Bundesweites Kindergartenprojekt. Leuchtpol: Energie und Umwelt neu erleben

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ökopädNEWS
April 2009
Ausgabe Nr. 199

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Titelthema

Bundesweites Kindergartenprojekt. Leuchtpol: Energie und Umwelt neu erleben


Der größte Fachverband für Umweltbildung in Deutschland, die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e. V. (ANU), startet mit "Leuchtpol - Energie und Umwelt neu erleben" das bisher umfangreichste Nachhaltigkeits- und Bildungsprojekt im Elementarbereich in Deutschland.

Strom kommt aus der Steckdose, die Heizung spendet Wärme, das Auto fährt, wenn es aufgetankt ist, und warmes Wasser fließt, wenn der Wasserhahn aufgedreht wird. Kinder sind vertraut mit Energie, Wasser, Licht und Motorkraft. Für sie gehört die Verwendung von Energie zum Alltag. Was allerdings dafür getan werden muss, damit die Wohnung warm und der Flur beleuchtet ist und welche globalen Folgen mit der derzeitigen Energienutzung verbunden sind, bleibt nicht nur Kindern häufig verschlossen.

Neugier und Forschergeist wecken

Dass Energie etwas Besonderes ist, wird uns dann erst bewusst, wenn sie fehlt. Neugier und Forschergeist der Kinder werden geweckt, wenn zum Beispiel das Licht einmal ausfällt - oder die Kita einen Tag den Strom absichtlich abschaltet: als Experiment. Diese Ausnahmesituation fordert die Kinder und lässt sie aktiv werden, herumlaufen, Lichtschalter ausprobieren und gemeinsam überlegen, was man tun kann, um Licht in den Raum zu bringen. Ein weiteres Projekt schickt Kinder als "Energiedetektive" auf den Weg, um kalte und warme Orte und Gegenstände in ihrem Kindergarten zu suchen und diese dann mit farbigen Klebestreifen zu markieren. Was es da alles zu entdecken gibt: Heizkörper, Kochherd, Warmwasser-Aquarium, Kerzen, Teekanne, Wärmflasche, Sonnenplätze am Fenster.

Bedarfe in der Aus- und Weiterbildung von ErzieherInnen

Viele ErzieherInnen sind da bald überfordert. Die große Vielfalt an Aus- und Weiterbildungsgängen trägt nur noch mehr zur Verunsicherung bei. Internationale Bildungsvergleichsstudien wie PISA oder IGLU haben gezeigt, dass Kitas noch viel zu selten als Bildungseinrichtung für Kinder verstanden werden. Ute Stoltenberg, Professorin am Institut für integrative Studien (infis) der Leuphana-Universität Lüneburg, stellte in einer aktuellen Studie fest, dass die Bildungspläne der meisten Bundesländer für den Elementarbereich kaum zufriedenstellende Konzepte einer Bildung für nachhaltige Entwicklung aufweisen. Damit Kinder lernen, komplex zu denken, sind natur- und sozialwissenschaftliche Denkweisen und Methoden bei den ErzieherInnen nötig. Das Ziel darf nicht die bloße Wissensvermittlung sein, sondern der Aufbau einer Persönlichkeit, die sich ermutigt und fähig fühlt, das eigene Leben mitzugestalten, und die über Wissen und Kompetenzen verfügt, dies im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu tun.

Konzepte für die Elementarbildung

Hier setzt das neue Projekt "Leuchtpol" der ANU an. Es zeigt, wie Kinder wichtige Basiskompetenzen erlangen und wie sie einen verantwortungsvollen, sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Nutzung von Energie erlernen. Leuchtpol bietet kostenfreie Fortbildungen an, die der Professionalisierung im Elementarbereich dienen. Bei erfolgreicher Teilnahme erhalten die ErzieherInnen ein Zertifikat. Alle teilnehmenden Einrichtungen bekommen erprobte Materialien und Anregungen für die Praxis sowie Unterstützung durch ExpertInnen bei der Ausgestaltung eines eigenen Konzepts. Bis Ende 2012 sollen sich etwa zehn Prozent aller Tageseinrichtungen für Kinder in Deutschland - etwa 4.000 Einrichtungen insgesamt - an dem Projekt beteiligen. Dadurch werden mehr als 16.000 ErzieherInnen und 320.000 Kinder erreicht. Zugleich sollen Forschung, wissenschaftliche Erkenntnisse und Expertendiskussion über Bildung für nachhaltige Entwicklung im Elementarbereich vorangebracht werden. Bundesländer und private Träger werden aufgefordert, das Konzept in die Bildungspläne und die reguläre Ausbildung von ErzieherInnen zu integrieren.

Die Erfahrungen der ANU fließen in das Projekt ein

Für die Umsetzung dieses bundesweiten Projektes wurde Ende 2008 die "Leuchtpol gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Umweltbildung im Elementarbereich mbH" mit Sitz in Frankfurt am Main gegründet. Alleinige Gesellschafterin ist der ANU Bundesverband e.V. Als Dachverband mit rund 700 Umweltzentren und freien Anbietern kann die ANU auf langjährige Erfahrungen ihrer Mitglieder zurückgreifen. Neben der zentralen Geschäftsführung wird die Gesellschaft ihre Aufgaben in acht bundesweit verteilten Regionalbüros umsetzen. Ein Kuratorium und die wissenschaftliche Begleitung durch Prof. Dr. Ute Stoltenberg sichern das Projekt ab. Leuchtpol versteht sich als Beitrag zur weltweiten UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung von 2005 bis 2014.

Förderung durch die Eon AG

Die Leuchtpol gGmbH wird von der Eon AG im Rahmen ihrer Corporate-Responsibility-Aktivitäten gefördert. In Deutschland ist dieses Projekt von der finanziellen Ausstattung her einzigartig. Allerdings sind Teile der Öffentlichkeit - insbesondere in einigen Umweltverbänden - skeptisch, da der global aufgestellte Konzern aufgrund seiner Position am Markt sowie der Konzernpolitik öffentlich in der Kritik steht. Unter anderem strebt Eon nach einer Laufzeitverlängerung für AKWs und dem Bau neuer Kohlekraftwerke. Die ANU versteht die Zusammenarbeit mit Eon jedoch als ein typisches Vorgehen auf dem Weg einer nachhaltigen Entwicklung: Ungleiche Akteure aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern suchen nach gemeinsamen Vorhaben, die zu Win-win-Situationen führen und Nachhaltigkeit stärken.

Die ANU hat bereits 2007 eine Grundsatzposition zu Sponsoring verabschiedet, die eine hohe Transparenz und Glaubwürdigkeit im Hinblick auf die pädagogische Unabhängigkeit bei der Umsetzung gewährt. Mit Eon wurde ein Marketing- und Werbeverbot in den Kindergärten und bei den Fortbildungen vereinbart. Durch die kontinuierliche und intensive Kommunikation mit Gegnern wie Befürwortern des Projekts wollen die ANU und die Projektgesellschaft zeigen, dass es ein Bewusstsein für Stolpersteine und Grenzen gibt und dass sie die konstruktiv-kritische Begleitung begrüßen. [Jürgen Forkel-Schubert]

Leuchtpol gGmbH, Geschäftsführer Albrecht W. Hoffmann, Frankfurt am Main, Tel +49 (0)69 / 310192-0, E-Mail: a.w.hoffmann@leuchtpol.de, www.leuchtpol.de

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