Umweltbildung in der Hochschule - Zehn Jahre Umweltkommunikation in Lehre und Forschung

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ökopädNEWS
Februar 2007
Ausgabe Nr. 177

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Titelthema

Umweltbildung in der Hochschule - Zehn Jahre Umweltkommunikation in Lehre und Forschung


Mit einem Festakt feierte das Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg im November 2006 sein 10-jähriges Bestehen. Das Institut von Professor Gerd Michelsen ist bundesweit führend bei der Verankerung der Bildung für nachhaltige Entwicklung auf der Hochschulebene und wurde 2006 mit dem UNESCO-Chair "Hochschulbildung für eine nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet.

Die Geschichte des Instituts für Umweltkommunikation (INFU) ist eng mit der Gründung des interdisziplinären Fachbereichs Umweltwissenschaften an der Universität Lüneburg verknüpft. Als kleinstes von vier Instituten wurde die Arbeit in der Überzeugung aufgenommen, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Umweltfragen und der Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten in der Regel nur interdisziplinär erfolgen kann. Dabei ist von großer Bedeutung, dass das meiste von dem, was wir über unsere Umwelt oder Umweltprobleme wissen oder zu wissen glauben, von uns nicht über unsere Sinnesorgane wahrgenommen, sondern uns über unsere Kommunikationswege mitgeteilt wurde. Umweltschutz und Engagement für Natur und Umwelt haben daher immer auch etwas mit unserer Kommunikation zu tun.

Nachhaltigkeit kommunizieren...

Natur- und ingenieurwissenschaftliche Analysen und Lösungsvorschläge von Umweltproblemen bedürfen nicht nur einer ökonomischen Bewertung oder rechtlichen Würdigung; sie müssen auch gegenüber Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit vermittelt, d. h. kommuniziert werden. Dies gilt in viel größerem Maße für komplexe Fragen wie die nach der nachhaltigen Entwicklung. Dabei geht es um eine zukunftsbezogene Auseinandersetzung mit Argumenten, Handlungmöglichkeiten oder Positionen zu einer gesellschaftlichen Entwicklung, die von den Menschen aus unterschiedlichen ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Blickwinkeln wahrgenommen und interpretiert wird. Das INFU hat daher das vor zehn Jahren fast noch revolutionäre Programm der Umweltkommunikation zur Nachhaltigkeitskommunikation weiterentwickelt und verfolgt heute einen transdisziplinären Ansatz, bei dem auch VertreterInnen aus der Praxis in den Prozess der wissenschaftlichen Bearbeitung einbezogen werden.

Über die Jahre hinweg konnte sich das INFU insbesondere durch das Einwerben von Drittmitteln, aber auch durch die Zuordnung einer Professur aus der Lehrerbildung für den Arbeitsschwerpunkt "Umweltbildung und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" personell verstärken. Mit der Besetzung der Juniorprofessur für "Sustainable Development and Participation" und der Professur für "Neue Medien und Umweltinformatik" 2004 und 2005 wurde das inhaltliche Spektrum des Instituts erweitert. Entsprechend gliedert sich das Institut in drei Arbeitsbereiche.

... und populärer machen

Im Arbeitsschwerpunkt Kommunikation & Nachhaltigkeit beschäftigen sich die Mitarbeiter mit den unterschiedlichen Wirkungen einzelner Kommunikationsstrategien zur Popularisierung des Leitbilds Nachhaltigkeit, entwickeln selbst neue praktische Ansätze und leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Theoriebildung in der Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation. Dabei werden Fragestellungen aufgegriffen, die sowohl Indivi- duen als auch Institutionen betreffen. In der Lehre werden Veranstaltungen zu den Schwerpunkten Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Naturschutzkommunikation und betriebliche Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation angeboten.

Neue Medien nutzen

Der Bereich Neue Medien & Umweltinformatik befasst sich damit, wie gesellschaftliche Akteure in Fragen des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung wirksam durch Informatiksysteme unterstützt werden können: Die Zauberworte lauten Strukturieren, Analysieren, Konzipieren, Kooperieren, Kommunizieren und Kontrollieren. Dabei werden Untersuchungen durchgeführt zu Fragen, welchen Beitrag semiotische Maschinen, semiotische Werkzeuge und digitale Medien leisten können. Oder welche Teile der Kopfarbeit sich sinnvollerweise formalisieren und automatisieren lassen und welche besser nicht. Konkrete Forschungsfelder sind unter anderem Computer als Medium, neue Medien in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, digitale Medien und nachhaltige Entwicklung, E-Learning, Computer als Werkzeug oder computergestützte Stoffstromanalysen und Ökobilanzierung.

Zukunft gestalten

Im Arbeitsbereich Partizipation und Nachhaltigkeit geht es um Beteiligung und Kooperation. Sie gelten als zentral für den gesellschaftlichen Verständigungs- und (Selbst-)Organisationsprozess zur nachhaltigen Zukunftsgestaltung. Trends wie Globalisierung, Pluralisierung oder Entstaatlichung einerseits und die Dynamik (globaler) Umweltveränderungen andererseits erfordern neue Wege kollektiver Wissenskommunikation, Entscheidungsfindung und Gestaltung.

Hochschulbildung für eine nachhaltige Entwicklung

Im Herbst 2005 wurde dem INFU von der UNESCO der Chair "Hochschulbildung für eine nachhaltige Entwicklung" zuerkannt. Dieser UNESCO Chair ist Ausdruck der hervorgehobenen Rolle der Universität Lüneburg im Bereich von Hochschulbildung und nachhaltiger Entwicklung. Seit 1999 hat das INFU am Beispiel der eigenen Universität Wege erprobt, wie Hochschulen in allen Funktionsbereichen Nachhaltigkeit praktizieren können - ein besonderer Fokus galt dabei dem Lernen, ob in Lehrveranstaltungen oder durch das zunehmend nachhaltig gestaltete Campusleben. [Jürgen Forkel-Schubert]

Das INFU hat eine Fülle von Projektdokumentationen, Diplomarbeiten, Publikationen und Dissertationen herausgegeben, die über die Webseite des Instituts erschlossen werden können: www.uni-lueneburg.de/infu

Michelsen, G.; Godemann, J. (Hrsg.): Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation. oekom, München 2005, 923 S., 49,90 EUR, ISBN 978-3-936581-33-1

"Lübecker Erklärung - Hochschulen und Nachhaltigkeit" 2005, Download unter www.fh-oow.de/oe//downloads.php?id=25

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