Online-Umfrage

Online-Umfrage unter Umweltzentren: Auswertung

Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU) führte von September bis November 2015 eine bundesweite Online-Umfrage unter Mitarbeitenden in Umweltzentren und anderen Umweltbildungseinrichtungen durch. Die Umfrage richtete sich auch an freie Honorarkräfte in Umweltzentren und an freiberuflich tätige und selbständige UmweltpädagogInnen. 111 Personen haben den Fragebogen durchgehend bearbeitet.

Die Umfrage lieferte wichtige Erkenntnisse für die weiteren Projektmaßnahmen. So wurden von Umweltzentren, die gemeinsam mit Transformationsinitiativen Aktionen wie z.B. Reparatur-Cafés oder Urban Gardening anbieten Wandelgeschichten erzählt.- Unter Transformationsinitiativen fasst die ANU im Projekt junge Graswurzelinitiativen des Teilens, Tauschens und Selbermachens zusammen, die lokal den sozial-ökologischen Wandel anstossen. Die Umfrageteilnehmenden formulierten Bedarfe und lieferten Ideen für eine bundesweite Projekttagung und die Ergebnisse fließen in die Gestaltung des bundesweiten Foto-Wettbewerbs im Projekt ein.

Für die bundesweite Ausrichtung des Projektes war es wichtig, dass wir Antworten aus allen 16 Bundesländern erhalten haben, die meisten aus Hessen (14), Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (je 12). Die Mehrheit der Antworten kam aus Städten über 20.000 Einwohner. 39 Personen gaben an, für eine Umweltbildungseinrichtung zu antworten, 21 antworteten als Selbständige.

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Teilnehmenden liegen überwiegend bei Naturerleben, Wildnis, Stadtnatur sowie bei Biologischer Vielfalt und Naturschutz. Die meisten gaben als Zielgruppen Schulklassen, Kinder und Jugendliche an.

Aus dem Pool von Transformationsaktivitäten, die in der Umfrage genannt wurden, waren die bekanntesten Kleidertauschbörsen, Reparaturwerkstätten, gefolgt von Permakultur und urbanen Gemeinschaftsgärten. Bei Angeboten, die Umweltzentren selbst anbieten, dominieren Bücherschränke, Gemeinschaftsgärten und Konsumkritischer Stadtrundgang, gefolgt von Kleidertauschbörse und Permakultur. Bei den Kooperationen mit Transformationsinitiativen liegen Gemeinschaftsgärten und Transition Town Gruppen vorn, gefolgt von Solidarischer Landwirtschaft und Reparaturwerkstätten.

Graphik 1: Zum Einstieg wurde gefragt, welche Initiativen bzw. Begriffe aus dem Bereich Transformation be-kannt oder unbekannt sind, welche die Umweltzentren selbst oder in Kooperationen anbieten und ob sie im Rahmen des ANU-Projektes als Beispiel guter Praxis vorgestellt werden möchten.

 

Impulse und Motivation für diese Aktivitäten waren z.B. Projekte und Themen aus Lokaler Agenda 21 und BNE-Dekade (Lebensstil), niedrigschwelliger Einstieg (Büchertausch), motivierte Mitarbeiter mit innovativen Ideen, Vorbilder in anderen Städten, Kooperationen, z.B. mit einem Modeladen oder der Stadtbibliothek, Schaffen von Gemeinschaft, Überzeugung und Gelegenheit, Wandel durch Tun und unkomplizierte Bewegungen, von jungen Menschen für junge Menschen (FÖJler).

Graphik 2: Wenn Sie mit externen Transformationsinitiativen kooperieren, möchten wie gerne wis¬sen, wie Ihre Zusammenarbeit aussieht. Bietet Ihre Einrichtung den Initiativen folgende Angebote an?

 

Das meistgenannte Hindernis für die Umsetzung eigener Transformationsaktivitäten ist Personalmangel, gefolgt von der Unvereinbarkeit mit dem Leitbild oder dem Jahresprogramm. Für die Kooperationen mit Initiativen wurden als Hindernisse ebenso Personalengpässe, Zeit- und Finanzmängel sowie hohe Erwartungen und unterschiedliche Ansprüche der Kooperationspartner genannt. Ein Großteil sieht allerdings keine oder nur geringe Konkurrenz in den Initiativen.

Unterstützungsbedarf wurde besonders in den Bereichen Austausch, Vernetzung, Angebote zum Kennenlernen und Beispiele guter Praxis angemeldet. Die beste Hilfe bei Transformationsaktivitäten wird in Kooperationspartnern und mehr lokaler Vernetzung gesehen. Damit korrespondierend liegt das häufigste Angebot der Zusammenarbeit mit den Initiativen in der gemeinsamen Organisation und Durchführung von Veranstaltungen sowie der Vernetzung auf lokaler Ebene. Die größten Vorteile der Zusammenarbeit werden in einer erhöhten Wirksamkeit für nachhaltige Entwicklung und in einer Aktivierung für nachhaltige Entwicklung über die Bewusstseinsbildung hinaus gesehen.

 

Graphik 3: Welche Vorteile sehen Sie in der Zusammenarbeit mit den Transformationsinitiativen?

 

Für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzen die Umweltbildungseinrichtungen überwiegend die klassischen digitalen Medien wie die eigene Website und E-Mail-Verteiler, gefolgt von Facebook. Auch Videos und Filme erzielen noch einen nennenswerten Anteil. Bei den Medien, die zur Organisation von Veranstaltungen genutzt werden, liegt eindeutig der E-Mail-Verteiler vorn.

Die Ansprache junger Menschen erfolgt – korrespondierend zu den Hauptzielgruppen – durch schulische Arbeitsgruppen, Führungen und Vorträgen an Schulen. Zudem geben FÖJlerInnen oder PraktikantInnen Impulse, z.B. bei der Erstellung von Facebook-Auftritten und weiteren Aktionen. Weitere Nennungen waren Newsletter, Ferienangebote und Jugend-VHS. Es wurde auch beobachtet, dass sich Transformationsinitiativen Unterstützung hinsichtlich der Ansprache junger Menschen wünschen. Der größte Bedarf an Medien zur Ansprache junger Menschen wird in Bildern, Videos und Kurzbotschaften gesehen.

Die Wirksamkeit der Transformationsaktivitäten hinsichtlich nachhaltiger Entwicklung wurde in bezug auf Bewusstseinsbildung und Erwerb neuen Wissens und auf Ressourcenschutz abgefragt. Die Aktivitäten unterstützten die Bewusstseinsbildung z.B. durch unmittelbare Erlebbarkeit und persönlichen Nutzen, Learning by doing, Sichtbarmachen von Handlungsalternativen, Wissensvermittlung in einem gemeinschaftlichen Umfeld, wertschätzende Kommunikation, als Gegenantwort auf die konsumorientierte Wirtschaftsform. Kritisch wurde z.B. angemerkt, dass Langfristigkeit der Initiativen sinnvoller wäre als Aktionismus oder dass Teilnehmende nicht immer die theoretischen und sozialen Hintergründe der Transformationsinitiativen erkennen.

Bezüglich des Ressourcenschutzes wurden z.B. die Reparaturwerkstätten als besonders effektiv hervorgehoben. Andere halten die Graswurzelbewegung für zu wenig wirksam, weil sie (noch) zu klein ist und nur symbolisches Handeln zeigt, wirkliche langanhaltende Änderungen im Konsumverhalten aber noch nicht spürbar sind.

In Bezug auf ihre eigene Arbeit bewerten die Umweltbildungseinrichtungen die Transformationsinitiativen aber überwiegend positiv, denn sie geben neue Impulse, die gut für die Weiterentwicklung der Umweltbildung und BNE sind.

 

Graphik 4: Wie bewerten Sie die Transformationsbewegung in Bezug auf Ihre Arbeit?

 

Die Langfassung der Umfrage (33 Seiten mit allen Graphiken) kann bei Interesse angefordert werden bei:

Angelika Schichtel, E-Mail: schichtel@anu.de, Tel. 069 / 716 733 29 -31

www.umweltbildung.de/transformation