Bildungsoffensive deutscher Umweltakademien - Umweltbildung sichert Wirtschaftsstandort

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ökopädNEWS
März 2009
Ausgabe Nr. 198

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Titelthema

Bildungsoffensive deutscher Umweltakademien - Umweltbildung sichert Wirtschaftsstandort


Mehr denn je ist ökologisches Denken Grundvoraussetzung für erfolgreiches ökonomisches Handeln. Mit einer breiten Bildungsoffensive in Sachen Klimaschutz, Naturbewahrung und Umweltvorsorge tragen die staatlich getragenen Umweltakademien der Bundesländer dazu bei, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern.

An jedem Arbeitstag finden im Bundesgebiet mindestens fünf Veranstaltungen der Umweltakademien statt, die insbesondere Multiplikatoren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen notwendiges Rüstzeug für Nachhaltigkeit und Umweltvorsorge an die Hand geben. "Mit einer breit angelegten Bildungsoffensive zur Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und zur nachhaltigen Entwicklung starteten die staatlich getragenen Umweltakademien in Deutschland in das neue Jahr", sagt Claus-Peter Hutter, der Vorsitzende des bundesweiten Arbeitskreises der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz (BANU). "Mit über 2.000 Seminaren, Kongressen und speziellen Aktionstagen in allen Teilen Deutschlands sollen noch mehr Menschen für breites Umwelt- und Nachhaltigkeitsengagement gewonnen und Impulse zur Lösung dringender Umweltprobleme wie Klimawandel und Artenschwund gegeben werden."

Wissenserosion wird stärker

Hutter, der hauptamtlich die Umweltakademie des Landes Baden-Württemberg leitet, nannte die zunehmende Wissenserosion in Sachen Natur und Umweltschutz ein immer ernster werdendes gesellschaftliches Problem. Wer keine Tiere und Pflanzen kenne, sei sich über negative Veränderungen in Natur und Landschaft nicht bewusst und verliere Kritikfähigkeit und die Kompetenz, selbstverantwortlich zu handeln. Es sei erschreckend, wie wenig Kinder heute noch über Ernährung, Landschaft und Landwirtschaft und die Natur selbst wissen. "Manche meinen, Orangen würden in England wachsen, Fischstäbchen im Meer schwimmen. Und viele Erwachsene wissen nicht, ob eine Heckenbraunelle ein Vogel oder eine Pflanze ist", so Hutter. Die Umweltakademien wollen deshalb über frühkindliche Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung, Naturerlebnis und breite Umweltaufklärung auf verschiedenen Ebenen neue Akzente setzen.

Bundesweite Naturerlebniswoche

Dazu gehört etwa eine bundesweite Naturerlebniswoche, die dieses Jahres im Zeitraum vom 16. bis 24. Mai stattfindet und bei der an über 1.000 Orten die Faszination der Natur, aber auch deren Verletzlichkeit vermittelt wird. Im Dialog mit Naturschutzzentren, Freilichtmuseen, Heimat- und Wandervereinen, Naturschutzverbänden und Umweltorganisationen, Landfrauen, Fischern, Imkern und vielen anderen Akteuren und Einrichtungen werden vielfältigste Veranstaltungen angeboten. Eine eigene Internetseite informiert über die Angebote in den einzelnen Bundesländern.

Daneben wollen die Umweltakademien noch stärker als bislang zu einem Wissenstransfer zwischen Umwelt-, Ernährungs- und Erziehungswissenschaften sowie der Praxis beitragen. "Was nützen wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn sie in den Schubladen schlummern und Handlungserfordernisse die Menschen nicht erreichen?", kritisierte Hutter die noch in vielen Bereichen fehlende Verzahnung von Kindergärten, verschiedenen Schulbereichen, der Fachhochschulen und Universitäten sowie der außerschulischen Umweltbildung und Nachhaltigkeit.

2.000 Veranstaltungen pro Jahr

Der bundesweite Arbeitskreis BANU ist ein Zusammenschluss von 14 staatlich getragenen Einrichtungen aus fast allen Bundesländern. Mit dabei sind auch die Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm und das Bundesamt für Naturschutz. Die BANU-Akademien sind mit über 2.000 Veranstaltungen im Jahr die Nahtstelle von Wissenschaft und Naturschutzpraxis. Die Themen spannen sich von A wie Amphibienschutz über Klimavorsorge, nachhaltiges Landschaftsmanagement, naturverträglichen Tourismus und regenerative Energien bis Z wie Zertifizierung von Landschaftsführern und Artenschutzexperten. Die Veranstaltungen der Umweltakademien sind bis auf wenige Ausnahmen öffentlich. Informationen können über die Programme der einzelnen Akademien, aber auch aus dem Internet bezogen werden.

Vom Konfliktgegner zum Partner

Die BANU-Akademien setzen auf die Integration von Umweltwissen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Dabei wolle man mehr als bislang aus Konfliktgegnern Konfliktpartner machen, sagt der BANU-Vorsitzende Hutter. In vielen Bereichen des Umweltschutzes werde noch viel zu sehr an Unterschieden statt an Gemeinsamkeiten gearbeitet.

Im Oktober 1996 hatte der BANU "Leitlinien zur Natur- und Umweltbildung für das 21. Jahrhundert" vorgelegt. Damit sollen die Diskussion über Erneuerungsprozesse in der Umweltbildung vorangetrieben, der Stellenwert der Umweltbildung in der Gesellschaft erhöht und eine Grundlage für politische Entscheidungen zu Umweltbildung und nachhaltiger Entwicklung geschaffen werden. Die Leitlinien können im Internet abgerufen werden.

[Jürgen Forkel-Schubert]

www.banu-akademien.de

www.naturerlebniswochenende.de

www.umweltakademie.baden-wuerttemberg.de

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