ANU-Bundestagung 2009

ANU Bundestagung 24.-26.11.2009 in Hamburg

Fotos: Anke Sönnichsen

Kostet unser Geld die Welt? - Geld als Jahresthema der UN-Dekade 2010

Gut 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am 24.11. ins Bürgerhaus Wilhelmsburg, um die Zusammenhänge von Finanzkrise und nachhaltiger Entwicklung zu diskutieren und Ideen und Anregungen zu sammeln, wie Akteure aus Umweltbildung und BNE im Jahr 2010 das  Jahresthema Geld aufgreifen und bearbeiten können.

Veranstalter waren die ANU-Hamburg und der ANU Bundesverband in Zusammenarbeit mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg.

Tagungsprogramm als Download

Fachvorträge und Diskussionen am 24.11.09

Zum Auftakt der Tagung stellte Uwe Möller - bis 2007 Generalsekretär des Club of Rome - in einer engagierten Rede klar, dass die Grenzen des Wachstums in unserer industrialisierten Welt längst überschritten sind.

Dr. Uta von Winterfeld - Mitautorin der Studie "Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt" - forderte den Umstieg von der "Sorglos"-Ökonomie hin zu einer Vorsorgenden Wirtschaftsweise.

Nach diesem kritischen Blick auf die Geldwirtschaft konnten Frank Wettlauffer von der Bank Sarasin und Iris Traud von der GLS-Bank darstellen, welche Anstrengungen ihre Finanzinstitute unternehmen, um das ihnen anvertraute Geld im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung einzusetzen.

Silke Riedel von der imug-Beratungsgesellschaft für sozial-ökologische Innovationen wies darauf hin, dass immer mehr Unternehmen Wert darauf legen, bei Nachhaltigkeits-Ratings eine positive Bewertung zu erhalten, um z.B. in "Grünen Fonds" aufgenommen zu werden.

Eine ganz andere Art der Einflussnahme versucht der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, wie Bernd Moritz an einigen Beispielen erläuterte. Kleinaktionäre können ihre Stimmen auf den Verband übertragen, um so bei Aktionärsversammlungen der "echten Global Player" mit ihren Forderungen gehört zu werden.

 

Arbeitsgruppen am 25.11.09

Der zweite Tagungstag stand ganz im Zeichen der Praxisbeispiele. In Arbeitsgruppen fand ein intensiver Austausch statt über eine breite Palette von "Geld-Themen".

AG1: Theo Bühler vom Wissenschaftsladen Bonn und Ralf Hufnagel von der Ökostation Freiburg stellten an konkreten Beispielen vor, wie Umweltzentren und BNE-Projekte sich neue Finanzierungsquellen erschließen können: mit der Gründung von Bürgerstiftungen, Stiftungen und Stiftungsfonds.

AG2: Doris Rüpke vom Hamburger Projektteam Nachhaltige Geldanlagen erarbeitete mit den TeilnehmerInnen das 1mal1 nachhaltiger Geldanlagen: Welche ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien sind uns als Anleger wichtig, wie können wir Transparenz herstellen und Einfluss nehmen.

AG3: Geld und Gerechtigkeit standen im Mittelpunkt dieser Arbeitsgruppe. Christa Prüßner vom Förderkreis Oikocredit Norddeutschland stellte den Lernkoffer Geld vor, diskutierte und erprobte mit den TeilnehmerInnen die Materialien und ihren methodischen Einsatz.

AG4: Dr. Ines Lüdemann zeigte am Beispiel des Gemeinschaftsprojektes Ökodorf Siebenlinden, was unter lokaler solidarischer Ökonomie zu verstehen ist. In einem Spiel konnten die TeilnehmerInnen den eigenen Umgang und den inneren Bezug zu Geld erforschen und hinterfragen.

AG5: Mit den wahren Kosten der Mobilität befasste sich die Arbeitsgruppe von Thilo Becker von der TU Dresden. Erste methodische Ansätze, den eindeutigen Kostenvorteil einer nachhaltigen Mobilität Schülern zu vermitteln, lieferte Dr. Andreas Huber von der  HVV Schulberatung.

Ausblick auf das Dekadejahr am 26.11.09

Am 26.11. stellte Katja Korff die Arbeit der Deutschen UNESCO-Kommission vor und ermunterte die TeilnehmerInnen, ihre Projekte als Dekade-Projekte anerkennen zu lassen.

Marion Löwenfeld von der ANU-Bayern gab mit der Kampagne WertvollerLeben ein sehr ambitioniertes Beispiel, wie ein ANU-Landesverband gemeinsam mit verschiedenen Partnern eine Dekade-Thema mit Leben füllen kann. Im Vorfeld der Kampagne wurde eine Recherche zum Thema Geld durchgeführt, die eine gute Übersicht über bereits vorhandene Projekte, Materialien, Literatur und Links liefert.

Noch konkreter wurde es bei der Vorstellung des Projektes  "Naturschutz mit Messer und Gabel". Peter Becker und Susanne Stahlschmidt zeigten auf, wie durch die Ernte, die Verarbeitung und den Produkt-Verkauf von Neophyten Naturschutzprojekte finanziert werden können. Kulinarische Kostproben in Form von Knöterich-Relish oder Mahonien-Gelee konnten die TagungsteilnehmerInnen in der Pause testen.

Zum Abschluss der Bundestagung wurde zu einer einstündigen Open-Space-Konferenz eingeladen, die dazu diente, sich in Interessengruppen über die vielfältigen Informationen der Tagung auszutauschen und persönliche Interessen einzelner Tagungsteilnehmer zusammenzuführen, weiterzuentwickeln und sich ggf. für einen weiteren Austausch oder eine Zusammenarbeit zu verabreden.

Am Rande der Tagung bestand die Möglichkeit, sich bei einer informellen Tauschbörse über den wahren Wert der Dinge Gedanken zu machen oder sich am Infostand der Initiative  Hamburg mal fair über die Förderung fair gehandelter Produkte in der Hansestadt Hamburg zu informieren.

Gefördert wurde die Tagung durch die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE), die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt der Freien und Hansestadt Hamburg sowie die Landeszentrale für politische Bildung.