Ressourcentag - gemeinsam aktiv in Asylunterkünften

Mehr als 4.000 junge Geflüchtete von der ANU innerhalb von acht Wochen zu den Ressourcen Wasser, Energie und Abfall geschult

 

Sparsam mit Wasser und Energie umzugehen und Abfälle richtig zu trennen – warum das wichtig ist und wie das geht, wurde jungen Geflüchteten im Projekt „Ressourcentag“ vermittelt.

Im November und Dezember 2016 führte die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. (ANU) in einem bundesweiten Modellprojekt praxisnahe „Ressourcen­tage“ vor Ort in Asylunterkünften durch. Das Projekt traf auf gute Resonanz bei den Trägern der Unterkünfte, sodass das Ziel von bundesweit 160 Ressourcentagen sogar übertroffen wurde.

Fast die Hälfte der in Deutschland asylsuchenden Menschen ist zwischen 18 und 30 Jahren alt. Diese jungen Menschen haben ein besonders hohes Interesse, sich in Gesellschaft, Schule und Arbeitsmarkt zu integrieren. Bildung und schnelle Teilhabe der neu Zugewanderten sind dabei die Voraussetzung für eine gerechte, nachhaltige und friedvolle Gesellschaft.

Bei den Ressourcentagen lernten je 20-25 junge asylsuchende Menschen mit Bleibeperspektive den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser, Energie und Abfall kennen. Im Modellprojekt der ANU wurde den Geflüchteten in eintägigen Schulungen Hintergrundwissen zum Thema vermittelt und eine Orientierungshilfe für den Alltag gegeben.

Die TeilnehmerInnen des Ressourcentag in Burscheid mit Ihren Zertifikaten
Foto: Frauke Kess

Der Umgang mit Abfällen ist beispielsweise sehr unterschiedlich: Die Gewohnheiten, Müll zu entsorgen, reichen weltweit von einfach auf die Straße werfen, wilden Müllkippen bis hin zum akkuraten Ausspülen leerer Joghurtbecher. Diese prallen in den Unterkünften natürlich alle aufeinander.

Die Teilnehmenden lernten in praxisbetonten Übungen, beispielsweise anhand einer „Müll-Sortier-Rallye“, nützliches Alltagswissen als Basis für ressourcenschonendes Verhalten. Die Integrationsbeauftragte der Gemeinde Odenthal, Claudia Kruse, war von den Inhalten begeistert und konnte nach den Veranstaltungen bereits „besonders beim Thema Mülltrennung eine Verbesserung feststellen“.

Neben den Themen Abfall und Wasser geht es bei den Schulungen auch um den Umgang mit Energie. „In einigen Flüchtlingsunterkünften kann man sehen, dass die Fenster auf Kipp stehen und die Heizung den ganzen Tag auf Stufe fünf läuft “, berichteten die TrainerInnen. Deshalb wurde in den Schulungen praxisnahes Wissen, wie beispielsweise der Unterschied zwischen Dauer- und Stoßlüften, vermittelt. Beim Messen des Stromverbrauchs verschiedener Haushaltsgeräte lernten die Teilnehmenden, dass sich ressourcenschonendes Verhalten auch auf ihren Geldbeutel auswirkt, spätestens wenn sie eine eigene Wohnung beziehen.

Gemeinsame Verantwortung

Mohammad überprüft den Stromverbrauch verschiedener Elektrogeräte beim Ressourcentag. Foto: Juliane Hacker

Die auf Integration zielenden Schulungen unterstützten die Teilnehmenden dabei, neben konkreten Praxis-Empfehlungen die Umweltziele und Werte unserer Gesellschaft kennen­zulernen. Denn manchen Geflüchteten ist beim Ankommen nicht bewusst, dass der Schutz von Ressourcen in Deutschland einen hohen Stellenwert einnimmt  - erscheint es doch auf den ersten Blick als Land des Überflusses, in dem Sparen nicht notwendig ist. In Deutschland ist aber das Wissen darüber, dass Ressourcen endlich sind, weit verbreitet. Dazu gehört auch das Bewusstsein, mit unserer Lebensweise für Umweltprobleme in ärmeren Ländern verantwortlich zu sein. Im Umwelt- und Klimaschutz sehen die meisten Menschen daher dauerhaft wichtige Aufgaben. Geflüchtete erfuhren somit vom ANU Bundesverband e.V. nicht nur Tipps zum Energiesparen, sondern setzten sich auch mit der Verantwortung jedes Menschen für einen ressourcensparenden Lebensstil im Rahmen der eigenen Möglichkeiten auseinander.

Die Rückmeldungen der  TrainerInnen beschreiben die Ressourcentage als erfolgreiche und notwendige Veranstaltungen, bei denen auch der Aspekt der interkulturellen Begegnung eine wichtige Rolle spielte. „Es war schön zu sehen, wie die Menschen verschiedener Herkunft miteinander diskutierten und wie ein Wir-Gefühl entstand, wenn wir die globale Perspektive einbrachten, dass der Klimawandel alle Menschen betrifft. Dabei hat auch das vermittelte Alltagswissen einen ganz hohen Wert. Die Menschen haben häufig berichtet, dass sie manches noch gar nicht wussten und froh sind, den Tag mitgemacht zu haben“, erzählte Trainerin Sabine Heggemann aus Lüneburg nach der Schulung.

Vom Erfolg bestärkt

In Bad Kreuznach ist Georg Berg, vom Caritasverband Rhein-Hunsrück-Nahe e.V. überzeugt vom Ressourcentag und beschreibt dieses Angebot als sehr wertvoll: „Es sollte aus unserer Sicht als fester, immer wiederkehrender Punkt in die Integrationsarbeit aufgenommen werden.“ Dafür spricht auch, dass die Schulungen von den Unterkünften so stark angefragt wurden, dass nicht alle Anfragen bedient werden konnten.

Wer führte das Projekt Ressourcentage durch?

Projektträger ist die ANU – Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. mit den Projektpartnern und Initiatoren Energieagentur Unterfranken e.V., Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern e.V. und dem Ausländeramt des Landkreises Fürstenfeldbruck. Die Trainerinnen und Trainer wurden in drei Veranstaltungen in Hannover, Fürstenfeldbruck und Leverkusen durch Projekt- und Regionalpartner der ANU, die bereits zahlreiche Maß­nahmen im Bereich Ressourcenschutz in Asylunterkünften erfolgreich durchgeführt haben, geschult. Durch die Förderung des Bundesministeriums des Inneren in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge waren die Veranstaltungen für Unterkünfte und Geflüchtete kostenlos. Die Schulungen wurden von einem Trainerteam aus drei qualifizierten Personen aus dem Bereich Umweltbildung und Soziale Arbeit durchgeführt.  

Weitere Beispiele zur Umweltbildung mit Geflüchteten der ANU finden Sie hier.

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