Außerschulische Bildung - Biodiversität in Botanischen Gärten

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ökopädNEWS
Mai 2008
Ausgabe Nr. 190

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Titelthema

Außerschulische Bildung - Biodiversität in Botanischen Gärten


Botanische Gärten sind für das Themenfeld biologische Vielfalt unverzichtbare Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Bevölkerung. Besonders attraktiv und aktiv sind sie als pädagogische Lernorte. In jedem zweiten Garten gibt es inzwischen eine "Grüne Schule".


In Deutschland gibt es 95 Botanische Gärten, die jedes Jahr von insgesamt rund 14 Millionen Menschen besucht werden. Die Aufgaben der Gärten reichen - je nach Anbindung an Universität, Stadt oder Land - von akademischer Lehre über wissenschaft-liche Forschung, Arten- und Naturschutz bis zur Bildung. Diese Reihenfolge entspricht allerdings nicht der Gewichtung in den einzelnen Gärten, denn diese sind auch Erholungs- und Entspannungsort mit Freizeitwert, Schauplatz kultureller Ereignisse und nicht zuletzt für die Öffentlichkeit ein Spiegel pflanzlicher Biodiversität und somit "grünes Schaufenster". Selten gelingt es einem Garten, alle Aufgabenbereiche mit gleicher Intensität und gleichem Erfolg zu erfüllen.

Aktuelle Umfrage zur Bildungsarbeit

Weltweit erfüllen die Botanischen Gärten vor allem Aufgaben als Ex-situ-Kollektionen - also das Bewahren von Pflanzenarten außerhalb ihres eigentlichen Lebensraumes - und gleichzeitig als Promotoren des Themas Biodiversität in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Denn ihr Pflanzenreichtum und das große Fachwissen der MitarbeiterInnen machen die Botanischen Gärten zu ausgezeichneten Lernorten zu allen Themen rund um die Pflanzenwelt, zu ihrer Gefährdung und zu den Bemühungen um die Erhaltung der (pflanzlichen) biologischen Vielfalt. Sie tragen demnach dazu bei, die 1992 vom Erdgipfel in Rio in dem Überein-kommen zur biologischen Vielfalt (CBD) geforderte Bewusstseinsschaffung in der Bevölkerung umzusetzen. Botanische Gärten vermitteln somit ein Schlüsselthema der Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Ob und wie die Gärten diesem Anspruch gerecht werden, versuchte im Sommer 2007 eine Gesamterhebung zum Stand der Bildungsarbeit an Botanischen Gärten herauszufinden. Die Umfrage führten das Tropengewächshaus der Universität Kassel, die Botanischen Gärten Bonn und die AG Pädagogik im Verband Botanische Gärten gemeinsam durch. Alle 95 deutschen Gärten wurden schriftlich befragt. Immerhin 68 Prozent der Einrichtungen haben geantwortet, davon waren knapp zwei Drittel universi-täre Gärten.

Die Auswertung zeigte eine klare Tendenz: Der Stellenwert der Bildungsarbeit hat sich deutlich erhöht. Alle Gärten, die ge-antwortet haben, bieten Bildungsveranstaltungen an. Bemerkenswert: Umweltbildung gehört für etwa jeden zweiten Garten - unabhängig von seiner Anbindung - zu den anerkannten Hauptaufgaben. Im universitären Bereich ist für jeden zweiten Garten die Bildungsarbeit für die allgemeine Öffentlichkeit sogar genauso wichtig wie der Artenschutz. Bei den nicht universitären Gärten sehen sogar drei Viertel aller Einrichtungen Bildung als einen wichtigen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit an.

Schulen im Mittelpunkt

Botanische Gärten greifen zahlreiche Themen rund um die biologische Vielfalt auf. Zwar sind es erwartungsgemäß vor allem klassische botanische und ökologische Themen. Doch verknüpfen inzwischen etwa 20 Prozent der Gärten ökologische mit öko-nomischen und sozialen Themenfeldern im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Dem entsprechend hat etwa ein Drittel der Gärten ein Leitbild schriftlich fixiert. Zwei Gärten sind offizielle Projekte der UN-Dekade BNE und immerhin neun Prozent der Einrichtungen sind zertifiziert.

Die wichtigste Zielgruppe für die Bildungsarbeit sind Schulklassen. Die Zahl der "Grünen Schulen" steigt nach wie vor an: Seit Ende der 1990er-Jahre sind zehn Neugründungen zu verzeichnen. Im Vordergrund steht die persönliche Vermittlung: Alle Grünen Schulen bieten Führungen an, die Hälfte von ihnen auch Unterrichtsgänge. Die Methoden reichen vom Artenbestim-mungskurs über Diskussionsrunden bis zu praktischer Arbeit. Der Zeitumfang variiert sehr stark. Etwa 20 Prozent der Gärten evaluieren die Veranstaltungen.

Pädagogisches Personal ist Mangelware

Die Zahl der Gartenpädagogen hat sich allerdings im letzten Jahrzehnt kaum verändert. In nur zehn der 65 Gärten, die sich an der Befragung beteiligten, arbeiten fest angestellte PädagogInnen, insgesamt 13. Weiterhin verfügen neun Einrichtungen über insge-samt 18 abgeordnete PädagogInnen, allerdings wie die fest angestellten mit unterschiedlicher Stundenzahl. Führungen und andere Bildungsveranstaltungen werden überwiegend durch eigenes Personal oder - in jedem zweiten Garten - durch Honorarkräfte geleistet. Dabei sind die Gärten selbst mit der Ausstattung für die Bildungsarbeit nicht zufrieden. So rechnen nur wenige Gärten derzeit mit einer unmittelbaren Personal- oder Budgetverbesserung. Dennoch wollen sie in den nächsten fünf Jahren die Bil-dungsarbeit nicht nur erhalten, sondern weiter ausbauen.

Die Arbeitsgruppe Pädagogik

Der Grad der Vernetzung der Botanischen Gärten untereinander ist im fachwissenschaftlichen Bereich hoch, dagegen im Bil-dungsbereich - etwa über eine Mitgliedschaft in der Arbeitgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) - noch sehr niedrig. Eine wichtige Vernetzungsarbeit für die MitarbeiterInnen leistet die Arbeitsgruppe Pädagogik im Verband Botanischer Gärten. Bereits 1981 gab es in der damaligen DDR einen fachlichen Austausch pädagogisch interessierter MitarbeiterInnen, seit 1987 auch in der Bundesrepublik. Ab 1990 fanden gemeinsame Tagungen statt. Seit 1993 hat sich der informelle Arbeitskreis als "Ar-beitsgruppe Pädagogik im Verband Botanischer Gärten" organisiert und in ehrenamtlicher Arbeit seitdem 13 Jahrestagungen und zwölf Fortbildungen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden veröffentlicht. Derzeit ist eine Zusammenfassung der Fortbildung "Globales Lernen im Botanischen Garten" in Bearbeitung. Das nächste Treffen der AG findet vom 27. bis 29. Juni im Grugapark Essen zum Thema "Pflanze und Bewegung" statt. Gäste sind herzlich willkommen! [Marina Hethke]

Marina Hethke, Kuratorin im Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen der Universität Kassel, Steinstraße 19, D-37213 Witzenhausen, E-Mail: mhethke@uni-kassel.de, www.verband-botanischer-gaerten.de

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