Leuchtpol - BNE im Kindergarten

Leuchtpol - Energie und Umwelt neu erleben

Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel Energie und Umwelt im Kindergarten.
Projektzeitraum: 2008-2012
Durchführung: Leuchtpol gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Umweltbildung im Elementarbereich mbH (Tochtergesellschaft der ANU)
Wissenschaftliche Begleitung, Beratung und Evaluation: Institut infis der Leuphana Universität Lüneburg unter Leitung von Prof. Dr. Ute Stoltenberg. Finanzielle Förderung: E.ON AG
Informationen zur Kooperation und Projektentstehung
Zur Homepage www.leuchtpol.de

 

Informationen zur Projektentstehung

Der ANU-Bundesvorstand hat im Oktober 2008 einen Sponsoringvertrag für die Durchführung eines bundesweiten Fortbildungsprojektes für 4.000 ErzieherInnen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in Kindergärten mit dem Schwerpunkt Energie und Umwelt abgeschlossen. Das Projekt trägt den Namen Leuchtpol und wurde durch die gemeinnützige Tochtergesellschaft Leuchtpol gGmbH mit Sitz in Frankfurt am Main umgesetzt. Von September 2009 bis Dezember 2012 war  Leuchtpol bundesweit aktiv, acht Regionalbüros führten die Fortbildungen vor Ort durch. Das Projekt wurde durch die E.ON AG finanziert. 

 

 

 


20.10.08: Häufig gestellte Fragen zum Projekt

Welche Ziele verfolgt das Projekt und mit welchen Inhalten beschäftigt es sich?

Leuchtpol ist ein Bildungsprojekt für ErzieherInnen und pädagogische Fachkräfte im Elementarbereich. Ziel ist es, wesentliche Inhalte, Methoden und Arbeitsweisen der Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel von Energie und Umwelt in den Kindergärten zu verankern.

Wichtigstes Ziel des Projektes ist es, bis Ende 2012 bundesweit 4.000 ErzieherInnen aus etwa 10 Prozent aller Kindertageseinrichtungen in Deutschland zu qualifizieren, Kinder im Vorschulalter spielerisch und durch eigenes Erleben für den verantwortungsvollen und sparsamen Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen zu sensibilisieren. Dafür werden die ErzieherInnen teilnehmender Kindertagesstätten fortgebildet und beraten. Für die praktische Umsetzung in ihren Einrichtungen erhalten sie Materialien für die Bildungsarbeit mit den Kindern.

 

Wer hat das Projekt initiiert und wie wird das Projekt finanziert?

Die Idee für Leuchtpol resultiert aus Projekten zur frühkindlichen Umweltbildung des Fördervereins NaturGut Ophoven e. V.. Dort haben PädagogInnen und WissenschaftlerInnen in einem zweijährigen Modellprojekt neue Erkenntnisse in der frühkindlichen Energie- und Umweltbildung in Kindergärten gewonnen und in der Praxis getestet. 

Der Dachverband der Umweltbildungseinrichtungen in Deutschland, die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bundesverband e. V. (ANU) vernetzt alle wichtigen AkteurInnen und ExpertInnen der außerschulischen Natur- und Umweltbildung. Ziel des ANU-Bundesverbandes ist es, mit dem Projekt die Kenntnisse aus der Arbeit des NaturGut Ophoven und weiterer ANU-Einrichtungen mit Expertise im frühkindlichen Bereich bundesweit nutzbar zu machen und weiterzuentwickeln. Hierzu hat der Verband eine gemeinnützige Projektgesellschaft gegründet, die das Projekt Leuchtpol umsetzt.

Die E.ON AG ist Sponsor des Projektes. Im Rahmen der unternehmerischen Verantwortung (CR) setzt E.ON einen Schwerpunkt auf die Förderung von Bildung und fördert das Projekt Leuchtpol finanziell.

Wie ist der pädagogische Ansatz einzuordnen und wie wird die pädagogische Qualität gesichert?

Bei den Bemühungen in Deutschland Bildung für nachhaltige Entwicklung  in allen Bildungsbereichen zu verankern, spielte die frühkindliche Bildung bisher eine vergleichsweise geringe Rolle. Die erfolgreichen regionalen Modellprojekte im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit bieten jedoch wichtige Erfahrungen, die sich mit den weiteren aktuellen Erfordernissen im frühkindlichen Bereich synergetisch verbinden lassen. Daran wollen wir in unserem Projekt anknüpfen.

Das Projekt Leuchtpol verbindet den Ansatz der Bildung für nachhaltige Entwicklung mit dem pädagogischen Prinzip des forschenden Lernens sowie aktuellen Entwicklungen im Elementarbereich.

Das Institut infis der Leuphana Universität Lüneburg wird das Projekt kontinuierlich wissenschaftlich begleiten und evaluieren.

 

Welche Rollen haben ANU, die Projektgesellschaft und E.ON?

Entwickelt und durchgeführt wird Leuchtpol von der Projektgesellschaft der ANU und ihren acht Regionalstellen. E.ON unterstützt die Arbeit der BildungsexpertInnen finanziell, nimmt aber keinen Einfluss auf die inhaltliche Ausgestaltung des Projektes.

Folgende Grundsätze wurden u.a. vertraglich geregelt:

·         Pädagogische Unabhängigkeit: Die Entscheidungskompetenz über das konkrete Projekt, insbesondere die Verantwortung für das pädagogische Konzept, seine Entwicklung und deren Umsetzung oder die Auswahl von Personal oder Regionalstellen, liegen ausschließlich bei der Projektgesellschaft. E.ON nimmt keinerlei unmittelbaren oder mittelbaren Einfluss auf die Konzepte und die Umsetzung der Maßnahmen und wird die Umsetzungsverantwortung der Projektgesellschaft für das Projekt stets aktiv kommunizieren.

·         Werbe- und Marketingverbot: Jede Form der Werbung oder des Marketings – auch im Sinne einer Logoverwendung - direkt oder im Zusammenhang mit dem Projekt bei den Fortbildungen oder in den Kindergärten wird von E.ON ausgeschlossen. Zudem wird E.ON im Zusammenhang mit dem Projekt Leuchtpol von massenmedial verbreiteter Kommunikation, wie insbesondere Anzeigen, Hörfunk- bzw. TV-Spots absehen. 

·         Wahrung der politischen Unabhängigkeit: Die Unabhängigkeit von ANU und E.ON in ihren politischen Grundaussagen außerhalb des Projekts bleibt gewahrt, d.h. auch kritische Meinungsäußerungen des ANU Bundesverbandes gegenüber E.ON bleiben durch die zu dem Projekt getroffenen Vereinbarungen unbenommen.

 


21.4.08: Richtigstellung der ANU zu einem in der Planungsphase veröffentlichten SPIEGEL-Artikel

 

Im SPIEGEL wurde im Beitrag „Kinder unter Hochspannung“ über das Projekt berichtet. Leider wurden dabei viele Fakten und Zusammenhänge verdreht. Richtig ist: Zusammen mit dem NaturGut Ophoven e.V. und der E.ON AG verhandelt der ANU-Bundesverband aktuell über Möglichkeiten, die Bildung für nachhaltige Entwicklung am Beispiel Energie- und Umweltbildung auch in Kindergärten zu verwirklichen. Dazu wird aktuell ein pädagogisches Konzept entwickelt. Zentrales Element im Projekt ist ein Weiterbildungsprogramm für ErzieherInnen. Ziel ist, die ErzieherInnen bei einer kindgerechten Förderung eines bewussten und nachhaltigen Umgangs mit Energie und natürlichen Ressourcen zu unterstützen. E.ON will das Projekt finanziell fördern und wird keinen Einfluss auf das pädagogische Konzept oder die Umsetzung in den Kindergärten haben. Vereinbart ist auch ein Werbeverbot von E.ON in den Kindergärten.

 
Transparenz und Dialog oberstes Gebot

Die Projektpartner Förderverein NaturGut Ophoven e.V., Arbeitsgemeinschaft Na-tur- und Umweltbildung Bundesverband e.V. und die E.ON AG haben die Projektidee und die Bedingungen der Partnerschaft frühzeitig und sehr offen mit vielen Organisationen, Verbänden und Personen diskutiert. Der vereinbarte Grundsatz der Transparenz erklärt auch, dass dem Spiegel zahlreiche Details vorliegen. Wir freuen uns, dass sich der Spiegel für dieses Projekt interessiert. Mit dem Projekt betreten ANU, NaturGut Ophoven und E.ON Neuland. Es ist daher wichtig, dass die Öffentlichkeit daran kritisch Anteil nimmt. Allerdings wird in dem Beitrag Vieles aus dem Zusammenhang gerissen oder sogar falsch dargestellt. Nachfolgend möchten wir dies im Sinne einer faktenorientierten Information klarstellend kommentieren. Wir laden dabei alle ANU Mitglieder, aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, uns Fragen zu diesem Projekt stellen: Diese können Sie an bundesverband@anu.de richten. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen.

Die Rolle der Projektpartner:

Der SPIEGEL schreibt: „Das neueste Projekt von Depluets [E.ONs] CSR-Kosmetikern setzt dagegen erstmals auf breiter Front in den Kindergärten an. Es wurde gemeinsam mit der ANU entwickelt“.

Unsere Anmerkung: Das pädagogische Konzept wird aktuell von Seiten des NaturGuts Ophoven e.V und der ANU entwickelt. Es beruht auf Erfahrungen aus einem Modellprojekt des NaturGuts Ophoven, das von Umweltpädagogen entwickelt und von einer Universität evaluiert worden ist. E.ON nimmt keinerlei Einfluss auf das pädagogische Konzept, sondern fördert das Projektes finanziell. Über diese klare Rollentrennung besteht Einigkeit zwischen allen drei Projektpartnern.

Das Projektziel

Der SPIEGEL schreibt: „Themen wie Umwelt und Energieversorgung müssten ‚frühzeitig implementiert’ werden, so Depluet.“

Unsere Anmerkung: Das Projekt ist ein Energie- und Umweltbildungsprogramm im Bereich der Elementarbildung mit der Zielgruppe ErzieherInnen. Diese können sich kostenlos in einer umfangreichen und intensiven Weiterbildung, durch Beratung und durch Materialien mit dem Konzept einer Bildung für nachhaltige Entwicklung vertraut machen. Die Ziel des zugrundeliegenden pädagogischen Konzepts ist die Stärkung grundlegender kindlicher Kompetenzen, dazu gehört auch ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen. Bei Experimenten mit Sonnenenergie, beim gemeinsamen Philosophieren über die Kraft des Windes oder im kreativen Ideenaustausch beim „Tag ohne Strom“ finden die Kinder sowohl einen Zugang zu Naturphänomenen als auch ein erstes Verständnis von Verantwortung im Umgang mit Energie und Umwelt.

Der SPIEGEL schreibt: „4.000 Kindergärten will E.ON bis 2011 erreichen.“ (…) 4.000 Erzieherinnen müssten geschult werden. Bücher und Broschüren sind geplant und eine eigene Homepage. Von Direktmailings an Kindergärten ist die Rede und von Geschenken wie Dynamo-Taschenlampen.“

Unsere Anmerkung: Damit wird der Eindruck erweckt, die E.ON wolle – mit Unterstützung der ANU – selbst Schulungen in den Kindergärten durchführen oder sich in den Kindergärten präsentieren. Das ist absolut falsch! Für das pädagogische Konzept und die Umsetzung sind allein NaturGut Ophoven und die ANU (in Kooperation mit weiteren regionalen Bildungseinrichtungen) verantwortlich. Das Projekt basiert auf klarer Abgrenzung der Verantwortlichkeiten zwischen den Partnern und orientiert sich an den Prinzipien „pädagogische Unabhängigkeit“, „Werbe- und Marketingverbot in Kindergärten“ sowie „Transparenz der Rollen, Motive und Ziele der Partnerschaft

Richtig ist, dass mit dem Projekt zehn Prozent aller Kindergärten bis 2012 erreicht werden sollen. Wir wollen die Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Kindergär-ten somit einen großen Schritt voranbringen und das Thema in der Breite verankern. Das Projekt „Potz & Blitz – und ausdrücklich nicht die E.ON! – wird dazu natürlich auch eine Internetseite, Broschüren und andere Informationsmedien produzieren, um interessierte ErzieherInnen zu informieren.

Die Rolle des ANU Bundesverbandes

Der SPIEGEL schreibt: „27 Millionen Euro soll die ANU für die Koordinierung des Projektes bekommen“.

Unsere Anmerkung: Mit dieser Aussage könnte der Eindruck entstehen, die ANU erhalte ein Honorar in Höhe von 27 Millionen Euro für koordinierende Aufgaben. Das ist falsch. Die ANU bereichert sich mit diesem Projekt nicht. Das Geld von E.ON geht über den Projektzeitraum von vier Jahren ausschließlich in den konzeptionellen, personellen und strukturellen Aufbau und vor allem in die Durchführung des umfangreichen Projekts, das in einem Team aus ANU und NaturGut Ophoven in Zusammenarbeit mit einer Hochschule vorangetrieben wird. Nach umfangreicher externer Beratung soll dazu eine gemeinnützige GmbH gegründet werden, die eine ordnungsgemäße Verwendung der Mittel im Sinne der Projektziele sicherstellt.

Die Vorwürfe des BUND

Der SPIEGEL schreibt: „E.on wolle sich mit ihrer [ANUs] Hilfe „ein anderes Image geben“, warnt der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger die ANU-Chefin schriftlich. Vielleicht würden den Kindern Atomkraftwerke als Klimaretter untergemogelt? Die „Nicht-Korrumpierbarkeit der Umweltbewegung“ stehe auf dem Spiel“.

Unsere Anmerkungen: Der versteckte Vorwurf des Spiegels gegenüber der ANU, möglicherweise in Kauf zu nehmen, Steigbügelhalter der E.ON in Sachen Atompolitik zu werden, ist zutiefst unsachlich und polemisch. Die ANU wird sich nicht kaufen lassen. Auch ein Projekt mit der E.ON AG wird die grundsätzlichen energiepoliti-schen Vorstellungen der ANU (so unterschiedlich sie im Übrigen sind) nicht ändern.

Der in Frageform gekleidete Vorwurf bringt die notwendige inhaltliche Diskussion innerhalb der Umweltbewegung über Möglichkeiten und Grenzen der Zusammenar-beit mit der Wirtschaft übrigens auch keinen Schritt voran. Unsere Position hierzu haben wir in unserem Antwortbrief an den BUND bereits dargelegt. Zur Klarstellung: Ziel des Projektes ist die kindgerechte Förderung eines bewussten und nachhaltigen Umgangs mit Energie und natürlichen Ressourcen. Dies liegt in der alleinigen Verantwortung der pädagogischen ExpertInnen, also NaturGut Ophoven e.V. und ANU-Bundesverband.

Zur Presse- und Medienarbeit

Der SPIEGEL schreibt: „In der Presse werden Sie da nichts Großes sehen“, versi-chert auch E.ON-Mann Depluet. Es gibt allerdings eine interne Studie einer von E.ON beauftragten Agentur, die nicht gerade nach Leisetreterei aussieht. Sie liest sich wie eine Bedienungsanleitung für Medieninfiltration. Um Protesten vorzubeugen, seien im Februar bereits Fürsprecher aus Ministerien und Organisationen wie Greenpeace und WWF kontaktiert worden. Im Frühsommer soll die PR-Maschine für das Projekt „Potz & Blitz“ angeworfen werden.“

Unsere Anmerkungen: Der SPIEGEL bringt hier – bewusst oder weil er schlecht recherchiert hat – einiges durcheinander. Richtig ist, dass die ANU seit Monaten in einem engen Austausch mit anderen Organisationen und Akteuren im Umwelt und im Bildungsbereich steht, um mögliche Fehlerquellen im Projektdesign von Anfang an auszuräumen. Richtig ist weiterhin, dass das Projekt eine breite Öffentlichkeit braucht, um das anspruchsvolle Ziel, 10 Prozent der Kindergärten bis 2012 zu erreichen, zu erfüllen. Dafür braucht es eine entsprechende Presse- und Öffentlich-keitsarbeit von Projektseite. Hierzu wurde eine PR-Agentur beauftragt, Ideen zu entwickeln. Dass professionelle PR in der heutigen Zeit notwendig ist, haben alle Umweltverbände inzwischen verstanden. Was Journalistenworkshops, Redaktions-besuche und ein anlassbezogene Berichterstattung mit „Medieninfiltration“ zu tun haben können, erschließt sich uns nicht. Der SPIEGEL ist jedoch jederzeit eingeladen, sich nach Projektstart an diesen Veranstaltungen zu beteiligen.

Die Zitate des CSR-Chefs der E.ON beziehen sich indes nicht auf die Kommunikation des Projektes, sondern auf die Kommunikation der E.ON. Die eigenständige (also von E.ON unabhängige!) Kommunikation des Projektes und die unternehmenseigene Kommunikation der E.ON werden vom SPIEGEL-Redakteur offensichtlich zusammengeworfen.

Hanau, 21.4.2008
Annette Dieckmann und Susanne Schubert
(Vorsitzende und stellvertretende Vorsitzende der ANU)