Podcasts in der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hören und gehört werden

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ökopädNEWS
Dezember/Januar 2007/08
Ausgabe Nr. 186

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Titelthema

Podcasts in der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hören und gehört werden


Moderne Technik macht's möglich: Radiosendungen und andere Audioformate kann man sich heute über das Internet auf den MP3-Player laden. Und jede Schülergruppe kann mit geringem Aufwand eine eigene Sendung produzieren. Für viele Umweltbildungseinrichtungen ist dies ein Schatz, der noch zu heben ist.

Die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken ist heute eine wichtige Aufgabe, auch in der Bildung für nach-haltige Entwicklung (BNE). Wer die Fähigkeit besitzt mit den Medien umzugehen und sie für sich zu nutzen, profitiert. Dabei geht es nicht allein um die technische Handhabung. Medienkompetenz bedeutet vor allem, eigenverantwortlich mit Medien um-zugehen, sich kritisch mit den Inhalten auseinanderzusetzen und durch kompetentes Handeln Möglichkeiten der aktiven Beteili-gung zu erlernen.

Um diese Kompetenz zu stärken und darüber hinaus auch öffentlichkeitswirksam zu arbeiten, gibt es ein althergebrachtes Me-dium: das Radio. Die Technik ermöglicht es heutzutage jedem mit einem Computer eine eigene Audiodatei herzustellen. Das ist nichts völlig Neues. Durch eine neue Software ist es jedoch möglich, die produzierten Sendungen als MP3-Datei mit geringem Aufwand ins Internet zu stellen.

Die Möglichkeit eine eigene Radiosendung zu produzieren nutzt beispielsweise die Umweltstation Hämmerleinsmühle bei Nürnberg. Unterstützt durch einen Journalisten sowie eine Radiomoderatorin und gewappnet mit relativ einfacher, kostengünsti-ger Technik produziert der Verein derzeit monatlich zwei Sendungen "Umwelt im Ohr". Sie können von der Webseite heruntergeladen werden. Podcasting lautet hier das Zauberwort.

MP3-Player + Radio = Podcast

Der Begriff Podcast setzt sich aus dem englischen Begriff "broadcasting" (Rundfunk) und dem iPod (tragbarer MP3-Player von Apple) zusammen. Podcasts sind digitale Aufnahmen von Audiomaterial, die im Internet verfügbar sind und am Computer ange-hört oder auf einen Audiospieler (zum Beispiel MP3-Player) geladen werden können. Fast alle Podcasts sind kostenlos. Der Clou ist, dass sie von den HörerInnen wie eine Zeitung abonniert werden können.

Doch wie findet man Podcasts zu einem bestimmten Thema? Viele Organisationen sind inzwischen auf den Zug aufgesprun-gen und bieten Podcasts auf ihrer Homepage an. So stellt die Umweltstation Hämmerleinsmühle ihre selbst produzierten Sendun-gen unter dem Icon "Grünes Glück" auf ihrer Internetseite bereit. Es gibt aber auch verschiedene Portale im Internet, die Podcasts nach Themenbereichen auflisten - ähnlich wie ein Telefonbuch. Für Jugendliche ist insbesondere die Seite www.netzcheckers.de interessant. Hier können sie nicht nur Sendungen zu spannenden und zeitgemäßen Themen herunterladen, sondern auch ihre selbst produzierten Podcasts hochladen.

Möglichkeiten für die BNE nutzen

Hochladen ist das Stichwort: Die Technik erlaubt heute jedem, unabhängig von den großen Sendeanstalten seine eigene Radio-sendung zu produzieren, und - über Podcasts - ganz einfach zu veröffentlichen. In der Kinder- und Jugendarbeit besteht damit nicht nur die Möglichkeit, die angebotenen Audiodateien als pädagogische Hilfestellung zu verwenden - es ist ebenso möglich, mit einer Gruppe ein Thema über die Produktion einer eigenen Radiosendung zu vertiefen. Damit ist das Medium auch für Mitar-beiterInnen in der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung und für LehrerInnen einsetzbar, um Inhalte der BNE zu vermitteln und die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen aktiv zu fördern. Die eigene Meinung in Worte fassen und kreativ gestalten, Teamarbeit, Ideen konsequent umsetzen, mit dem Ergebnis an die Öffentlichkeit gehen: Das Spektrum an Kompetenzen, die gefördert werden, ist groß. Durch die mögliche Veröffentlichung der Sendung im Internet können sich Kinder und Jugendliche zudem aktiv an der Meinungsbildung beteiligen. Gleichzeitig stellt die Befriedigung, nach Abschluss des Projekts etwas herge-stellt zu haben, das jeder anhören kann, eine besondere Motivation für Kinder und Jugendliche dar.

Hilfestellung für MultiplikatorInnen

Für die neuen "RadiomacherInnen" bedeutet dies, sich nicht nur mit der Technik auseinanderzusetzen, sondern sich auch mit der redaktionellen Arbeit und der Dramaturgie einer Radiosendung zu befassen. Hilfestellung bietet hier insbesondere das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) herausgegebene Material "Graslöwen Radio im Unterricht", das sich konkret mit Auf-bau, Darstellungsformen und Technik auseinandersetzt. Zusätzlich bietet die DBU im Rahmen des Graslöwenprojekts Radio-werkstätten in ganz Deutschland an. Die Redakteure vom Graslöwensender Radijojo! zeigen den PädagogInnen dabei, wie Hör-funk gemacht wird und wie dabei das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen werden kann. Die Umweltstation Hämmerleinsmühle bietet für MultiplikatorInnen Workshops zum Thema Produktion und Veröffentlichung von Internetradiosendungen an. [Mareike Haupt]

Langfassung mit vielen weiteren Tipps: Rundbrief Netzwerk UmweltBildung Mai 2007, Oekoprojekt MobilSpiel, Mün-chen, Tel. +49 (0)89 / 7696025, www.mobilspiel.de/oekoprojekt,

Download: www.praxis-umweltbildung.de/dwnl/handy/info_.pdf

Podcasting - Umweltbildung auf Sendung, 15 S., kostenlos. Hrsg./Bezug: Umweltstation Hämmerleinsmühle, Georgensgmünd, Tel. +49 (0)9172 / 6677863, www.haemmerleinsmuehle.de

DBU (Hrsg.): Graslöwen Radio im Unterricht. Die Hörfunkwerkstatt für die Klassen 2-6. 31 S., mit CD-ROM, 6,50 EUR, Bezug: bildung+, Seelze,

Tel. +49 (0)511 / 40004-0, www.bildung-plus.de

Radijojo!, Berlin, Tel. +49 (0)30 / 27907147, E-Mail: redaktion@radijojo.de, www.radijojo.de

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