Erlebnisorientierung - Nachhaltig(er)leben

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ökopädNEWS
November 2008
Ausgabe Nr. 195

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Titelthema

Erlebnisorientierung - Nachhaltig(er)leben


Wie kann man Erlebnisorientierung in der Bildung für nachhaltige Entwicklung nutzen? Das war der Ausgangspunkt für ein Konzept, Events und Nachhaltigkeit zu verknüpfen. Wichtigstes Beispiel ist die Veranstaltungsreihe "Aalen nachhaltig(er)leben" zum zehnten Jubiläum der Lokalen Agenda 21 in Aalen.

In der Bildung ist Erlebnisorientierung als Erfolgsfaktor längst bekannt. In der westfälischen Stadt Aalen hatte man nun die Idee, Events in die Bildung für Nachhaltigkeit zu holen. Die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) - so die Grundidee - kann nicht durch Fakten und Ermahnungen allein funktionieren, die Bildungsziele können nur durch die Ansprache von "Herz, Hirn und Hand" erreicht werden.

Die Lokale Agenda 21 der Stadt Aalen hat in zehn Jahren in über 60 Projekten und vielen Veranstaltungen die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung umgesetzt. Wie man Veranstaltungen interessant und effizient macht, zeigen etwa die jährlich stattfindenden Energietage mit Vorträgen oder die halbjährlichen Sitzungen des Agendarates, in denen durch ein Impulsreferat zu einem aktuellen Thema neue Interessenten und neue Impulse für die Lokale Agenda gewonnen werden.

Das zehnjährige Bestehen dient nun als Anlass, in einer breit angelegten Veranstaltungsreihe die Ziele und Ergebnisse der nachhaltigen Entwicklung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das gesamte Jahr 2008 steht unter dem Motto "Aalen nachhaltig(er)leben". Die Aktion wurde von der Unesco als Projekt der Weltdekade Bildung für nachhaltige Entwicklung gewürdigt.

Stabile Planung und Zusatznutzen

Erlebniskonzeption bedeutet, dass man den Zuhörer nicht nur durch Fakten, sondern auch durch emotionale Faktoren anspricht. Der Eventerfolg basiert auf zwei Säulen: einer stabilen Planung und einem Zusatznutzen für den Besucher. Zu dem kreativen Anspruch - der Schaffung eines einzigartigen Erlebnisses - kommt also die handwerkliche Basisarbeit des Veranstaltungsmanagements dazu. Auch hier gilt Edisons "Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration".

Dazu kommt noch die Kommunikation des Ereignisses: "Stell dir vor, es gibt ein Event und keiner weiß es" oder noch schlimmer: "...keiner kommt" - das wäre schlichtweg eine Katastrophe. Dies lässt sich allerdings durch genaue Beachtung und Information der Zielgruppe weitgehend vermeiden.

Der Titel "Aalen nachhaltig(er)leben" zeigt die Erlebnisorientierung und den Anspruch der Verbesserung. Die Veranstaltungsreihe wurde von Studenten der Lehrveranstaltung "Qualität und Nachhaltigkeit" im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen erarbeitet und von Agendarat und Agendabüro der Stadt Aalen umgesetzt. Als Format wurden Veranstaltungen mit einer Quartalsgliederung entwickelt. Faltblätter und die Internetseite der Stadt weisen auf das jeweilige Quartalsprogramm hin. Einzelveranstaltungen werden in der Presse und über zielgruppenspezifische Kanäle wie E-Mail-Aktionen, Marktstände oder Plakate angekündigt. Beispiele für die Veranstaltungen sind Exkursionen, Projekttage und Diskussionen.

Viele Teile zu einem Ganzen

Die Lokale Agenda beteiligte sich im Rahmen von "Aalen nachhaltig(er)leben" mit fünf Beiträgen an den Unesco-Aktionstagen zur BNE:

- Diskussionsreihe über Nachhaltigkeit in beruflicher Verantwortung in der Stadtbücherei;

- Waldführungen zur Nachhaltigkeit;

- Aalener Energietour als Informationsfahrt zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz;

- Das "Aalener Jugenddreieck" in Aktion: Nachhaltigkeit - Technik - Sport;

- Umweltfest an einer Schule mit Verleihung des Umweltzertifikats "Grüner Aal".

Jede dieser Veranstaltungen war auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet. Die Veranstaltungsreihe wurde als Gesamtkonzept auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Das ist ein wichtiges Prinzip bei der Kommunikation: Das über ein Jahr gehende Gesamtevent soll als Ganzes wirken, jede einzelne Veranstaltung ist dabei ein Mosaikstein, der auch für sich wirkt.

Nachhaltigkeit, Technik, Sport

Um das Interesse der Jugendlichen für Technik und Nachhaltigkeit zu wecken und sie auch für sportliche Aktivitäten zu begeistern, wurde ein Ansatz entwickelt und umgesetzt, der auf Effekten der Synergie und Erlebnisorientierung beruht. Im sogenannten Aalener Jugenddreieck sollen Jugendliche durch ihr Interesse an Sport, Technik oder Nachhaltigkeit aktiviert und in einem gemeinsamen erlebnisorientierten Programm auch für die jeweils anderen Bereiche gewonnen werden.

Das erste dieser Events fand im Rahmen der Aktionswoche BNE an der Hochschule Aalen statt. In drei Gruppen erlebten 40 SchülerInnen die Faszination von Technik, diskutierten über Nachhaltigkeit und lernten die Grundzüge des Hockeyspiels kennen. Was war nun das Beste? "ALLES war geil". Wie beabsichtigt haben sich die Aktivitäten an der Hochschule und in der Sporthalle zu einem Gesamterlebnis ergänzt.

Nachhaltigkeit lernen in Projekten

Auch in der Lehre wird das Konzept des direkten Erlebens umgesetzt: Durch studentische Projekte mit verschiedenen Partnern werden nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzen vermittelt und Ergebnisse im Sinne der nachhaltigen Entwicklung erreicht. Das Lernen in Projekten wird dabei als Methode eingesetzt, um Studierenden das Thema Nachhaltigkeit nahezubringen, konkrete Verbesserungen zu erreichen und die Öffentlichkeit zu informieren. Das im Modul "Qualität und Nachhaltigkeit" umgesetzte Lehrkonzept wurde als Unesco-Dekadeprojekt ausgezeichnet. Die Evaluierung und weitere Umsetzung dieser "Prepared Project Method" werden durch die baden-württembergische Studienkommission für Hochschuldidaktik gefördert.

Die Einzelprojekte umfassen jeweils eines oder mehrere Semester und befassen sich in Kooperation mit Partnern mit einer Aufgabe, die der Information oder Situationsverbesserung im Bereich der nachhaltigen Entwicklung dient. Der Bildungseffekt wirkt zunächst bei den im Projekt engagierten Teilnehmern und den Partnern. Durch Präsentation und Publikation wird das Thema nachhaltige Entwicklung in den Semestern, an der Hochschule, bei den Partnerorganisationen und in der Öffentlichkeit publik gemacht.

[Ulrich Holzbaur]

Prof. Dr. Ulrich Holzbaur, Hochschule Aalen, Wirtschaftsingenieurwesen, Tel. +49 (0)7361 / 576-2461, E-Mail: ulrich.holzbaur@htw-aalen.de, www.htw-aalen.de/personal/ulrich.holzbaur

Holzbaur, U.: Nachhaltig(keit) lernen in Projekten. In: Studienkommission für Hochschuldidaktik (Hrsg.): Beiträge zum 7. Tag der Lehre, Biberach 2007, S. 91-95

Berichte zu den Projektbeispielen: www.aalen.de, www.htw-aalen.de

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