kanada, Australien sowie Teile Englands leiden in zunehmendem Maße unter Dürrekatastrophen und Wasserknappheit. Darauf weist die Umweltschutzorganisation WWF in ihrer Studie "Rich Countries, Poor Water" hin. Zwar seien reiche Staaten technisch und finanziell in der Lage, neue Wasserquellen zu erschließen. Die für den Bau neuer Mega-Staudämme, tieferer Brunnen, neuer Entsalzungsanlagen sowie zusätzlicher Flussumleitungen erforderlichen Kosten ständen jedoch in keinem Verhältnis zu dem vergleichsweise geringen Aufwand einer vorausschauenden Wasserpolitik. Dem Schutz der natürlichen Wasservorkommen und dem sparsamen Umgang müsse unbedingt der Vorrang gegeben werden.

Wasserrahmenrichtlinie in Deutschland

Seit Dezember 2000 ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Kraft. Sie verpflichtet die Bundesländer dazu, bis 2015 die Oberflächengewässer in einen "guten ökologischen Zustand" zu versetzen, der naturnahen Gewässern entspricht. Dabei sind Fristen einzuhalten. Bis Dezember 2006 müssen beispielsweise ein Zeitplan und ein Arbeitsprogramm veröffentlicht werden. Ein Jahr danach sind wichtige Fragen der Wasserbewirtschaftung und ein weiteres Jahr später die Entwürfe des Bewirtschaftungsplans zu veröffentlichen. Außerdem ist gemäß Artikel 14 der WRRL die Öffentlichkeit bei der Umsetzung der Richtlinie aktiv zu beteiligen. Das genaue Verfahren hierzu muss in den einzelnen Flussgebietseinheiten noch abgestimmt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings ein umfassendes Informieren der Öffentlichkeit. Indem man den Umsetzungsprozess transparent gestaltet, sollen die Maßnahmen auf Akzeptanz treffen und ihr Konfliktpotenzial rechtzeitig erkannt werden. Wichtig ist, den Sachverstand der Öffentlichkeit einzubinden, um das Bewusstsein für den Gewässerschutz zu schärfen.

Möglichkeiten der Umweltbildung

Hier kann die Umweltbildung wichtige Beiträge leisten. Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) bietet sich als Netzwerk und Informationsquelle im Internet an. Bundesweit arbeitet rund jedes Zweite der über 1.000 Umweltzentren zum Thema Wasser. Das Schlagwort Wasser in der ANU-Umweltzentren-Datenbank ergab 488 Treffer, bei Eingrenzung auf den Bereich Wasser und Bürgerbeteiligung 28 Anzeigen. Im ökopädNEWS-Archiv finden sich unter dem Schlagwort Wasser rund 120 Einträge zu verschiedensten pädagogischen Aktivitäten. Der Bereich "Nachhaltigkeit lernen" liefert weitere Beispiele. Wer nach ReferentInnen sucht, wird in der ANU-ReferentInnenbörse fündig: Das Stichwort Wasser ermittelt viele Umweltfachleute, darunter sogar zwei Spezialisten zur Wasserrahmenrichtlinie.

Viele Umweltbildungseinrichtungen und andere Institutionen weisen durch Veranstaltungen, einen Tag der offenen Tür oder Pressemitteilungen auf den Zustand unserer Gewässer und die Umsetzung der WRRL hin. Eine gute Chance zur Beteiligung der Öffentlichkeit bietet beispielsweise der Tag des Wassers, der jährlich am 22. März stattfindet. Daneben gibt es unzählige Aktivitäten und Projekte, darunter Bachpatenschaften für Jugendgruppen, sportliche Aktivitäten wie den "Naturathlon" auf deutschen Flüssen oder den Elbebadetag, Projekt "Wasser erleben" für Kitas und Schulen oder sogar Gestaltungsvisionen für ein Flussgebiet, beispielsweise einen "Landschaftspark Neckar". [Jürgen Forkel-Schubert]

Weiterführende Hinweise:

Wasser weltweit:

www.worldwaterforum4.org.mx

www.cities-localgovernments.org/uclg/

www.bmz.de/de/service/infothek/fach/materialien/ Materialie154.pdf

www.dbu.de/343.html

www.wwf.de/imperia/md/content/naturschutz/richcountriespoorwaterfinal170706.pdf


WRRL in Deutschland:

www.umweltbundesamt.de/wasser/kontakte/verweise. htm#Wasserrahmenrichtlinie


Beispiele zur Umweltbildung:

www.umweltbildung.de/oekopaednews.html www.bachlaeufer.hamburg.de

www.blauesnetz.de

www.naturathlon.de

www.elbebadetag.de

www.save-our-future.de

www.umweltakademie.baden-wuerttemberg.de

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