Tagung

Die Wandeltagung der ANU am 3. und 4. Februar 2017 in Leipzig brachte rund 80 Akteure der Umweltbildung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung mit der bunten Szene der Transformationsinitiativen des Teilens, Tauschens und Selbermachens zusammen. Die Tagung fand im Rahmen des ANU-Projektes  „Vom Handeln zum Wissen – Umweltzentren als Change Agents einer Transformation von unten“ statt.

Einblicke in den aktuellen Stand der Transformationsforschung zeigten Trends auf, die in den kommenden Jahren für die Bildungsarbeit und das transformative Lernen wichtig werden. Ansätze wie z.B. Postwachstum (Degrowth) für eine nachhaltig lebende Gesellschaft wurden vorgestellt und Nachhaltigkeitspotentiale sozialer Innovationen reflektiert.

Die Methode des Design Thinkings wurde beispielhaft auf lokale Nachhaltigkeitsinitiativen wie das gemeinschaftliche Gärtnern angewendet. Die Rolle der neuen Medien, neuer Narrative und des Storytellings für die BNE wurde diskutiert und praktische Ideen für die konkrete Öffentlichkeitsarbeit der Akteure erprobt.

Mit der Durchführung von Carrot Mobs an Schulen oder der Zusammenarbeit von Schülern mit lokalen FabLabs zeigte Möglichkeiten, die Transformationsinitiativen in die formale Bildung einzubinden. Der innere Wandel des einzelnen Menschens und die Reflexion über Werte wurden als eine wichtige Voraussetzung für den Wandel in der Gesellschaft thematisiert.

Die Zielgruppe der Tagung waren BildungsmultiplikatorInnen aus Umweltbildung, BNE und Globalem Lernen, Aktive aus Initiativen des Teilens, Tauschens, Selbermachens, ReferentInnen für Öffentlichkeitsarbeit der Bildungs- und Transformationsakteure sowie junge und junggebliebene Wandelbegeisterte.

Exkursion: Leerstand gemeinsam nutzen – Alternativprojekte im Leipziger Osten

Zum Auftakt der ANU-Wandeltagung wurde eine Exkursion zu Alternativprojekten im Leipziger Osten durchgeführt. Wenige Straßenbahnminuten vom Tagungsort KUBUS entfernt befindet sich der ‚Kiez‘ rund um die Eisenbahnstraße im Stadtteil Volkmarsdorf. Zu Beginn führte Max Frauenlob vom Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. kurz in gegenwärtige Entwicklungen im Stadtteil ein.

Dokumentation

Querbeet - offener Gemeinschaftsgarten im Leipziger Osten

Pögehaus - Kulturzentrum und Wohnprojekt in Leipzig-Neustadt

Vortrag 1: Sozial-ökologischer Wandel braucht mehr als ‚nachhaltige Entwicklung‘

Umrisse einer Postwachstumsökonomie

Nina Treu, Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V., Leipzig

Die Politikwissenschaftlerin Nina Treu skizzierte in ihrer Präsentation zunächst die Probleme des derzeitigen Wirtschaftssystems. Anschließend ging sie auf die Notwendigkeit und Ziele eines neuen Wirtschaftssystems ein, um dann Wege dorthin zu beschreiben. Sie endete mit einem Fazit zu dem benötigten Paradigmenwechsel.

Dokumentation

Sozial-ökologischer Wandel und Postwachstumsökonomie - Vortragspräsentation

Endlich Wachstum - Bildungsmaterialien zur sozial-ökologischen Transformation

Degrowth Mediathek - Medien und Materialien zum Postwachstum

Vortrag 2: Nachhaltigkeitspotenziale sozialer Innovationen

Welches Potenzial haben Initiativen wie z.B. Reparaturwerkstätten, Urbane Gärten oder Foodsharing für eine sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft?

Prof. Dr. Jana Rückert-John, ISInova - Institut für Sozialinnovation e.V., Berlin

In ihrem Vortrag präsentierte Jana Rückert-John Ergebnisse aus ihrer Forschung zu Sozialen Innovationen für nachhaltigen Konsum. Als soziale Innovationen werden gesellschaftliche Modelllösungen bezeichnet, die auf ein vorhandenes gesellschaftliches Problem reagieren. Sie sind damit „soziale Phänomene der strukturellen gesellschaftlichen Veränderung, die sich im evolutionären Wandlungsprozess durchgesetzt haben.“ Entsprechende soziale Innovationen im Bereich nachhaltigen Konsums seien voraussetzungsvoll und machten radikale Veränderungen von Alltagspraktiken notwendig, welche wiederum in Routinen und materielle Kontexte eingebettet seien.

Dokumentation

Do-it-yourself oder do-it-together? Eine Typologie sozialer Innovationen für nachhaltigen Konsum - Fachartikel anstelle der Vortragspräsentation

Soziale Innovationen im Aufwind -  Leitfaden zur Förderung sozialer Innovationen für nachhaltigen Konsum

Zukunftsmusik – gemeinsam geben wir den Ton an!

Was passiert, wenn wir unsere Pläne in Klänge fassen, wenn das, was uns antreibt, mit den entsprechenden Rhythmen unterlegt wird, wenn sich unsere Sehnsucht in Melodien wiederfindet, wenn große Fragen als Schlusston unter der Raumdecke schweben?

Stephan Hänsch, Martin Schmieder, Polyluxus, Dresden/Leipzig

Vortrag 3: Lernen im Kontext der Großen Transformation

Was macht transformatives Lernen aus im Zusammenhang mit Umweltbildung/BNE?

Dr. Mandy Singer-Brodowski, Institut Futur, Freie Universität Berlin

Lernen im Kontext der großen Transformation: BNE und Transformation - Vortragspräsentation

ökopädNEWS der ANU vom März 2016 - Lernen für die sozial-ökologische Transformation

Workshop 1: Design Thinking und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Den Wandel gemeinsam planen und gestalten

Jenny Lay-Kumar, Soziologin und Urban Gardening-Akive, Freiburg

Im Workshop wurde die Methode des Design Thinking mit ihren wesentlichen Aspekten eingeführt und am Beispiel der Entwicklung eines Gemeinschaftsgartens in einer Unterkunft für geflüchtete Menschen verdeutlicht. In einer anschließenden Partnerübung wurde Design Thinking als ‚durch die Decke denken‘ praktisch erprobt.

Dokumentation

Design Thinking in der BNE: Den Wandel von unten durch konkrete Projekte stärken - Workshoppräsentation

Durch die Decke denken: Einblick in die Methode Design Thinking in einer Stunde - Arbeitsunterlagen

Workshop 2: Neue Medien und Narrative für den sozial-ökologischen Wandel

Wie kommunizieren und aktivieren wir für die Transformation? Kommunikationstrends und Gestaltung von Botschaften mit dem Online-Design-Tool "Canva"

Anne Gudurat und Thomas Klein – Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung gGmbH (KMGNE), Berlin

Im Workshop wurden zuerst fünf Punkte beleuchtet, die die Kommunikation mit neuen sozialen Medien allgemein charakterisieren. Anhand dieser Punkte zeigte die Referentin Anne Gudurat auf, welche Möglichkeiten die Nutzung sozialer Medien für die Öffentlichkeitsarbeit gerade von kleinen Organisationen bietet. Und sie machte deutlich, wie die Öffentlichkeitsarbeit über soziale Medien gestaltet sein sollte, damit sie erfolgreich sein kann.

Anhand eines fiktiven Projekts (“Eine Nachbarschaftsinitiative gründet einen Gemeinschaftsgarten und möchte zur Mitarbeit einladen”) wurden anschließend mit allen Teilnehmenden verschiedene Vorschläge erarbeitet, wie dieses Projekt mit Hilfe von sozialen Medien gut beworben werden könnte.

Dokumentation

Neue Medien und Narrative: Trends in der Mediennutzung und Storytelling - Workshoppräsentation

Anleitung zum Medien selbermachen mit dem Online-Design-Tool Canva - Arbeitsunterlagen

Beispiel-Slogans für Wandelinitiativen und Umweltzentren

Animierte GIFs - UmweltpädagogInnen zeigen, was sie zu bieten haben und suchen Dich für gesellschaftlichen Wandel

ANU-Film zur Transformation von unten - Ein junger engagierter Street-Artist und eine erfahrene Umweltpädagogin werfen ihre Talente zusammen .... 

ökopädNEWS der ANU vom Juli 2016 - Transmedia Storytelling: Zukunft in Wort, Bild und Ton gemeinsam erzählen

Workshop 3: SchülerInnen gestalten den sozial-ökologischen Wandel

Umweltbildungseinrichtungen eröffnen SchülerInnen Experimentierräume in Kooperation mit jungen Transformationsinitiativen und bilden LehrerInnen fort.

Michael Schlecht, Umweltlernen in Frankfurt/M. e.V.

Im Workshop wurden Beispiele der Kooperation zwischen Umweltbildungseinrichtungen und Transformationsinitiativen aus Frankfurt am Main präsentiert, bei denen Erfahrungs- und Experimentierräume für Schülerinnen und Schüler geschaffen werden. Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmenden Kriterien für eine entsprechende Kooperation.

Dokumentation

Kooperationen für den Wandel - Workshoppräsentation

ANU-Wandelgeschichte von Umweltlernen in Frankfurt: Kooperatiopnen mit SchülerInnen,Technikfreaks und Gartenfreunden

Nachhaltigkeit lernen in Frankfurt - Webportal

 

Workshop 4: Werte im Wandel

Was Werte und Deutungsrahmen mit der sozial-ökologischen Transformation zu tun haben.

Anne Wiebelitz, freie Trainerin für Kommunikation und Konflikttransformation

Der Workshop stellte die Frage nach der Rolle von Werten in Transformationsprozessen in den Mittelpunkt. Werte und Deutungsrahmen beeinflussen unser Denken und Handeln meist unbewusst. Wenn wir mit Bildungsarbeit Menschen aktivieren möchten zu einer sozial-ökologischen Transformation beizutragen, dann, so die These, ist es sinnvoll, sich bewusst mit Werten zu beschäftigen.

Dokumentation

Die Gemeinsame Sache: Handbuch und Website zu Werten und Deutungsrahmen

Nachhaltigkeit aus erster Hand - Lernlandkarte

 

Markt der Möglichkeiten

Auf einem bunten Marktplatz im Veranstaltungszentrum KUBUS des Leipziger Helmholtz-Umweltforschungszentrums präsentierten sich 15 Wandelinitiativen und Umweltbildungseinrichtungen mit ihren vielfältigen Angeboten und Vernetzungen.

Link-Liste der Marktteilnehmenden

Zum Abschluss: Mut machen und Handeln für den Wandel

Zum Abschluss wurden die Teilnehmenden eingeladen Mutmacher und Impulse dazu auszutauschen, wie sie selbst einen sozial-ökologischen Wandel ausprobieren und bereichern können – wie sie ihren Handabdruck in der Welt vergrößern können.

Ein paar Beispiele aus vielen unterschiedlichen und motivierenden Anregungen:

•    Schau dich doch mal in deiner Nachbarschaft um, im Kleinen steckt der Große Wandel

•    Wirf keine Batterien in den Biomüll

•    Schätze kleine Schritte, denn auch ein großer Weg besteht aus kleinen Stücken

•    Teile mit Nachbarn: Gemüse, Werkzeug etc.

•    Schreibe Dir eine „Not-To-Do Liste“ für nachhaltigeres Leben und Zeitwohlstand

•    Verknüpft Schulen und Gemeinschaftsgärten

•    Bleib‘ deiner Vision treu, sei ein Vorbild für andere

•    Erprobe ein Lastenrad als Alternative zum Auto

•    Entwickelt und verbreitet Visionen

•    Unkonventionelle Wege sind möglich

•    Habt Freude bei dem, was ihr tut!

•    Hab‘ den Mut zu Visionen und dazu, diese umzusetzen!

Tagungsprogramm